Beiträge von Holger K.

    Violenza a Roma e grande Lazio


    Während in deutschen Landen der Herbst nun auch spürbar Einzug hielt, Gilbhard sich nichtsdestotrotz in diesen, unseren Regionen nach wie vor, mit einigen wenigen Unterbrechungen, von seiner schönsten Seite zeigte und weiterhin zeigt, war es wieder an der Zeit, eine Kurzreise in die ewige Stadt anzutreten. 4 Tage standen dem Reisenden zu seelischer Entspannung und kulturellem Genuss zur Verfügung, flankiert von puren Emotionen und Leidenschaft in Form des Derby della Capitale.


    Fortsetzung


    Bilder werden noch nachgereicht.

    Serie A, 10. Spieltag


    Der Spielplan im Staat der Landräuber für die Saison 2010/11 wurde im August dieses Jahres bekanntgegeben. Am Sonntag, d. 07.11.2010, sollte es wieder soweit sein. Derbyzeit in der ewigen Stadt, mit Lazio als gastgebende Mannschaft. Seinerzeit stand die Uhrzeit für die Partie noch nicht fest, obschon man auf ein Abendspiel hoffte. Diese Hoffnung sollte sich aber alsbald zerschlagen und man wurde darüber belehrt, dass bereits um 15.00 Uhr gegen die Pille getreten wird.


    Freundlich wie man ist, fragte man bei den diversen, interessierten Protagonisten ob einer Mitreise zum bevorstehenden fußballerischen Leckerbissen, *räusper*, in Bella Italia an. Ein Flug von Berlin-Schönefeld nach Rom-Ciampino kostete zu diesem Zeitpunkt unglaubliche 46,00 €. Für Hin- sowie Rückflug wohlgemerkt. Tatsächlich wuchs die Reisegruppe im Laufe mehrerer Wochen dann auf sagenhafte 5 Teilnehmer an. Die Teilnehmerzahl hätte man bei Bedarf noch beliebig steigern können, gab es doch an uns auch diverse Anfragen von gruppenfremden, vermeintlichen und tatsächlichen blau-gelben Leipzigern. An dieser Stelle noch einmal ausdrücklich der Hinweis: nein, die Leipziger Jungz betreiben kein Reisebüro. Weder für Fußballreisen/Sportreisen noch für Pauschalurlaube. Zumindest noch nicht. Sollte das irgendwann doch der Fall sein, werden wir das entsprechend zeitnah kommunizieren. Von etwaigen Anfragen ist bis dahin diesbezüglich bitte abzusehen! Danke.


    Nachdem nun die Flüge für die 5 Teilnehmer gebucht waren, hieß es eine Unterkunft zu sichern. Gute Erfahrungen hatten wir im Vorjahr mit einer Pension im Neger- und Zeckenviertel von Rom gemacht. Also kurz Kontakt aufgenommen, die Übernachtung klar gemacht und fertig war das Gartenhäuschen. Schmale 25 Taler pro Nase. Da soll noch Mal einer sagen, Rom sei teuer.


    Was brauchte man jetzt noch? Ach ja, richtig, die Tickets für das Spiel. Natürlich wollte man wieder Karten für den Bereich Tribuna Tevera haben. Auch um zu sehen, was die italienische Gürtelindustrie für neue Produkte auf den Markt gebracht hat und den innerrömischen Dialogen auf den Rängen zu lauschen. Aber da hatte man die Rechnung ohne den italienischen Gesetzgeber gemacht. Im Staat der Nudelfresser wurden wieder Mal neue Gesetze erlassen, um der Gewalt im italienischen Fußball (wieder Mal) Einhalt zu gebieten, was den Erwerb von Billets erschweren sollte. Das neue Zauberwort heißt „Fanausweis.“ (Zu diesem Thema hat unter anderem der Tagesspiegel in der bundesdeutschen Medienlandschaft objektiv berichtet.)...


    Fortsetzung hier

    Bei dem Werdegang von uns, also dass man mögliche Fusionen und damit ein Überspringen der Klassen schon ziemlich früh auf dem Fokus hatte, muss man so ehrlich sein und zugeben können, dass dies so falsch nicht ist. Wobei es aber auch hier zumindest ein paar Hanseln gab, die eine Fusion ablehnten.


    Aber was du hier schreibst:


    [...]Im übrigen kann man von einem wirklichen "Neuanfang" viel eher bei solchen Vereinen wie [...] der BSG Chemie Leipzig sprechen[…]


    ist an Fußballgeschichtsklitterung kaum zu überbieten.

    Wir verloren leider sogar mit 0 : 4 (0 : 2). Resultat sicher zu hoch, aber Sieg für Torgelow verdient, wenn man aus den ersten 3 Chancen 3 Tore macht. Höhe der Niederlage und Leistung der Mannschaft für mich unfassbar ...


    Resultat zu hoch? Nach langer Zeit habe ich wieder Mal am gestrigen Sonnabend dem Sportforum einen Besuch abgestattet. Leider war es von Seiten der BFCer ein fußballerischer Offenbarungseid, welchen man bestaunen konnte. Stockfehler ohne Ende, Ballbehauptungen vorsichtig ausgedrückt Mangelware, ordentliche Pässe/Zuspiele Fehlanzeige, die Ausführung von Ecken eine Katastrophe, etc. Das könnte man jetzt noch beliebig fortsetzen. Es hat einfach nichts gestimmt. Torgelow abgebrüht und Konterfußball vom Feinsten. Man hätte sich auf Seiten der Hohenschönhausener nicht beschweren können, wenn die Jungs aus Torgelow noch 2 Buden mehr gemacht hätten. Die von mir gezählten, also genau 2, echten Chancen für den BFC eher Zufall. Beim Lattentreffer hatte man Pech. Aber frei vorm Tor stehend den Ball nicht einzunetzen tatsächlich Unvermögen. Ärgerlich auch z.B., als tatsächlich Mal fast eine Chance herausgespielt wurde, aber der warum auch immer gefühlte Ewigkeiten zuvor liegengebliebene BFCer (keine Ahnung, welcher Spieler dies war) im 16er der Gäste ein Abseits produzierte und somit die Chance auf einen Anschlußtreffer zunichte machte. Ich finde es sehr Schade für den BFC, dass man sich so nunmehr fast aller realistischen Chancen auf einen Aufstieg beraubt hat. Wer weiß, vielleicht geschehen ja noch Wunder. Aber nachdem was ich gestern gesehen habe, glaube ich da nicht so wirklich dran.

