"Schandelfmeter von Leipzig."

  • Hallo zusammen!


    mein Name ist Fabian Meier und ich bin Student an der WWU Münster. Momentan schreibe ich meine Abschlussarbeit, welche
    thematisch den



    "Schandelfmeter von Leipzig" behandelt. Die mediale
    Aufarbeitung, Herkunft des Namens, Korrektheit etc.


    Bei
    meiner Recherche stieß ich auf euer Forum und auf diese Diskussion:
    Arbeitsniederlegungen nach Schiebereien im DDR-Fußball (von 2005).
    Vielleicht könnt ihr mir helfen. Hat Jemand noch wirklich Quellen zu dieser Thematik: Spielberichte, Zeitungsartikel, LiberoHefte, FuWo-Hefte, Videos, Augenzeugen, Berichte, Ausstellungen usw.


    Besonders interessant wäre es, wenn mir Jemand was über die Namensherkunft was sagen kann.
    Bin über jeden Hinweise der das Thema auch nur irgendwie ankratzt absolut dankbar!!!
    Ich hoffe dass ist so bei euch im Forum erlaubt!!
    Mit freundlichen Grüßen aus Münster in NRW,
    Fabian Meier (Gerne auch privat: fabianmeier@wwu.de)

  • Nun, das war die Zeit, als ich jung war. Den Hass auf den BFC habe ich aus diesen Jahren bis in die heutige Zeit mitgenommen, und der wird bleiben - daran können auch Zuchtbullen oder ähnliche Kunstprodukte nichts ändern. So wie mir geht es 98 Prozent der in den 80er Jahren in der DDR sozialisierten Fußballfans. Ich lache nur, wenn im heutigen K-Block des Dynamo-Stadions das Feindbild Wismut Aue heißt...
    Der berühmte Elfer von Leipzig wurde ein bissel zum Synonym, aber es gab in all den Jahren zuvor viel schlimmere Schiebereien und Fehlentscheidungen zugunsten des BFC. Auch hat es danach deutlich nachgelassen (beginnend schon bei den Pokalspielen zwischen BFC und Lok im Frühjahr 86).
    Bei normalen Schiris wäre Dresden 80 und 84 sowie Jena 81 definitiv Meister geworden. In den letzten BFC-Jahren war es dann so, dass es keinen direkten Konkurrenten mehr gab, die Verfolger nahmen sich reihenweise gegenseitig die Punkte weg. So auch 85/86, als dem BFC 34:18 Punkte zum Titel reichten (für Dresden war es das Katastrophenjahr schlechthin und die übrige Konkurrenz war nicht besser).
    Was bei diesem Elfer in Leipzig im Gedächtnis blieb, war die 95. Minute. Die gab es ansonsten genau zweimal, als der BFC einmal in Zwickau und einmal in Frankfurt Oder jeweils 1:2 zurücklag (und auch verlor). Man hat ja so seine Erinnerungen an die Konferenzschaltungen auf Radio DDR. Ansonsten war damals eine Nachspielzeit von einer, maximal zwei Minuten die Regel, in Ost wie West. Ausnahmen gab es natürlich auch, wenn der BFC führte. Das Spiel gegen Dresden 81/82 wurde beim Stande von 2:1 nach 88 Minuten abgepfiffen.
    Eins der schlimmsten Schieberspiele war das Pokalfinale 85, wonach Schiri Roßner sogar für ein Jahr aus der Schusslinie gezogen wurde. Aber auch der konnte den dritten Dresdner Sieg im Pokalfinale nicht verhindern. Meine schönsten Jugenderinnerungen!
    Aus den Dresdner Heimspielen gegen den BFC habe ich eine ganze Latte Fehlentscheidungen in Erinnerung (auch wenn ich das 30 Jahre später objektiv filtere, bleibt das so). Aber auch das Fernsehen lieferte vieles (und verschwieg wohl noch mehr). Ich erinnere mich an ein klares Handspiel eines BFCers vor dem 3:2-Siegtor in Erfurt 85/86 oder ein klares Foulspiel vor dem 2:2-Ausgleich in Jena 80/81. Die für Dresden nicht gegebenen Elfer im Punktspiel in Berlin 80/81 waren auch deutlich im Fernsehen zu sehen. 83/84 schoss Dresden in Berlin ein reguläres Tor zum 1:1 - ich weiß bis heute nicht, warum es nicht gegeben wurde. Die Beispiele ließen sich fortsetzen, alles kann man sich auch nicht merken. Aber ein paar Bilder von damals habe ich bis an mein Lebensende im Kopf!
    Ich finde es auch keinen Zufall, dass der DDR-Fußball seine international im europäischen Mittelfeld gefestigte Stellung der 70er Jahre in der ersten Hälfte der 80er völlig verlor - das hing direkt mit der BFC-Protektion zusammen. Erst am unmittelbaren Ende der DDR wuchs wieder eine Generation heran, die dann auch in der Bundesliga ihren Weg ging (der Jahrgang 65 war auch im DDR-Fußball ein guter!).
    Mein erstes Spiel im Dynamo-Stadion war übrigens am 30.8.75 ein 5:1 gegen den BFC!

