Beiträge von Chemiefreak

    Prüfer ohne Auftrag



    Leipzig. Der Bundesrechnungshof in Berlin ist keine kleine Behörde, und so brauchte Michael Reinert einige Stunden, um seinem Job als Sprecher in einer besonderen Angelegenheit nachzukommen. In Berlin sei "absolut nichts" von einer Prüfung des hochsubventionierten Zentralstadions "bekannt", erklärte Reinert schließlich, zeigte sich "erstaunt" über anderslautende Medienberichte vom Wochenende: "Ich weiß nicht, wie die auf diese Idee kommen. Bei uns im Hause ist nichts geplant, wir waren erst Ende 2004 in Leipzig."




    Hans Wolff, im Stadion der städtische Oberaufseher über die Verwendung öffentlicher Mittel, hat einen ähnlichen Erkenntnisstand: "Ich sitze seit 2001 hier, jede Mark und jeder Euro gehen über meinen Schreibtisch. Wenn der Rechnungshof prüfen will, erfahre ich das zuerst." Der in den Raum der Spekulationen gestellte Vorwurf, Stadion-Investor Michael Kölmel habe Steuergelder zweckentfremdet, sei absurd. "Da ist nichts dran", berief sich Wolff auf permanent sprudelnde Info-Quellen "interner und externer Kontrolleure".


    Dass da nichts dran ist, gab auch Sportbürgermeister Holger Tschense zu Protokoll, schickte dennoch die Wirtschaftsprüfungskanzlei KPMG in die Spur. Kam im Hause des Prüflings nicht gut an. Warum kommt die KPMG, wenn keine Verdachtsmomente da sind? Sehen so vertrauensbildende Maßnahmen aus? Kölmel ist sauer, hat sich in den Schmollwinkel zurückgezogen, will Leipzigs Sport links liegen lassen - und dem Hauptmieter satten Mietzins berechnen. Womit der Rückzug des FC Sachsen in den Kunze-Sportpark unumgänglich wäre. Ein WM-Stadion mit Kirchentagen und den Zeugen Jehovas statt Fußball? Gott- und trostlose Vorstellung. Die Verträge zwischen der Stadt und Kölmel würden dieses Szenario übrigens nicht verhindern.


    Tiefensee: Suchen das Gespräch


    Gestern ließ der im Stadtrat beschäftigte OBMWolfgang Tiefensee kurz angebunden mitteilen, dass man das Gespräch mit dem Investor suchen werde. Vielleicht erinnert sich der Gefundene dann daran, dass sein Kinowelt-Comeback ohne Zutun der Leipziger Sparkasse und Tiefensees freundlicher Haltung als Verwaltungsrats-Boss des Kreditinstituts schwierig geworden wäre. Vielleicht wird das Rathaus-Oberhaupt aber auch dies zu hören bekommen: "Ihr habt mir ein stetig wachsendes Ei ins Nest gelegt." Bekanntlich lautet ein von Kölmel schon öfter formulierter Vorwurf, dass man ihn unter Vorspiegelung aufpolierter Tatsachen als Investor gewonnen habe.
    Für Holger Tschense sind alte Kamellen kein Thema, oberste Bürgermeisterpflicht in der momentanen Lage: Wogen glätten. "Wir müssen Herrn Kölmel beruhigen." Fall der nicht zu beruhigen ist, kann er sich auch den erhofften höheren Betreiberzuschuss - 1,8 Millionen Euro statt 1,2 Millionen jährlich - abschminken. Und es bliebe unter vielen anderen Fragen auch jene nach der Attraktivität für potenzielle Namenssponsoren zu klären. Welches Unternehmen soll viel Geld für ein Stadion raus tun, das alle paar Wochen in Zusammenhang mit, sagen wir, artfremden Events genannt wird? "Wir berichten live vom finalen Amen des Kirchentages aus der Leipziger Porsche-Arena ... " Porsche-Chef Wendelin Wedeking würde noch während der Fahrt auf BMW umsteigen ...