    Ob es brodelt oder VIP-Logen steril sind, ob Sponsorenfähnchen oder Hoeneß, ob Kaoten oder Chaoten ... alles egal: Straftat bleibt Straftat.


    Das Individuum ist für seine Taten verantwortlich - der arme, ach so unverstandene Fan. Oder wie war das?


    Für Deine angebliche Lebenserfahrung bist Du ganz schön pauschalisierend und von oben herab. Warst Du mal Student der Sozialwissenschaften oder wie begründen sich Deine möchtegern-alleingültigen Theorieabhandlungen in schwarz/weiß, ohne jegliche Differenzierung?


    Ich habe selten so einen Quatsch gelesen!!


    Das ist an sich gar nicht so schwachsinnig, wie manche hier glauben machen wollen. Sicher, Pauschalisierungen dienen auch hier nicht der Objektivität. Aber natürlich gibt es prozentual gesehen z.B. beim Ballett (deutsches Fernsehballett, etc.) mehr Homosexuelle, als beim Fußball. Das ist eine Tatsache. Diese schließt zwar nicht aus, dass es auch Homosexuelle beim Eishockey, Fußball, etc. gibt. Aber eben nicht in dem Verhältnis. An für sich ist das auch alles schnurz, das ist jedem seine private (!) Sache. – Im aktuellen Thema sehe ich das so wie der 47er.

    ...[...]


    Vor ein paar Wochen wäre Kerner beim ZDF noch die erste Anschrift gewesen - nur weil er jetzt für SAT1 tätig ist, ist er kein mieser "Privater".[...]


    Doch, diese Aussage spricht dafür, dass Du die Welt lediglich konstatierst wie sie ist. Beruhigend, dass auch im Alter der Humor nicht verloren zu gehen scheint. ;)

    Einige Bilder sind jetzt auf unserer Seite. Wie schon erwähnt, allerdings nur eine kleine Anzahl.


    P.S.: Kann ich meinen Text gar nicht mehr editieren? ?( Wollte einige Fehlerteufel beheben. Aber der "Bearbeiten"-Knopf fehlt am/im Eröffnungsbeitrag.

    Zitat

    Welches Dorf denn, wenn man fragen darf?


    Darfst Du. :) Wildau, fast Zeuthen. Wobei mir in der Ecke da draußen KW, OT DeutschWusterhausen am besten gefällt. Aber den Geschmack haben anscheinend viele...


    Zitat

    Aha, wart Ihr beim Europaleague-Spiel in Salzburg? Da hing nämlich eine Lok-BFC Fahne...


    Ja, waren wir. Wie Du mittlerweile wahrscheinlich schon auf unserer Seite gelesen hast. :) Etwas mehr als 100 Mann.


    Zitat

    Holger, wieder einmal ein genialer Bericht vom Derby. Bin schon auf die Fotos gespannt!


    Danke. Bilder dürften heute Abend auf unserer Seite zu sehen sein. Aber wahrscheinlich nur eine kleinere Auswahl. Wenn ich Lust und Laune habe, stelle ich vielleicht hier noch ein paar ein, die dann nicht auf unserer Seite zu sehen sind.

    06.12.2009 | AS Roma - S.S. Lazio 1:0
    Serie A, 15. Spieltag


    Der Nikolaus bescherte endlich mal wieder ein „normales“ Fußballspiel, Rekordumsätze für die italienische Gürtel- und Feuerwerksindustrie sowie einen fußballbegeisterten Förster und mehrere Holzarbeiterfans. Das alles wieder mit „Snake“. Aber im Gegensatz zu Ostern mit 3 weiteren Teilnehmern, 1 Übernachtung und dieses Mal auch guten Preisen…


    Kurzentschlossen…


    Am 06.12.2009 war wieder Derbyzeit in der ewigen Stadt angesagt. Das wusste natürlich auch unser Lokmüller. Dieser griff Ende Oktober zum Hörer, um zu erfragen, wer denn alles Lust hätte eine diesbezügliche Reise mit anzutreten. Und so landete er auch bei mir, trotz des Wissens meiner entsprechenden Lustlosigkeit. Die schmerzlichen Preiserinnerungen an den Osterausflug im April dieses Jahres ließen mich wie erwartet zunächst eine wieder so kurzfristig anberaumte Romreise ablehnen. Aber der Hin- und Rückflug für insgesamt 53,- € mit easyjet von Berlin-Schönefeld nach Rom Ciampino sowie eine Übernachtung für 30,- € in Rom-Connewitz und die vollständige Reiseorganisation durch Lokmüller waren für mich Überzeugung genug. Zudem seit Jahren der erste Romausflug, bei welchen ich mich im Vorfeld entspannt zurücklehnen konnte. Da sagt man nicht nein. Grande!


    Tickets, keine Tickets die Zweite…


    Hatte ich all die Jahre zuvor, ausgenommen den diesjährigen Osterausflug, sämtliche Tickets über meinen Freund aus Albano Laziale ordern können, scheiterte dieses Unterfangen nunmehr an einem nachhaltigen Kommunikationsproblem. Mein Kontaktmann hatte einfach seine Mobilfunknummer geändert, ohne mich darüber in Kenntnis zu setzen. Frechheit! Auch scheint er kein Freund davon zu sein, regelmäßig seine E-Mails zu lesen. Ihn auf dem Postweg anzuschreiben scheiterte ebenfalls. Denn wie ich später erfuhr, wurde trotz Nichtumzug seine Adresse (Hausnummer) sowie Postleitzahl staatlicherseits mal fix, warum auch immer, geändert. Aber da gab es ja noch „Snake“ und seinen italienischen Kumpel. So kopierten sämtliche vakanten Reiseteilnehmer ihre Ausweise, welche von „Snake“ den Nudelfressern für den Billeterwerb per Fax übersandt wurden. Bei unserem Ausflug nach Salzburg wurde uns der Ticketerwerb durch die Itaker zwar bestätigt. Dabei hatte man diese allerdings nicht, obwohl unser Erscheinen in der Ostmark lange genug vorher angekündigt war. Die Eintrittskarten würden wir erst am Spieltag selbst erhalten. Ein weiterer Teilnehmer konnte sich berufsbedingt erst verspätet dazu entscheiden, sich unserer Reisegruppe „Fritz Fröhlich Rom“ anzuschließen. Er konnte damit sein Ticketglück vorerst nur noch über listicket.it versuchen. Wie ein paar Jahre zuvor für mich, war das auch für ihn ein sinnloses Unterfangen. Seine Befürchtungen, nunmehr kein Ticket vor Ort zu erhalten, sollten sich allerdings letztendlich als unbegründet herausstellen.