    "Der natürliche Grundzustand des Fußballfans ist bittere Enttäuschung - egal, wie es steht!"
    Nick Hornby

  • Falls du dass noch nicht kennst: https://www.google.de/url?sa=t…b4ksnWmulvTrSw9ZJhuBeNktA


    War das wirklich ein Schandelfmeter? :nein:


    ja sicher war es das. was soll der stumpf auch anderes sagen zu seiner Verteidigung? für lok in Berlin hätte er ihn sicherlich nicht gepfiffen :whistling:

    Journalisten sind Leute, die ein Leben lang nachdenken, welchen Beruf sie eigentlich verfehlt haben. (M. Twain)

  • Hass und die durch Hass geprägte Erinnerung als Grundlage für eine Bewertung? Ich kann mit Hass im Zusammenhang mit Sport nichts anfangen. Irgendwie widerspricht das dem Sportler in mir. Der Rivale bleibt ein Gegner, den ich brauche, um meinen Sport zu betreiben. Ohne Respekt kann ich nicht mit ihm streiten. Ich verstehe auch die "Scheiß Union!"-Rufe vieler BFCer nicht. Braucht man sowas als Motivation bei der Betrachtung eines Fußballspiels? Aber ich will dir deinen unauslöschlichen Hass nicht nehmen. :rolleyes:

  • Wenn du all meine Berichte liest, wirst du dort immer den Respekt vorm Rivalen finden. Aber das ist eben etwas völlig anderes als die DDRRealität der 80er Jahre, wie sie damals eben von 98 Prozent der FuSballfans wahrgenommen wurde. Damit müssen sich die anderen 2 Prozent halt abfinden. Der BFCBlickwinkel war nun mal ein völlig anderer. Der von oben herab nämlich.

    "Der natürliche Grundzustand des Fußballfans ist bittere Enttäuschung - egal, wie es steht!"
    Nick Hornby

  • Wenn du all meine Berichte liest, wirst du dort immer den Respekt vorm Rivalen finden. Aber das ist eben etwas völlig anderes als die DDRRealität der 80er Jahre, wie sie damals eben von 98 Prozent der FuSballfans wahrgenommen wurde. Damit müssen sich die anderen 2 Prozent halt abfinden. Der BFCBlickwinkel war nun mal ein völlig anderer. Der von oben herab nämlich.

    Nehmen wir an, es stimmt. Dann willst du jetzt Gleiches (von oben herab) mit Gleichem vergelten? Und das sozusagen bis in alle Ewigkeit pflegen?

  • Weißt du, den BFC von heute ignoriere ich. 95/96 und 96/97 war ich noch zweimal dort, jeweils gegen Dresden. Im April 2000 gabs wohl das letzte Duell in DD. Ich bin längst im Amateurfußball angekommen und habe eher nebenbei noch meine Sitzplatz-Dauerkarte in Dresden. Meine Generation auf der Westtribüne denkt genauso wie ich, die jungschen Hüpfer im K-Block (und damit meine ich jetzt alles unter 40) rennt lieber in weinrotweiß als in schwarzgelb zu Dynamo, die hassen Aue und Rostock - die nächste Generation hat also längst ihren Frieden mit dem BFC geschlossen. Ich kann das nicht und werde das nicht. Das ist meine persönliche Sache, aber eben in meiner Generation nicht nur meine persönliche.
    Ich hätte diesen Artikel hier auch nie geschrieben, wenn der Anstoß nicht gekommen wäre. Aber solange sich der BFC selbst als "der Ruhmreiche", "der Serienmeister" und was weiß ich bezeichnet, darf eben auch die andere Seite der Medaille nicht in Vergessenheit geraten.