    Beim FC Sachsen berät man heute Abend im Rahmen einer ad hoc einberufenen Vorstandssitzung über Plan A und Plan B. "A ist mit Herrn Kölmel, B ohne", sagt Klub-Vize Stefan Opitz. Das Zentralstadion ohne kickenden Hauptmieter hält Opitz für "reine Idiotie!" Opitz und auch Trainer Wolfgang Frank ("Wir müssen wieder mal abwarten") kam mit dem Sinneswandel Kölmels jegliche Planungssicherheit abhanden. Der Klub ist aber selbst ohne die Hilfe des Kinowelt-Machers nicht völlig aufgeworfen. Nach unseren Informationen sitzen potente Menschen in den Startlöchern, um das eventuelle Vakuum mit Geld, Sinn und Verstand zu füllen. So beobachtet beispielsweise Norbert Pflippen, Spielerberater, PR-Profi und lebende Kontaktbörse, nach wie vor die Geschehnisse in Leipzig sehr genau.



    Guido Schäfer

    Wagener: "Kölmel ist ein Krisenherd


    Krefeld/Leipzig. Dass Stadion-Kaufinteressent Gerald Wagener, 44, eines fernen Tages die Verhandlungen mit Michael Kölmel fortsetzt, ist ähnlich wahrscheinlich wie die Befriedung zwischen Lok Leipzig und Chemie Leipzig. Sportmanager Wagener, 44, über die Schlammschlacht ums Zentralstadion, den geplatzten Deal mit Kölmel, einen Dauerkrisenherd und Nasenringe.




    Frage: Laut Herrn Kölmel sind die Verkaufsverhandlungen gescheitert, weil Sie ständig neue Forderungen stellten. Außerdem hätten Sie Kölmel beim WM-Organisationskomitee mit Indiskretionen angeschwärzt. Wie gestaltete sich das Ganze aus Ihrer Sicht?


    Gerald Wagener: Das ist völliger Unsinn. Wir können anhand des Schriftverkehrs penibel nachweisen, welche Informationen wir wann und von wem angefordert haben. Gerade zum Thema "Rechts- und Baurisiken" sind uns Auskünfte kategorisch verweigert worden. Am 25. April 2005 hätten diese Auskünfte final vorliegen sollen, am Vormittag des 25. April hat Herr Kölmel die Verhandlungen dann abgebrochen. Unser Schreiben ans WM-OK als Grund für eine Terminabsage zu nehmen, möchten wir nicht bewerten. Genauso hätte Herr Kölmel aber auch das schlechte Wetter in Düsseldorf als Grund für den Verhandlungsabbruch nehmen können.


    Sie können die Mittelverwendung eines hohen zweistelligen Millionenbetrages nicht nachvollziehen, Kölmel will jeden Cent belegen, begrüßt die Zwischenprüfung der KPMG ausdrücklich. Auch Sportbürgermeister Holger Tschense hat keine Anhaltspunkte zweckentfremdeter Fördermittel entdeckt.


    Es steht uns nicht zu, eine Wertung vorab zu geben.


    Laut Kölmel fallen Sportfördermaßnahmen jetzt flach, bis die Vorwürfe gegen ihn ausgeräumt sind. Was bedeutet das für den FC Sachsen, für Confederations Cup und Weltmeisterschaft?


    Nun, das sind die immer gleichen Ringe, die Herr Kölmel der Stadt durch die Nase zieht. Die Stadt selbst muss entscheiden, wie sie damit umgeht. Mit der jungen Liebe zu den Sachsen scheint es ja nicht allzu heftig zu sein.


    Im Rathaus wurde diskutiert, das Stadion slbst zu kaufen und Sie als Betreiber einzusetzen. Wie realistisch sind derartige Pläne angesichts der aktuellen Eskalation?


    Die Stadt ist sicher nicht schlecht beraten, den Dauerkrisenherd Kölmel/Stadion ein für allemal zu beseitigen. Die Probleme mit Kölmel bestanden ja schon, bevor wir uns des Themas angenommen haben. Und Sie sehen an der aktuellen Diskussion, dass Herr Kölmel Stadion, Chemie Leipzig und die WM immer dann als Drohwerkzeug zeigt, wenn er seinen Willen nicht bekommt. Ob dies die Stadt als Dauerzustand möchte, können wir nicht ermessen.


    Interview: Guido Schäfer LVZ

    Cooles Interview Wir sind in Leutzsch zurück:
    Leipzig. Stadion-Investor Michael Kölmel (51) weist eine Zweckentfremdung von Fördermitteln von sich, spricht von gezielt gestreuten Gerüchten im Hinblick auf die Finanzierung des Zentralstadions, will rechtliche Schritte gegen Falschbehauptungen einleiten, unterstützt die Prüfung der Vorwürfe durch eine renommierte Wirtschaftsprüfungsgesellschaft.