    Derbyzeit…


    Sonntagmorgen stiefelte ich dann von meinem „Dorf“ nahe Berlin frisch gewaschen und mit Wechselsachen im Rucksackgebäck pünktlich um 6.00 Uhr Richtung A 10, zur Autobahnauffahrt Königs Wusterhausen. Die aus Leipzig angereisten Jungz waren so freundlich, mich von dort abzuholen. Anschließend ging es zu viert nach Berlin-Schönefeld, wo wir dann bei einem Kaffee und 3 Kakao *hüstel* noch auf den 5. Teilnehmer, einen jungen BFC’er, warteten.


    Der Bursche kam eine geschlagene Stunde später, aber noch rechtzeitig zum Check in. Da wir alle (aufgrund Lokmüller) einen „Online-Check in“ gebucht hatten, konnte man dankenswerterweise auf das bescheuerte Anstehen verzichten. Bene!


    Gegen halb elf in Rom gelandet, gelangte man wieder mit dem Bus in die Innenstadt, direkt an den Termini. Nun hieß es erst mal überlegen, was als nächstes ansteht. 4 Mann von uns hatten ihre Karten eigentlich sicher, nur der 5., Hoffi, stand nach wie vor ohne gültiges Ticket da. „Snake“ sein Kumpel, der mit unseren Karten, war nicht zu erreichen. Sein Telefon war ausgeschaltet. Sonntagmittag! Und im Wissen, das wir kommen. Keine Ahnung, ob ich da persönlich eine falsche Vorstellung von Anstand habe, aber ich finde das irgendwie asozial. Mein Freund Agustin hatte es dagegen tatsächlich 2 Tage vor unserer Anreise geschafft, seine neue Mobilfunknummer mitzuteilen und so hatten wir uns für Sonntag 13.00 Uhr in einem Pub auf der Via Nazionale verabredet. Kaum gelandet, kam auch schon eine Nachricht von ihm, ob wir gut angekommen sind. So gehört sich das. Bis 13.00 Uhr war noch Zeit, so dass Lokmüller in unsere Unterkunft schlich, um unser Gepäck unterzustellen und den Schlüssel zu sichern. Der Rest unserer Truppe ist noch mal in den Fanshop der Unbeugsamen gegangen, um nach einer zusätzlichen Karte zu fragen. Keine Chance, auch weil es ein Heimspiel der Roma war. Da wir alle Hunger hatten, gingen wir eher als verabredet in den vorgenannten Pub und informierten auch Agustin, dass wir dort bereits verweilen. Eine halbe Stunde vor der Zeit erschien dann auch er mit einem spanischen Freund aus Saragossa im Schlepptau. Als wir ihm den ticketlosen Mitreisenden vorstellten, fragte er mich etwas angesäuert, warum ich ihn denn nicht eher gefragt hätte. Ein oder mehrere Tickets wären bis Sonnabend, also den gestrigen Tag, kein Problem gewesen. Gute Frage von jemandem, der über Monate vergisst, seine veränderten Kontaktdaten bekannt zu geben. Jetzt konnte er uns allerdings nicht mehr weiterhelfen…


    Nach ein, zwei Stunden Unterhaltung, einer Hartweizengrießspeise sowie einem Guinness schlug Agustin vor, die Lokalität zu wechseln. Bevor wir dies taten, bat ich „Snake“ um die Telefonnummer seines Kumpels und klingelte einfach mal kurz durch. Und tatsächlich, am anderen Ende meldete sich noch ziemlich verschlafen Roberto. Wir verabredeten uns für 15.30 Uhr am Piazza Vescovio zur Kartenübergabe und ich gab gleich noch eine Karte mehr in Bestellung. Agustin meinte gleich, vor 16.00 Uhr brauchen wir nicht mit ihm zu rechnen. Italiener eben. Er selbst ist zwar nicht so unterwegs, aber wird auch nie müde zu betonen, dass seine Mutter Spanierin ist. Keine Ahnung, wo da der Unterschied sein soll. Nun ja. Kurz nach 15.00 Uhr verabschiedeten wir uns dann, nachdem sämtliche Getränke und Speisen auf Kosten unseres italienisch-spanischen Gastgebers gegangen sind. Auch hier halfen alle Widerreden nichts. Mit dem Bus 310 ging es zum oben genannten Platz für je 1,- € die Nase. Dort angekommen, empfing uns auch schon Roberto. Allerdings wieder ohne Karten. Diese gibt es vor dem Stadion. Er fragte noch nach den Personendaten unseres Kartenlosen und anschließend wurde mal „kurz“ telefoniert…


    Langeweile, oder was?


