Am 18.09.2003 fand die jährliche Mitgliederversammlung des EFC Stahl statt. Hier mein Bericht von dieser Veranstaltung, zu der ca. 60 der 366 Vereinsmitglieder erschienen:
Bericht des Vorstandes durch Präsident Rainer König:
Herr König sagte in seinem kurzen Bericht, daß die Gewinnung von Sponsoren in der Stadt und im Umland immer schwieriger werde, er aber dennoch dem Vorstand eine gute Arbeit und einen ordnungsgemäßen Umgang mit den zur Verfügung stehenden finanziellen Mittel attestiere.
Für das laufende Spieljahr rückte er bereits jetzt von der Zielstellung der Oberliga-Mannschaft ab und bezeichnete „einen einstelligen Tabellenplatz in der Oberliga unter den derzeitigen Gegebenheiten als nicht realisierbar.“
Bericht des Aufsichtsrates durch AR-Vorsitzenden Dr.Klaus Rothe
Herr Dr.Rothe machte auf mich einen sehr professionellen Eindruck, so war sein Bericht sachlich und schonungslos – wenn auch ernüchternd:
Zunächst bescheinigte auch er allen Gremien und Verantwortungsträgern des EFC einen ordnungsgemäßen Umgang mit den finanziellen Mitteln des Vereins. Die finanzielle, wirtschaftliche und sportliche Konsolidierung des Vereins in der abgelaufenen Spielzeit sei gelungen, so konnte z.B. das Wegbrechen des Sponsors „Sparkasse“ (die Sparkasse zahlt jetzt nur noch in einen Fonds für ALLE Vereine ein, aus dem sich der EFC auf Antrag bedienen kann) durch mehrere Kleinsponsoren ausgeglichen werden.
Das wars dann aber auch schon an positiven Sachen...
Im weiteren Verlaufe seines Berichtes ging Dr.Rothe schonungslos auf die aktuelle Situation und die Zukunft des Vereins EFC Stahl ein:
Durch die Reduzierung der Sponsoringgelder des EKO-Stahlwerkes (Begründung des EKO: Kostendruck sowie Umverteilung des Sponsoring-Budgets zugunsten der Kultur) auf 33% der ursprünglichen Summe in den nächsten 5 Jahren habe der EFC „seine Berechtigung in der heutigen Form und in den heutigen Klassen verloren.“
Zudem mache dem Verein – wie allen Vereinen der Stadt– der Geburtenrückgang und die demographische Entwicklung der Stadt Eisenhüttenstadt schwer zu schaffen, so werde die Stadt Eisenhüttenstadt im Jahr 2030 bis auf eine Einwohnerzahl von 30.000 schrumpfen; in diesem Jahr wurden nur sechs erste Klassen eingeschult, Schulen stehen vor der Schließung.
In Anbetracht dieser Situation erklärte Dr.Rothe eine „Bündelung der Vereine Eisenhüttenstadts“ für eine wichtige Maßnahme, um „den Fußballsport in Eisenhüttenstadt aufrechtzuerhalten“. (Was nichts anderes heißt als Fusion.). So wurden bereits zwei Arbeitsgruppen mit dem 1.FC Fürstenberg/O. (Kreisliga) auf sportlichem und organisatorischem Gebiet geschaffen, die Vor- und Nachteile einer Fusion beider Vereine aufzeigen soll. In den A- und C-Junioren bilden beide Vereine bereits jetzt eine Spielgemeinschaft.
Zum Abschluß seines Berichtes legte er den Vereinsmitgliedern nahe, sich dieser ernsten Situation im Eisenhüttenstädter Fußball nicht zu verschließen und aktiv an der Gestaltung des Vereins mitzuwirken.
Statement von Wolfgang Schneider (Vizepräsident):
Herr Schneider sagte, daß er die Möglichkeiten des Vorstandes und Aufsichtsrates bei weitem nicht ausgeschöpft sieht und da noch erhebliche Reserven bestünden, sich für den Verein zu engagieren.
Statement von Harry Rath (Trainer 1.Mannschaft):
Auch Harry Rath sah im Engagement einiger Vereinsmitglieder noch erhebliche Reserven, auch er unterstütze die Verhandlungen mit dem 1.FC Fürstenberg. Er machte klar, daß der Verein vor einem Umbruch steht und Jeder gebraucht wird: „Wir brauchen keine Miesmacher, sondern Mitmacher. Wer nicht in unserem Boot sitzt, fliegt raus!“
Zum Schluß gab es noch drei Satzungsänderungen, die aber nicht wesentlich sind, Vorstands- und Aufsichtsratswahlen standen bei dieser Mitgliederversammlung nicht auf der Tagesordnung.
Also alles in allem eine sehr ernüchternde Mitgliederversammlung, die aber sehr offen geführt wurde – und auch eine Chance zum Neuanfang bietet.