    Und er wird beim FC Sachsen aussteigen - zunächst für ein Jahr. Damit müssten die Leutzscher wieder im Kunze-Sportpark spielen. In einer persönlichen Erklärung Kölmels hieß es gestern: "Ich bedaure sehr, dass wir, bis alle offenen Fragen beantwortet sind, sämtliche laufende Gespräche über die geplanten Sportfördermaßnahmen (aktuell mit dem FC Sachsen) sowie zur Zukunft des Stadions einfrieren." Daraufhin fragte diese Zeitung nach.


    Frage: Muss Leipzig um Confederations Cup und Weltmeisterschaft fürchten?


    Michael Kölmel: Nein, da läuft alles wie geplant. Der Confederations Cup ist eine Veranstaltung der Stadt, sie hat die Ausgaben dafür zu bestreiten, aber auch die entsprechenden Einnahmen. Vor allen Dingen bedeutet es einen großen Prestigegewinn, wenn die Spiele im Zentralstadion stattfinden. Auch wir hatten Zusatzkosten, haben beispielsweise viele zusätzliche Geräte wie Stromaggregate bereitgestellt, um alle Anforderungen zu erfüllen.


    Wie fühlen Sie sich von der Stadt behandelt?


    Ich denke, bei der Stadt besteht Orientierungsbedarf. Es ist offensichtlich nicht geklärt, mit welchem Investor die Stadt zusammenarbeiten möchte. Ich bin für alles offen, fordere aber klare und transparente Verhältnisse. Wer spricht mit wem? Wer will welchen Investor? Alle diese Fragen verlangen verlässliche Antworten, so dass wir diesen Schritt gehen mussten. Leider hemmt das die Entwicklung des Leipziger Sports. Da hatte ich einiges vor, vor allem was den FC Sachsen angeht.


    Wird denn der Verein weiter im Zentralstadion spielen können?


    Wenn er es mietet, ja. Wir haben heute Herrn Flascha von der KPMG (Flascha ist auch Schatzmeister des FC Sachsen - d. R.) informiert, er teilt unsere Meinung zur aktuellen Situation. Der FC Sachsen wird also vermutlich im Kunze-Sportpark spielen.


    Im DFB-Pokal auch?


    Da muss man über die Konditionen reden. Es kann durchaus sein, dass nach dem Confederations Cup und der WM im Zentralstadion kein Fußball stattfindet.


    Ihr Schritt bedeutet das Ende der Leutzscher Aufstiegsträume.


    Meine eingestellte Unterstützung gilt zunächst für ein Jahr. Das hat Leipzig sicher verloren, was die Entwicklung des Fußballs und des gesamten Sports angeht.


    Was wird aus dem geplanten Finale im Liga-Pokal?


    Wenn die Stadt oder die Deutsche Fußball Liga das Endspiel in Leipzig austragen möchten, können sie das Stadion gerne mieten. Es macht jedoch ökonomisch keinen Sinn, dass wir die DFL subventionieren sollen, in dem wir für geplante Zuschauereinnahmen Garantiesummen hinlegen. Immer wieder wurden neue Forderungen an uns herangetragen, wir haben alle erfüllt. Als Investor fühlt man sich nicht gut behandelt.


    Wie hoch würde der Mietpreis sein?


    Ähnlich wie bei anderen Veranstaltungen zwischen 50 000 und 100 000 Euro.


    Welche Rolle spielte Kaufinteressent Gerald Wagener bei ihrem Entschluss, die Gespräche einzustellen? Wagener sprach von fehlenden Bauunterlagen.


    Selbstverständlich haben Herr Wagener und die Experten alles zu sehen bekommen, was sie brauchten. Er hat auch keine offenen Fragen uns gegenüber moniert. Ich weiß nicht, ob Herr Wagener vor allem auf Zeit spielen wollte, um bei der Stadt noch bessere Bedingungen für die Betreibung des Stadions herauszuschlagen. Natürlich bin ich auch darüber enttäuscht, wie in der Öffentlichkeit über uns diskutiert wird. Ich bin beim Filmfestival in Cannes, werde von vielen Leuten angesprochen, was dran sei, dass der Bundesrechnungshof bei uns prüft. Dabei wird schon vergessen, dass diese Behörde nur Kommunen prüft.


    Interview: Winfried Wächter

    Schwesinger wieder Mann des Tages LVZ



    Leipzig. Sie kommen spät, sehr spät, zu spät in Wallung, die Fußballer des FC Sachsen. Pokaltriumph gegen Chemnitz, 2:0 in Sondershausen, jetzt das 3:0 in Auerbach: Kurz vorm Saisonende ist zusammen gewachsen, was zusammen gehört, stimmen Aufwand und Ertrag.