    Noch eine Cola gezischt und den Nikotinhaushalt aufgefrischt, ging es gegen 16.30 Uhr im Konvoi Richtung Stadion. Über 4 Stunden vor Spielbeginn! Na das kann was werden, dachte man so bei sich. Kurze Zeit später fand man sich dann auch an den Imbissbuden nahe der Curva Nord wieder. Eine stattliche Anzahl von einheimischen Landräubern sowie ausländischen Zaungästen hatte sich zu diesem Zeitpunkt schon angesammelt. Schätzungsweise 500 bis 600 Gestörte. Man vertrieb sich die Zeit unter anderem mit Fußball spielen. Auch die in unmittelbarer Nähe 40 Mann starke Bulleneinheit ließ es sich nicht nehmen, öfter mal gegen die Gummipille zu treten, wenn diese zu ihnen rüber flog. Gegen 18.00 Uhr wurde es dann einigen anscheinend noch langweiliger und man begann damit, die Uniformierten mit Böllern zu bewerfen. Das veranlasste diese, eine 20 Mann starke Verstärkung anzufordern. Zwischen den Böllerwürfen wurden immer wieder italienische Gassenhauer angestimmt. Wem es gefällt… Die Bullen nahmen dies alles völlig entspannt und grinsend zur Kenntnis. Zwischendurch bekamen wir unsere Tickets übergeben, 4 x Tribüne für 55,00 € und 1 x Curva Nord für 20 €. Gemäß mitteleuropäischer Zeit schrieb man 19.30 Uhr, als sich mit einem Ruck sämtliche Protagonisten Richtung Stadion in Bewegung setzten. Man folgte dem Herdentrieb Rechnung tragend. Hinten dran die Herren italienischen Staatsdiener. Maximal 60 Mann. Kurz vorm Stadiongelände blieb der Großteil plötzlich stehen und drehte sich Richtung Bullen um. Anstatt das Pfandgeld für die Getränkeflaschen einzulösen, warf man selbige nun lieber auf die Männer in Uniform nebst Böllern und Bengalos. Die waren nun nicht mehr so amüsiert, auch weil in ihrem Rücken das gleiche Schauspiel ablief. Noch nie habe ich so unorganisierte Bullen gesehen. Die diskutierten erst mal aus, was man denn nun machen sollte und schrieen sich dabei ständig gegenseitig an. Als man sich dann endlich ob der weiteren Vorgehensweise einig war, holte man geschwind die Knüppel aus dem Sack und rannte im Eilschritt Richtung den Ultras am Stadion. Diese erwischte man zwar nicht, dafür durften aber den Weg säumende 1, 2 Familienväter und ein ca. 14jähriger Junge den Knüppel der Liebe spüren. Während geschätzte 250 Nudelfresser nun aufgrund der 60 Mann starken Polente Fersengeld gaben, was subjektiv und völlig wertfrei betrachtet eigentlich kein Mensch versteht, blieb man als ausländischer Zaungast in Ruhe stehen. Wer rennt, stirbt nur müde. Und macht sich zudem unnötig auffällig. Die große Masse wurde dann von den Uniformierten in den Stadionbereich getrieben. Großer Fehler. Nun hagelte es im Schutz der Umzäunung aus diesem alles, was man zu fassen bekam. Währenddessen standen wir weiter draußen und beobachteten aus nächster Nähe die nun folgende, durchaus humorvolle Szenerie. Wieder schrieen sich die Bullen gegenseitig an. Plötzlich bekam die gerade zum Tanz aufgeforderte Einheit mit, dass ca. 50 Kollegen auf einer Erhöhung in ca. 40-50 Entfernung ihr Pausenbrot zu sich nahmen und in aller Ruhe, genau wie wir, das dargebotene Schauspiel beobachteten. Ziemlich angesäuert wurden nun diese Kollegen aufgefordert, mal bitte den Finger zu ziehen und mit runter zum Geschehen zu kommen. Als Antwort gab es nur ein Schulterzucken, welches man als klares „Warum?“ deuten konnte. Köstlich…


    Das Schauspiel war nach weiteren 10 Minuten endgültig beendet und so konnte man sich in Ruhe ins Stadioninnere begeben. Unser Inhaber der Curva Nord-Karte ging in dem ihn zugewiesenen Bereich, um anschließend durch das mehrfache Überklettern der Plexiglas-Trennwände zu uns auf die Tribüne zu stoßen. Wir gingen gleich zum Tribüneneingang. Es wurden keine Ausweise verlangt. Und wenn man hätte kontrolliert werden wollen, hätte man darum bitten müssen. Lustloses Durchwinken durch Ordner und Polizeikräfte. Komisch…


    Roma Merda – 20.45 Uhr - Das Spiel


    „Wie, das Spiel läuft schon?“ – „Na gleich ist Halbzeit!“


    Gegen 20.20 Uhr befand man sich im Stadioninneren. Die Tribüne war zu 2/3 mit Fans der Roma und 1/3 Laziali gesäumt. Die verschiedenen Fangruppen jeweils durch ein Band und vereinzelte Ordner in unterschiedlichen „abgesperrten“ Bereichen. Auf den Oberrängen saß jeweils das Familienpublikum und im unteren Bereich stand größtenteils… nun, wie bezeichnen wir die Herrschaften mal… ach ja, die jeweilige Erlebnisfraktion. Darunter auf beiden Seiten erstaunlich „viel“ Weiblichkeit. Die Roma lief zu dem Zeitpunkt gerade komplett ein, um ihre Fans in der Kurve zu begrüßen und sich anschließend warm zu machen. Die Lazialis folgten einige Augenblicke später mit dem gleichen Ritual. Während der Zeit nutzte man die Gelegenheit, ein paar Fotos zu schießen. Die Roma mit einer einfachen, aber dennoch ansehnlichen Choreo sowie mehreren Transparenten. Dies alles flankiert von viel Rauch, bengalischen Feuern und etlichen Böllern. Die Curva Nord hatte nicht so viel im Angebot, lediglich einige wenige Transparente, ein wenig Rauch, vereinzelt bengalische Lichter und Böller. 10 Minuten vor Spielbeginn wurde es dann auf den Rängen das erste Mal kurz hektisch. Ein Roma-Anhänger hatte sich „verlaufen“ und wurde vor den Augen der lächelnden Polente von einem Laziali fort geprügelt.


    Pünktlich um 20.45 Uhr nehmen die Herrschaften Fußballer auf dem Feld ihre Plätze ein.