    "Der natürliche Grundzustand des Fußballfans ist bittere Enttäuschung - egal, wie es steht!"
    Nick Hornby

  • Eigentlich wollte ich mich zu diesem Quatsch garnicht äußern, aber nach dem Bayern-Elfer gestern juckte es mich zusehr in den Fingern meinen kleinen Post zu schreiben...


    Da ich mich dadurch selbst reingeritten zu haben scheine, doch noch ein paar Anmerkungen.


    Grundsätzlich als erstes:
    Noch heute (!) kotzt mich die jahrzehntelange Schieberei zugunsten des BFC an! Das Schlimmste an der ganzen Sache war (bei Weinzierl gestern auch zu spueren) die Ohnmacht, auch nur das Geringste dagegen ausrichten zu können.


    Aber geradezu lächerlich ist es, diesen Elfer als Aufhänger herzunehmen.
    Mein liebes talent, gehst du auf einen der obigen Links, findest du unter YouTube noch andere Beiträge zum Thema. In einem wird ein bis dahin unveröffentlichter Schwarz-Weiss Film gezeigt (zugegebenermaßen BFC Analysematerial), in dem letztendlich "klar" zu sehen ist, dass man diesen Elfer "können geben" muss"".
    Du siehst an meiner Formulierungein gewisses Dilemma.
    Fakt ist, selbst bei heute 99 Kameras im Stadion, ist nicht jeder Elfermeterpfiff voll beweisbar!!!
    Wie man so schön sagt, diesen Elfer kann man geben (der Zeitpunkt ist evt. eine andere Sache) und dient in k e i n s t e r Weise alleinstehend als Beweis.


    Noch was grundlegendes:Der Begriff "Schandelfmeter von Leipzig" ist mit Sicherheit ein Nachwendebegriff und wurde in der DDR so sicher nie verwendet.


    Und warum ich gestern vorallem einen etwas ironischen Beitrag verfasste:
    So wie morgen sicher nicht in der BRD gestreikt wird, gab es mit absoluter Sicherheit auch damals keine organisierte Streikbewegung wegen dieses Elfmeters!!!!! (dann hätte es -erwiesenermaßen- jede Woche welche geben müssen.


    Zuletzt möchte ich meine Verwunderung mit einem meiner Vorredner teilen, über welchen Quatsch man zu akademischen Ehren gelangen kann.

    Jedes Team kann mal ein schlechtes Jahrhundert haben !

  • ja ja der Bayern elfer da juckt es so einigen, insbesondere Dortmundern....


    und wenn du schon auf das bildematerial eingehst, dann schau mal 10 sec. vorher, gleiche Szene nur andersrum, selbst da hätte man schon zu Gunsten von lok abpfeiffen können. jeder sieht halt nur das was, man sehen will- ich übrigens auch.


    heutzutage kann man nicht nur über alles Bachelor, master und etc. arbeiten schreiben, sondern jeder depp, kann sich am Abitur versuchen- und wählt dann Kunst, singen, sport und besteht es mit 4,5....

    Journalisten sind Leute, die ein Leben lang nachdenken, welchen Beruf sie eigentlich verfehlt haben. (M. Twain)

  • Es war für uns damals ganz schlimm und zeigte uns auch, dass Lok und wir keine Chance hatten, irgendetwas gegen diese Ungerechtigkeit zu unternehmen. :rotekarte:
    Auch hatten uns die damaligen Lok- Verantwortlichen zu verstehen gegeben, dass wir "den Ball flachhalten" sollten"!
    Der Schiri hatte sicher seinen Parteiauftrag.
    Übrignes gibt es heute eine Fanfreundschaft zwischen Lok und dem BFC.

    Der Fußball ist die Strafe dafür, dass wir es nicht beim Spielen belassen können!

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