    Andreas Schwesinger (61./68.) und Benjamin Fraunholz (79.) machten die Tore im nasskalten Auerbach. "Wir wollen Platz drei sichern, das setzen die Jungs um", war Cheftrainer Wolfgang Frank einverstanden mit dem Part seiner Untertanen. Die ließen Ball und Gegner laufen, hatten erneut in Schwesinger den Matchwinner. "Schwese", noch unlängst als Chancentod und Entlauber bezeichnet, markierte seine Treffer sieben und acht. Beim Saisonfinale gegen den FC Oberlausitz (Sonntag, 14 Uhr, Kunzesportpark) genügt ein Remis, um sich die Rangvierten Hallenser vom Hals zu halten.


    Die Planungen für die Abschlussfete laufen, jene für die kommende Saison auch. Falls Rot-Weiß Erfurt in die Oberliga durchgereicht wird, könnte es zu einer thüringschen Völkerwanderung kommen. "Es gibt da einige interessante Spieler ...", so Rolf Heller, der im Oktober sein Aufsichtsrat-Amt in Erfurt quittiert hatte, um Sachsen-Präsident zu werden. Nach unseren Informationen werden diese Herren hoch gehandelt: Stürmer René Hebestreit, 30, Mittelfeldspieler David Fall, 27, Offensivmann Torsten Traub, 25, und - man höre und staune - Torhüter-Ikone René Twardzik. Der 34-Jährige, just zum Erfurter Spieler der Saison gewählt und jahrelang beim FC Sachsen eine Bank, wäre offenbar nicht abgeneigt. "Ich habe Sachsen Leipzig und diese fantastischen Fans immer im Herzen."


    Der Leutzscher Einkaufswagen wurde auch in Zwickau gesichtet. Auf dem Einkaufszettel: FSV-Allrounder Christian Müller, 23, der beim 1:2 in Leipzig das Zwickauer Tor köpfelte. Auch auf den Hallenser Routinier Mentor Miftari, 34, haben die Sachsen ein Auge geworfen. Dass der Abwehrcrack beim 4:1 des HFC in Dresden-Laubegast Rot wegen eines Lama-Anfalls sah, dürfte seine Wechselchancen verringert haben. Speiende Kicker mag Coach Frank gar nicht. Franks früherer Sportdirektor René Deffke (klagt auf Abfindung) und der FCSachsen stehen übrigens vor einer außergerichtlicher Einigung. Momentan sind runde 20.000 Euro im Gespräch.

    Zitat

    Original von Katscha
    Durch einen 3:2 Sieg in Zehlendorf ist unsere A-Jugend wieder Spitzenreiter in der Regionalliga N/O. :freude:


    Und wenns gut läuft Aufsteiger in die Bundesliga Wäre ein Klasse Erfolg :schal2:

    Aus für Noll, folgt Jack? LVZ



    Leipzig. Das Leutzscher Personalkarussell nimmt Fahrt auf, vor der morgigen Partie in Auerbach (14 Uhr) kam Klarheit in diverse Angelegenheiten. So muss sich Allrounder Eric Noll, 29, nach einem neuen Verein umsehen. Die Erklärung seitens des Vereins kam wachsweich daher.


    Coach Wolfgang Frank hätte "den Eric gerne behalten", reklamiert "finanzielle Zwänge", ließ merkwürdigerweise dennoch ein kleines Hintertürchen offen: "Mal schauen, wie sich die Dinge entwickeln ..." Klub-Boss Rolf Heller dribbelte gleichfalls um den heißen Brei, sprach davon, nicht mit 25 Mann in die Saison gehen zu können, Wie wär's damit: Herr Noll genügt nicht unserem hehren Aufstiegsanspruch! Der hat das Thema FCSachsen "schweren Herzens" abgehakt. "Ich wäre sehr gerne geblieben, kann aber nicht warten, bis sich jemand erbarmt und mir einen Vertrag anbietet."