    Lazio spielt momentan wieder mal eine Grottensaison. Augenblicklich kämpft man gar gegen den Abstieg. Auch wenn gewisse Interessierte sicher immer dafür Sorge tragen werden, dass eine römische Mannschaft nicht den Weg in die Serie B antreten muss… Bei dem mittwochs zuvor stattgefundenen Euroleague-Auswärtsspiel in Salzburg zelebrierten die Landräuber wieder traditionsgerecht lustlosen Antifußball. Das alles ließ für das Derby schlimmes befürchten. Wieder mal.
    Auch weil die Roma, welche zu Beginn der Saison noch mit Lazio gemeinsam im Keller der Serie A dümpelte, sich mittlerweile anschickt an der oberen Etage anzuklopfen. Wie so oft konnte man also auch am Nikolaustag davon ausgehen, dass der in den Stadtfarben spielende Verein als Favorit in das Derby gehen würde. Halb so wild, als blau-gelber Leipziger ist man ja momentan gewohnt, den Punktelieferant zu geben. Mal comune mezzo gaudio…


    Gleich sollte es also los gehen, aber so ein Heini mit einer riesigen Schwenkfahne versperrte mir die Sicht auf das Feld. Ich kam jedoch nicht dazu, mich darüber zu ärgern von dem Spiel wahrscheinlich zunächst nichts zu sehen, denn auf den Rängen wurde das Spiel bereits eröffnet. Und wir mittendrin. Es flogen auf Kommando diverse Gegenstände, Böller, welche eher Handgranaten ähnelten, und Bengalos hin und her. Mittendrin auch fußballinteressierte Familien, welche ebenfalls die ein und andere Detonation eines Böllers direkt an ihren Ohren zur Kenntnis nehmen durften. Es ist wohl davon auszugehen, dass dies etliche Trommelfellattacken zur Folge hatte. Nicht verstanden habe ich in dem Augenblick die Familienväter und Muttis mit ihren Kindern, welche trotz des Hin und Her in einer Arschruhe mitten im Geschehen auf der Tribüne sitzen blieben. Eine kleine Reihe von Ordnern und Zivis versuchten Ruhe reinzubringen, was allerdings nicht so recht gelang. Während ich mich noch wunderte, warum plötzlich bei nicht wenigen Italienern die Hosen rutschten, sah ich auch schon die vormals in den Hosen befindlichen Gürtel als Schlaginstrument in den Händen beider römischen Fangruppierungen. Gehört wohl leider auch zum südeuropäischen Flair. Die uniformierten Herrschaften dachten gar nicht daran, dem Hase- und Wolf Spiel massiv ein Ende zu bereiten und für dauerhaft Ruhe zu sorgen. Ich behaupte, in Deutschland hätten die Bullen ein solches Geschehen innerhalb von 5 Minuten im Griff gehabt. Zu einem richtigen Kontakt der beiden Fanlager kam es dennoch nicht, obwohl es für die Roma-Fans zahlenmäßig wirklich ein Leichtes gewesen wäre „durchzubrechen“. Stattdessen die Roma-Ultras in guter, alter Leutzscher Tradition. Ständiges provokantes Anbieten mit dem 4fachen an Masse von Erlebnisorientierten und solchen, welche es sein wollen. Aber nicht in der Lage, mal komplett durch die nunmehr zwar existierende, aber lächerliche Bullenkette durchzurennen. Dann hätte es wahrscheinlich ordentlich „Aua“ gegeben. Vereinzelt kam es in den Lücken der Bullenkette zu Boxereien und gegenseitigen Tritten. Als dann einige versucht waren, ihre Gürtel einzusetzen, gab es kurz von der Polente einen Hieb mit dem Schlagstock auf den Kopf der Probanden. Was dann folgte, war Situationskomik pur. Aufgrund des Einsatzes der einzelnen Schlagstöcke kam es zur kurzzeitigen Unterbrechung des innerrömischen Dialogs und zur nachhaltigen Diskussion mit den Polizeikräften, hier Zivis. Diesen wurden von den Ultras die Uniformierten gezeigt, welche den Schlagstock eingesetzt hatten. Keine Minute später wurden die „Schlagstock“-Bullen von ihren zivilen Kollegen aufgefordert, diesen Stadionbereich zu verlassen. Und taten dies auch. Keine Verhaftung, nichts. Nur Polizeikräfte, welche zum Gehen aufgefordert wurden. Ohne Worte. Nach dem dies geklärt war, ging die Unterhaltung auf den Rängen weiter. Auf der Tribüne gibt es zwischen Unter- und Oberrang einen inneren Graben im Block, welcher nunmehr von den Polizeikräften stark gesäumt war. Das sorgte nunmehr dafür, dass die Gespräche so langsam abebbten. Das das Spiel aufgrund dieser Ausschreitungen einige Minuten unterbrochen war, hatten wir gar nicht mitbekommen. Vielmehr fragte ich meinen Nachbarn, ob das Spiel eigentlich schon läuft. Daraufhin meinte er, dass es 0:0 stehe und in 5 Minuten Halbzeit sei. Was ist los?


    „Wollen wir Fußball schauen?“


    Pünktlich mit dem Halbzeitpfiff wurden auch sämtliche Handlungen auf der Tribüne eingestellt. Wir unterhielten uns kurz und entschlossen uns dazu, die zweite Halbzeit auf den Oberrang zu gehen, um wenigstens etwas Fußball zu schauen. Der Rest auf der Tribüne hatte anscheinend die gleiche Idee und so gab es mit Beginn der zweiten Hälfte auch erst mal keine Aktionen mehr. Die Herren in Uniform zogen sich daraufhin ein paar Minuten später auch wieder zurück.