    Kompliziert stellt sich der Fall Mathias Jack dar. Der 36-jährige Abwehrchef lehnte gestern eine "noch mal verbesserte Offerte" (Heller) ab.Weil kein neuer Gesprächstermin vereinbart wurde, deutet jetzt alles auf einen Jack-Abschied hin. Der Ex-Schotte konnte/wollte sich nicht mit einem stark leistungsbezogenen Kontrakt (überschaubares Garantiegehalt, nette Auflaufprämie) anfreunden. Klub-Vize Stefan Opitz angefressen: "Unser Angebot war fair." Gibt's Nachbesserungen? "Nein." Perfekt sind die Vertragsverlängerungen mit Defensivmann Kevin Kittler, 23, und Linksfuß Richard Baum, 21. Beide bleiben weitere zwei Jahre - falls der Aufstieg gelingt. Andernfalls müsste vor allem beim von anderen Klubs umschwärmte Kittler neu gesprochen werden.


    Florian Korb, 23, und Stefan Maruhn, 22, haben beim Coach weniger gute Karten. "Bei den beiden müssen wir sehen, ob es nicht besser ist, sie auszuleihen." Aus den Reihen der aktuellen A-Junioren werden laut Frank "vier oder fünf" Jungkicker die Vorbereitung auf die nächste Saison mitmachen. Unter anderem kursieren die Namen Garbuschewski, Hoffmann und Jeßner.


    Finde auch ist ein wenig weit hergeholt :lach:

    Pflichten und Botschaften



    Leipzig. Der Mann lehnt an der Wand, lächelt freundlich und entspannt. Gerade hat er im Glockenturm des Leipziger Sportforums eine fast einstündige Pressekonferenz nahezu allein bestritten, anschließend noch die zahlreichen Wünsche nach Einzelinterviews für Radio und Fernsehen erfüllt. Dabei hat der Mann immer wieder erklärt, dass das Zentralstadion und sein Hauptgebäude bis zum Confederations Cup fertig wird, er den Leipziger Fußball nach vorne bringen will, auch andere Vereine in der Arena Leipzig unterstützt und sich besonders auf die Delitzscher Handballer freut.


    "Sie spielen jetzt in der stärksten Liga der Welt", sagt der Mann, der Michael Kölmel heißt und als Stadioninvestor und -betreiber zuletzt darüber nachdachte, an den Düsseldorfer Gerald Wagener zu verkaufen. Das passiert nun nicht, und bevor sich Kölmel heute zu den Filmfestspielen nach Cannes aufmacht ("Für mich eine Pflichtveranstaltung"), verkündet der Kinowelt-Chef seine Botschaften für den Leipziger Sport.


    Sie sind nicht mehr ganz neu. Schon in den letzten Tagen wurde öffentlich, dass er zum Beispiel eine Zusammenarbeit mit Reiner Calmund, dem Ex-Manager von Bayer Leverkusen, anstrebt und aus dem Rathaus einen höheren Betreiberzuschuss für das Stadion fordert. Wie viel höher, sagt er mit Verweis auf laufende Verhandlungen trotz Nachfrage nicht. 1,8 Millionen Euro jährlich statt bisher 1,2 Millionen wurden zuletzt gehandelt. Dass der Abschluss der restlichen Arbeiten am Hauptgebäude unmittelbar bevorsteht, es somit für den Confederations Cup keine Probleme gibt, erklärt Otto Schlörb, Kölmels Mann für den Bau. "Wir sind quasi fertig", sagt Schlörb stolz. Das Kosten-Budget sei eingehalten worden, das Gesamtvolumen von 116,2 Millionen Euro werde vielleicht sogar noch unterschritten.


    Der FC Sachsen darf sich über Kölmels wiedergewonnene Zuneigung freuen. Das Stadion, in dem der Oberligist seine Punktspiele austrägt, ist für den Betreiber erst ab zweite Liga interessant. Deshalb möchte er, dass der Verein schnell nach oben kommt. Dabei hat Kölmel selbst schon einmal in Leutzsch viel Geld verloren, an die 14 Millionen Mark. "Sie hatten damals einen Insolvenzverwalter als Schatzmeister, und da dachte ich, da kann nichts passieren." Es passierte aber, Kölmel zog sich vom Verein zurück und ist nun wieder interessiert, ihn nach vorn zu bringen. Die Oberliga-Süd, hat er inzwischen erkannt, sei die stärkste vierte Liga in Deutschland. "Da müssen endlich auch einmal die Ostfunktionäre powern, damit vier oder fünf Mannschaften in die Regionalliga geschoben werden. Warum kann die nicht auf 20 Teams erhöht werden?" Dass die Ost-Absteiger aus beiden Regionalligen noch dazu in diese Oberliga-Staffel gerückt würden, mache das Ganze noch schwerer. Seine Kritik ist verständlich. Schließlich betreibt er nach eigenen Worten "ein Fußball-Stadion und nicht ein Event-Stadion". Kölmel will einen Zweitligisten vor Ort, mindestens. "Der FC Sachsen ist neu aufgestellt, da funktioniert auch die Kontrolle des Geldes viel besser", meinte Kölmel, der für den Leipziger Fußball einen klaren Wettbewerbsvorteil sieht. "Dresden spielt zwar in der zweiten Liga, doch nun stehen sie mit der Stadion-Frage vor einer Ochsen-Tour. Wir haben bereits eine hochmoderne Arena, und im Fußball muss die zweite Bundesliga doch machbar sein."