    Die zweite Hälfte beginnt relativ geschmeidig und es war nicht viel los. Man hat das Gefühl, beide Mannschaften wären mit einem Unentschieden zufrieden. Lazio fand mit der Zeit immer besser ins Spiel und setzte die Roma-Abwehr ein ums andere Mal unter Druck. Man schrieb die 60. Minute, als Zarate aus sieben Metern abzog, jedoch nur den Pfosten traf. Die nächsten 5 Minuten sollten die Laziali den Strafraum der Roma unter Dauerdruck setzen. Es folgte noch ein satter Schuss auf das Gehäuse der Giallorossi, welcher glänzend von Julio Sergio pariert wurde. Nach ca. 8 Minuten waren diese Phase sowie Nachwehen endgültig vorbei und man dachte so bei sich, wenn jetzt noch ein Tor fällt, dann höchstens für die Roma. Und tatsächlich, in der 78. Minute bedient Mikro Vucinic den eingewechselten Verteidiger Marco Cassetti mustergültig, welcher die 1:0 Führung markiert. Die Lazioabwehr und auch das Mittelfeld verhielten sich während und vor diesem Treffer wie ein aufgeschreckter Hühnerhaufen. Der Treffer war sogleich der „Hallo-Wach“-Moment für die auf der Tribüne befindlichen Laziali, welche nunmehr die in Hälfte 1 stattgefundene Unterhaltung weiterführen wollten. Allerdings scheiterte dies nunmehr an den Polizeikräften. In den Schlussminuten verhinderte Muslera noch nach das 2:0 für die Roma durch eine Glanzparade. Nützen sollte dies allerdings nichts mehr. Zwar schwächte sich die Roma durch eine gelb-rote Karte für Pizarro, welcher Zarate etwas zu sehr lieb hatte, in der 88. Minute nochmal selbst. Aber Kapital konnte Lazio daraus nicht mehr ziehen. Die Roma gewann das Derby mit 1:0, was für mich persönlich auch bedeutet, dass Lazio zum ersten Mal ein Derby verloren hat, als ich vor Ort war. Alles in allem: Porca puttana!


    Nach dem Spiel ist vor dem Spiel ist während dem Spiel UND ein Förster…


    Nach dem Schlusspfiff verließen wir umgehend das Stadionrund. Man griff zum Telefonhörer und wählte mal kurz die Heimat an. Während des Telefonats war es um uns herum etwas hektisch. Allerdings hatte ich dem noch keine Bedeutung beigemessen. Wir hatten kaum das Stadioninnere verlassen, als geschätzte 10 cm neben meinem Nischel ein Pflasterstein vorbeiflog und die Scheibe eines Personenkraftwagens zum Bersten brachte. Aufgrund meines fernmündlichen Gesprächs hatte ich das erst gar nicht so richtig begriffen. Man machte mich seitens der anderen Leipziger Jungz kurz nach Einschlag darauf aufmerksam und empfahl mir, die Ferngespräche erstmal wegen erhöhter notwendiger Aufmerksamkeit einzustellen. Was ich dann, dem gesunden Menschenverstand Rechnung tragend, natürlich auch sofort tat. Ungefähr 500 Meter vom Stadiongelände entfernt, da wo vor dem Spiel die Imbissbuden standen, sammelte sich eine kleine Meute Lazialis an. Einer von uns Zaungästen konnte seine Neugierde nicht besiegen und musste sich natürlich dazugesellen. Ungefähr 200 Meter von diesem Punkt entfernt, würden die Rom-Ultras auf ihrem Nachhause-/Aus-dem-Stadion-Pfad den Weg kreuzen. Man brauchte nicht lange zu überlegen, was gleich abgehen sollte. Noch war man sich wohl nicht einig, wann, wo genau und wie viele. In dem Moment taucht plötzlich ein wahrscheinlich direkt von der Arbeit zum Derby gekommener Waldarbeiter, mithin Förster auf. Anders ist nicht zu erklären, wozu man bei einem Fußballspiel eine Axt mit am Start hat. Für uns war das eigentlich das Signal: Zeit zu gehen! Nur unser Neugieriger ließ sich davon nicht abschrecken. Und was macht man unter Freunden? Richtig. Nicht allein bzw. nicht im Stich lassen. Der Trupp der Laziali setzte sich langsam in Bewegung und wir folgten in einigen Metern Abstand. Auf der Route wurden nun auch diverse Holzlatten aus den Gebüschen gezaubert. In ungefähr 20 Metern Abstand zu den Roma wurde angehalten und sich Nettigkeiten, aber auch diverse Gegenstände gegenseitig an den Kopf geworfen. Typisch Itaker. Anstatt mal aufeinander zuzulaufen und das Ding mit Fäusten und Füßen zu klären, wird ein paar Meter vor der Angst plötzlich Halt gemacht und die Wurftechnik trainiert. Und dann noch diese Scheiß Zaunlatten. Von der Axt ganz zu schweigen. Und da hatte man noch gar nicht so richtig verifiziert, was die andere Seite diesbezüglich zu bieten hat. Da erinnert man sich dann ziemlich genau an Roma, Messer, ManU. Asociale! Wir konnten unseren Mittendrin-„Kiebitz“ nunmehr überzeugen, den Heimweg anzutreten. Allerdings war die Busstation, zu welcher wir mussten, genau hinter den geifernden Lazialis und Roma-Ultras. Schnurstracks geradeaus, die Dialogbereiten rechter Hand liegen lassen, Linksschwenk… und Überraschung, Überraschung…der Spaß war auch hier schon richtig im Gange. Ein PKW hatte wahrscheinlich die falschen Farben im Auto und stand deswegen lichterloh in Flammen. Alle möglichen Baumaterialien lagen herum, etc. Auf dem Weg zur Bushaltestelle trafen wir dann noch „Snake“ und den Berliner wieder, welche etwas eher das Stadion verlassen hatten. Diese hatten ihre Klamotten noch im Auto von „Snake“ seinem italienischen Kumpel. Außerdem wollten er und der Befi, im Gegensatz zu uns restlichen 3 Leutz, wieder die Nacht auf dem Flughafen verbringen. Für mich steht diesbezüglich fest: nein, nicht noch mal. Es geht nach einem solchen Tag nichts über eine schöne Dusche und sich die Beißerchen putzen zu können…