    Die erste Bundesliga mit den Delitzscher Handballern heißt er herzlich willkommen. Die Arena wird zur Verfügung gestellt, finanzielle Unterstützung gibt es nicht. Vielleicht dann, wenn die Namensrechte am Stadion (O2-Arena ist im Gespräch, Calmund soll dabei helfen) verkauft sind. Ein Teil dieser Einnahmen könnte in die Concordia fließen. Wie in andere Vereine auch. Jetzt geht's zum Tagesgeschäft - auf nach Cannes.
    INFO LVZ

    Es waren ca 1000- 1200 Karl Marx Städter aber den Jubel der 7500 Chemiker konnte man schon ein ein wenig weiter als bis zum BB hören. Der schallte durch den Leipziger Nachtabend. :D

    Steigen von Heesen und Calmund ein?



    Leipzig. Michael Kölmel lässt den Ankündigungen, Leipzigs Fußballs wachzuküssen, offensichtlich Taten folgen. Beim Leutzscher 2:1-Pokal-Triumph gegen Chemnitz verhandelte der Kinoweltchef und Stadionbesitzer mit einer schillernden Persönlichkeit der Fußball-Szene über eine Kooperation.


    Thomas von Heesen, 387-facher Bundesligaspieler und Manager von Arminia Bielefeld, ist offenbar nicht abgeneigt, sich und seine Kontakte in Leipzig einzubringen. "Herr von Heesen ist ein absoluter Experte", so Kölmel, "sein Wissen kann für uns wertvoll sein." Über die Art und Weise einer Zusammenarbeit wird noch nix verraten, es könnte aber durchaus sein, dass von Heesen die von Kölmel erwähnte Investorengruppe repräsentiert. In dieser Funktion würde der Ex-HSV-Star die Mittel seiner Auftraggeber möglichst segensreich investieren, dem langsam fahrenden Zug FC Sachsen Dampf unterm Kessel machen. In Bielefeld wird übrigens schon seit Wochen gerätselt, ob von Heesen seinen Manager-Vertrag verlängert ...


    Kölmel hat einen weiteren dicken Fisch an der Angel. Reiner Calmund, ehemals Manager bei Bayer Leverkusen und neuerdings im Aufsichtsrat des Drittligisten Fortuna Düsseldorf, soll ebenfalls anpacken. Weil Kölmel noch viele Millionen Euro von der Fortuna zu bekommen hat und zudem auf einem Großteil der Vermarktungsrechte sitzt, steht "Calli" sozusagen in der Schuld des Kinoweltchefs. Die könnte der kugelrunde WM-Repräsentant eines Filmherstellers und Werbebotschafter eines Telefonanbieters beispielsweise mittels Vermittlung eins Namenssponsors fürs Zentrastadion tilgen. Kölmel: "Herr Calmund kennt Gott und die Welt."


    Von der Zukunftsmusik zur aktuellen Leutzscher Combo. Mittelfeldmann Kevin Kittler, 23, nach Auskunft seines Beraters Marcus Kamm auf der Besetzungsliste diverser Drittligisten, bleibt den Sachsen treu. "Kevin hat per Handschlag verlängert", so Klub-Boss Rolf Heller. Einen weiteren Torwart wird der FCS nicht verpflichten, Coach Wolfgang Frank gedenkt mit dem Trio Jan Burmeister/Eric Domaschke/Daniel Lippmann in die nächste Saison zu gehen. Und: Der Magdeburgers Kapitän Mario Kallnik schlug gestern eine FCS-Offerte aus.


    Dem Pokalsieger steht übrigens ein warmer Geldregen in Haus. Falls der Ex-Leutzscher Tom Geißler, 21, den Zweitligisten Wacker Burghausen verlässt und im Sommer in die Bundesliga wechselt, sackt der FCS einen 50.000-Euro-Nachschlag ein. Geißlers Berater Karl Herzog: "Die Chancen auf einen Wechsel stehen fifty-fifty." Mainz 05 und Arminia Bielefeld haben In-teresse am Techniker bekundet. Burghausen kann nur jetzt Kasse machen, denn: Geißlers Vertrag läuft am 30. Juni 2006 aus - dann ist er ablöse-frei.


    Guido Schäfer LVZ

    Und die LVZ sieht es so:
    Irrer Pokalfight mit Happyend



    Leipzig. Mittwoch Abend, Zentralstadion, die letzte Minute der Verlängerung, es steht 1:1. Die Fußballspieler sind am Ende ihrer Kräfte, helfen sich beim Rausdrücken von Krämpfen, auf den Trainerbänken werden Zettel mit Elfmeterschützen bekritzelt.


    Der Logik einer beschi ... Leutzscher Saison folgend, wird der Chemnitzer FC das sächsische Pokalfinale gewinnen. In letzter Sekunde. Durch einen abgefälschten Schuss. Im Elfmeterschießen. Irgendwie eben. Weil der Fußballgott seit Monaten kein Chemiker mehr ist, hat sich kurz vor 22 Uhr auch Präsident Rolf Heller vorauseilend gefügt. "Klasse gefightet, nach Verlängerung oder Elferschießen verloren: Damit hätte ich leben können." Heller muss damit nicht leben. Frank Gerster schindet einen letzten Freistoß, Pico Niestroj haut das Ding parallel zur Torlinie knallhart in den Fünfmeterraum, Andreas Schwesinger hält den blonden Schädel hin.


    Das Netz beult sich, 2:1!, der ekstatische TOOORschrei von über 8000 Sachsen-Fans schallt bis zum Bayrischen Bahnhof, wenige Sekunden später ist die Sensation perfekt: Sachsen Leipzig hat den klassenhöheren und permanent feldüberlegenen CFC geschlagen, zieht in die DFB-Pokal-Hauptrunde. Dort werden Träume wahr, warten Bayern München, Schalke oder auch Dynamo Dresden. BERLIN, BERLIN, WIR FAHRENNACHBERLIN!!! Für den grün-weißen Anhang ist klar: So stoppt unsere Lieblinge keiner, so kommen wir bis ins Endspiel nach Berlin, so kehren wir auf die große Fußball-Bühne zurück. Während Heller am Seitenrand glückselig von "Balsam für die geschundene Leipziger Fußballseele" spricht, wehrt sich Wolfgang Frank mit Händen und Füßen gegen die Zudringlichkeiten seiner Kicker. Vergebens, die von Mathias Jack angestifteten Helden schnappen ihren Trainer, tragen ihn auf Schultern in die Fankurve, spritzen Rotkäppchen-Sekt aufs Franksche Haupthaar. "Peinlich, peinlich" war ihm das, wird er später sagen, dem Anlass nicht entsprechend, zu dick aufgetragen. "Auf Schultern tragen lasse ich mich eigentlich nur bei einem Aufstieg." Kann noch kommen. Irgendwann.


    Es wird an diesem Abend nicht überall gefeiert. Jena zieht bei den Amateuren von RW Erfurt nach Elferschießen den Kürzeren, der Hallesche FC fliegt inSangershausen aus dem Pokalgeschäft. Auch ein Sachsen-Fußballer leidet. Farat Toku liegt mit gebrochenem Köchel in der Kabine, Klubarzt Frank Striegler leistet erste Hilfe, legt eine Fusion an. Noch in der Nacht wird Toku operiert, der Bruch verplättet und verschraubt. Pause: Mindestens drei Monate.Die gute Nachricht für den Unglücklichen: Der Klub verlängert quasi am OP-Bett den Vertrag mit dem Techniker. Große Geste. Auch Jack, Turm in der Cup-Schlacht und von Frank ausdrücklich belobigt, bleibt Leutzscher. Pico Niestroj ist schon weg. Der Regisseur, mit zwei Assists ein lendenstarker Vater des Pokalsieges, jettet am Dienstag nach Island, kickt künftig für Gringavik. Im Gepäck die Pokalprämie. 500 Euro sollen es sein.


    Kapitän Ronny Kujat und Co. laufen Mittwoch Nacht im Szeneclub "Markt 1" feuchtfröhlich aus. Beim gestrigen Alk-Verdunstungslauf im Leutzscher Auenwald sollen einige Spatzen vom Ast gekippt sein ...