    Rom, Stadtteil Connewitz…


    An der Busstation angekommen, machte man sich mit der Linie 910 wieder auf den Weg Richtung Innenstadt. Gegen 0:45 Uhr waren wir dann auch endlich am Bahnhof. Da wir wieder großen Hunger hatten und keine Lust auf große Suche oder teure Pizza mit Nachtzuschlag, gingen wir zu McDonalds. Das einzige, was ich vom Besatzer ab und zu gern esse, ist der McRib. Aus unerfindlichen Gründen gibt es diesen aber in Bella Italia nicht. Das verstehe wer will. Also widerwillig zwei BicMac reingeworfen und eine Cola, anschließend ab zur Unterkunft. Auf den gefühlten 5 km Fußmarsch, durch Lokmüller geführt, konnte man die mir noch unbekannte Gegend etwas näher kennenlernen. Bei 100 Pennern habe ich aufgehört zu zählen, welche unseren Weg säumten. Traurig für Städte wie Rom, aber nun ja. Nicht ein Haus, welches von Graffiti verschont geblieben wäre. Nach 10 Minuten die ersten Kneipen, vor welchen etliche alternativ geprägte Leute abhingen. Die Gegend wurde mit jedem Meter immer schlimmer. Irgendwann kamen wir dann auch in unserer Unterkunft an. Was soll man sagen: außen pfui, innen hui. Ein wirklich schniekes Zimmer, mit kostenlosem Weltnetzanschluss und Flachbildschirm (braucht kein Mensch) und einem ordentlichen, sauberen Bad. In Rom Goldwert! Fix geduscht, noch ein wenig über den Tag geplaudert, im Internet nach Fußballergebnissen aus Deutschland geschnarcht und gegen 2:30 Uhr ab in die Heia.


    Am nächsten Morgen wurde in aller Ruhe gegen 10.00 Uhr die Pension verlassen. Nach einem Kaffee und der Rückgabe der Zimmerschlüssel ging es wieder Richtung Innenstadt. Die Gegend sah tagsüber noch schlimmer aus, als in der Nacht. Was eigentlich unmöglich schien. Während Lokmüller und Hoffi bis zum Bustransfer um 13.00 Uhr etwas Kultur besichtigten, machte ich noch einen Einkaufsbummel. Wegen (verspäteten) Nikolaus und so. Kurz vor 14.00 Uhr waren wir dann auch schon auf dem Flughafen. Nun hieß es wieder sinnlos warten, bis zum Abflug um 15.35 Uhr. Ja, von wegen. 40 Minuten Verspätung waren dann noch angesagt. Da wird einem immer wieder auf das Neue bewusst, wie öde und langweilig fliegen ist. Ein paar Minuten nach 18.00 Uhr war man wieder in Berlin Schönefeld und ich gegen 19.00 Uhr wieder auf meinem „Dorf“.


    Demnächst mal Saragossa?


    Holger K. (Borstel) - Leipziger Jungz


    P.S.: Bilder gibt es in ein, zwei Tagen auf unserer Seite www.Leipziger-Jungz.de, auf welcher der Bericht dieses Mal aus technischen Gründen etwas später stehen wird.

    Am Ende sind dann also die Opfer doch selbst schuld? Wer die sächsischen Freien Kameradschaften durch seine Anwesenheit provoziert, der hat es halt nicht besser verdient, als eins mit der Eisenstange auf den Schädel zu bekommen?


    Das ist so nicht gemeint. Es geht doch nicht nur um die Plakate, sondern um den Gesamtzusammenhang. Man kann natürlich schön weg lassen, dass z.B. bei Gegendemos zu rechten Aufläufen auch mal die Pflastersteine fliegen und andere Dinge geschehen. Paßt ja auch nicht in den Kontext der Argumentation des friedlichen "Linksextremisten". Und die Übergänge sind in diesen Fällen fließend, was Fußballanhänger und politische Aktivitäten betrifft. Wer seinem politischen Gegner mit Gewalt begegnet, muß sich daher nicht wundern, wenn diese zurückgetragen wird. Das gilt für beide Seiten, nur dass leider die linksradikale Gewalt in diesem Staat sehr stark toleriert wird. Das muß man aber nicht wahr haben wollen. Traurig genug, daß diese Auseinandersetzungen schon längst auch die Fußballbühnen erreicht haben, bei welcher die eine Seite zugegeben geschicktere Propaganda bedient. In diesem Sinne...

    Dieses Thema wurde auch schon bei uns im Lok-Forum diskutiert. Mir ist bewußt, dass nachfolgende Zeilen von mir zu entsprechenden Reaktionen der diversen Forumnutzer hier führen werden. Nichtsdestotrotz an dieser Stelle auch hier meine Gedanken:


    Es geht hier weder um eine Teilnahme an der FARE-Woche noch antirassistische Bekundungen in Wort und Schrift eines Fußballvereins, welche die andere Feldpostnummer vermeintlich provozieren. Nur, weil das so gern ins Feld geführt wird. Schon gar nicht geht es um Fußball. Roter Stern Leipzig versteht sich als ein politischer Verein, dessen Anhänger auch an Gegenveranstaltungen zu Worch-Demonstrationen (siehe 2004) oder anderen rechten/"Nazi"-Demos (siehe 17.10.2009 in Leipzig) teilnehmen bzw. diese bedingungslos unterstützen, bei welchen die ortsfremden und einheimischen Leipziger "Spaziergänger" beispielsweise auch mit Pflastersteinen (so geschehen in 2004) eingedeckt werden. Es ist ein Ammenmärchen, daß antifaschistische Gruppen "nur" Gewalt gegen unliebsame Klamottenläden, kapitalistische Fahrzeuge und kapitalistische Einzelhandelsgeschäfte wie Lebensmitteldiscounter ausüben. Auch die hier genannten, Roter Stern Leipzig, distanzieren sich nicht von diesen gewalttätigen Übergriffen, sondern verstehen diese als folgerichtigen Teil ihrer Aktionen, weil diese einer vermeintlich guten Sache dienen. Gewalt wird sehr wohl als ein legitimes Mittel aufgefaßt, solange sie nicht von den "Nazis" oder den "Bullen" angewandt wird. Daraus machen auch die diversen Weltnetzseiten der verschiedenen Antifa-Gruppen kein Geheimnis. "Actiondays" lassen grüßen. Und Roter Stern Leipzig versteht sich anscheinend ausdrücklich als Teil dieser Szene. Die Connewitzer machen jedes Jahr zu Silvester und z.B. am Freitag d. 16.10.2009 in Leipzig Randale. Aber wenn es einen dann mal selbst erwischt und nicht etwa einen scheiß "Bullen" etc., rumheulen und sämtliche Kontakte zu den Medien nutzen. (Geschickte Propaganda für mehr Fördergelder entsprechender Projekte, zugegeben.) Und Transparente wie "es gibt kein ruhiges Hinterland" (http://www.roter-stern-leipzig.de/spiel1475.html) wollen sicher auch nicht ein Kaffeekränzchen vermitteln. In der Summe war es daher abzusehen, daß so etwas eines Tages passiert. Das hat alles nichts mehr mit Fußball gemein. Richtig. Und ist mehr als unschön. Auch richtig. Aber wer bestellt, muß auch damit rechnen, daß jemand die Bestellung aufgenommen hat. Aber die RSL-Anhänger sind ja bei ihren Fußballspielen immer so friedlich; ein unschlagbarer Unschuldsbeweis. Auch die Bilder der Aktion in Brandis zeigen keine vermummten RSL-Anhänger, nein. Nur unschuldige, friedliche "linksorientierte" Fußballzuschauer. Aber sicher.