    Guido Schäfer


    FC Sachsen: Burmeister - Kittler, Gerster, Jack, Baum (97. Boltze) - Toku (62. Wejsfelt), Niestroj, Ferl (33. Noll), Seifert - Schwesinger, Kujat.


    CFC: Süßner - Kanitz, Schmidt (77. Arzt), Schindler, Stark, Okeke, Mehlhorn, Göhlert, Meyer (46. Pinto), Becker, Baumann (84. Calicchio).


    Tore: 1:0 Schmidt (59. Eigentor), 1:1 Stark (65.), 2:1 Schwesinger (119.).


    Zuschauer: 8592.


    SR: Wehnert (Haselbachthal).

    Wir haben den sächsischen Pott!


    Da trafen im sächsischen Pokalfinale im neuen Zentralstadion zwei Vertretungen aufeinander, die offiziell die gleiche Zielstellung besaßen, nämlich den sächsischen Landespokal zu holen, doch andererseits in diesen Wochen ganz unterschiedliche Prioritäten setzen. Denn unsere Männer wollten mit dem Pokalsieg die treuen Schlachtenbummler für die vielen bescheidenen Ergebnisse in den Punktspielen entschädigen, während die Chemnitzer in der allmählich auslaufenden Saison noch eine Menge »Holz« brauchen, um weiterhin in der Regionalliga mitmischen zu dürfen. Aus diesem Grund hatten wirklich nur wenige Experten ein spielerisches Hightlight und einen anderen Verlauf des Finales erwartet.


    Es entwickelte sich eine Auseinandersetzung zwischen zwei gleichwertigen Vertretungen, die durchschnittliches bis gutes Oberliganiveau hatte, doch keine anderen Ansprüche erfüllte. Jedenfalls mussten die stimmungsvollen 8592 Zuschauer in der riesengroßen Schüssel am Anfang auf Kombinationen, überraschende Aktionen und nennenswerte Gelegenheiten warten. Nur gelegentlich, wenn eine Truppe eine Standardsituation vor dem feindlichen Strafraum zelebrierte, wurde es wirklich brenzlig. Torhüter Süßner konnte einen Leutzscher Freistoß halten, und Mehlhorn hämmerte eine himmelblauen Standard knapp drüber. Doch die einzige echte Großchance hatte Jack, der eine Frank-Gerster-Freistoßvorlage aus wenigen Metern Entfernung vorbei schoss. Das passierte unmittelbar vor der Pause.


    In der zweiten Halbzeit wurden die Chemnitzer optisch überlegen, weil Fabio de Brasiliano Pinto den grünen Rasen betreten und unsere linke Abwehrseite mehrmals vernascht hatte. Glücklicherweise trafen seine folgenden Flanken meistens den Rücken eines Kollegen, der daraufhin keine Chance mehr hatte. Schließlich netzten zwei himmelblaue Spieler die Lederkugel doch noch ein. Nach einer Stunde Spielzeit lenkte Schmidt einen messerscharf getretenen Robert-Niestroj-Freistoß in die eigenen Maschen, und beinahe im Gegenzug machte Stark diesen Rückstand wieder wett. Als Torhüter Burmeister einen Chemnitzer Eckball nicht genau genug aus unserem Strafraum heraus geboxt hatte, zimmerte der zentral lauernde Hallore die »Nülle« aus schätzungsweise 22 Metern hinterhältig unter die Latte.


    So änderte sich praktisch nichts. In den restlichen 25 Minuten der regulären Spielzeit sowie in der Verlängerung waren die Chemnitzer optisch überlegen, ohne den nominellen Außenseiter in größere Bedrängnis zu bringen. Dafür standen die kämpferisch voll überzeugenden Leutzscher hinten sehr sicher. Außerdem konnten die Gastgeber die Lücken, die die unterschiedlich schwer verletzten Ferl und Toku hinterlassen hatten, durch Teamwork schnell schließen. Auch aus diesen Gründen war letztendlich unser Siegestreffer eine Minute vor dem drohenden Elfmeterschießen doch verdient. Niestroj hatte einem Freistoß, den »Chemie« in der Nähe der linken Eckfahne erhalten hatte, knallhart an Schwesingers Kopf geschossen, der natürlich nicht zurückzuckte und Roberts Flanke von der zentralen Torraumgrenze in den Chemnitzer Kasten prallen ließ. So schnell können Männer zu Volkshelden werden...L.W.