    Und nun: Feuer frei!


    Kann man ihn nicht spätestens hier drankriegen? Er muss die Karte doch auf seinen Namen umschreiben lassen und dann sollte sich der Kreis schließen. (oder lieg ich jetzt völlig daneben?)[...]


    Für einen Italiener stellt es gar kein Problem dar, mit der gekennzeichneten Karte eines anderen das Stadion zu betreten. Er muss sie nicht einmal umschreiben lassen. Man kennt sich eben. Und wenn der Einlass tatsächlich mal beanstandet, das der Name auf dem Ausweis nicht mit dem auf dem Ticket übereinstimmt, braucht man zu diesem nur zwei Mal zu sagen: "ach komm, hab' dich nicht so" und schon ist das "Problem" für den Einheimischen gelöst. Bei ausländischen Gästen verhält sich das etwas anders. Das Umschreiben der fremden Karte geht genauso problemlos bei einem offiziellen Fan-Shop für den Italiener. Es wird einfach ein gleichwertiges, neues Ticket als Ersatz für das "Fremde" ausgestellt. Die ursprüngliche Karte wird dann einfach mal als nicht existent betrachtet.

    11.04.2009 | S.S. Lazio – AS Roma 4:2
    Seria A, 31. Spieltag


    Elende Bastarde, eine noch zu erwartende hohe Telefonrechnung, 1 Hin- und Rückflug zum Preis von 3+x sowie 1 Ticket zum Preis von 8. Dies alles für einen Ausflug mit „Snake“ ohne Übernachtung und dem alljährlichen Besuch eines Fußballderbys. Man(n) gönnt sich ja sonst nichts zum Osterfest...


    Entscheidungsfreude…


    Auch wenn man dieses Mal nicht ganz so entscheidungsfreudig war, wie die Jahre zuvor, trug man letztendlich dennoch der Tradition Rechnung, welche „verpflichtet“ und machte sich auf zum großen Derby in die ewige Stadt. Davor mussten jedoch noch einige Dinge geklärt werden. Wochen zuvor hatte sich bereits eine illustre Rom-Reisegruppe gebildet, an welcher man sich aufgrund bis dahin anderweitiger privater Präferenzen letztendlich nicht beteiligen wollte. Aber im Leben ist eben nichts sicher, außer dem Tod. So kam es, dass ich mir am Donnerstag eine Woche vor Ostern einen Kopf darüber machen musste/wollte, ob ich a) zum Römer Derby möchte, b) wie ich so kurzfristig noch eine Karte bekomme, c) wie, von wo und mit wem ich nach Rom gelange und d) wo ich zu Ostern in Rom preiswert übernachten kann/möchte. A war ziemlich schnell mit „ja“ beantwortet. Betreffend b) kontaktierte ich meinen guten Freund Agustin in Albano Laziale. Dieser teilte mir mit, dass für das Spiel seit Mittwoch, also einen Tag zuvor, nur noch Karten für die Tribüne ab 75,00 € aufwärts zu haben seien. Was soll´s dachte ich mir, wenn man so spät dran ist, kann und „muss“ man sich das einfach mal gönnen. Also fix meinen Pass gescannt und zusammen mit der Ticketbestellung zu meinem Freund nach Italia gesandt. Dieser bestätigte mir tags darauf den Erwerb der Karte und hatte dabei noch ein kleines Problemchen im Gepäck. Wie sollte die Übergabe erfolgen? War es die Jahre zuvor immer so gelaufen, dass er uns in Rom die Karten am Spieltag oder ein paar Tage davor persönlich übergeben hatte, war dies nunmehr nicht möglich, da er selbst ab Gründonnerstag im Norden von Italien, 600,00 km von Rom entfernt, verweilen würde. Das Eintrittsbillet bei seinen Eltern oder mir bekannten Freunden hinterlegen war auch nicht möglich, da diese auch alle unterwegs sein würden. Also blieb nur der Postweg. Wer an dieser Stelle meint, hier könnte man „Bauchschmerzen“ bekommen, liegt goldrichtig. Aber lassen wir die Post erst einmal ihre *hüstel* Arbeit machen und kommen als Nächstes zu C. Da ja bekannt war, wer alles nach Rom fliegen wollte, telefonierte man verschiedene Teilnehmer der vakanten Reisegruppe ab. Unglücklicherweise hatte sich die Reisegruppe mittlerweile aber aus verschiedenen Gründen komplett zerschlagen. Just in dem Augenblick wurde mir schlagartig klar, warum immer, wenn ich mal das Radio einschaltete, die letzten Wochen wirklich jedes Mal das musikalische Nerv-Werk „Alleine sein“ an meine Ohren gelangte. In Ordnung, war jetzt nicht wirklich witzig, deswegen weiter im Text. Nun hieß es für mich als nächsten Schritt Hin- und Rückflug buchen. Hatte man die vorangegangenen Rombesuche immer rechtzeitig eingeplant und damit im Schnitt jeweils maximal 70,00 € bis 80,00 € bei Air Berlin für Hin- und Rückflug bezahlt, wurden dafür dieses Mal bei easyjet 268,00 € fällig. Aber wie gesagt, man gönnt sich ja sonst nichts – deswegen buchte man eine Woche vor dem Derby samstagfrüh dieses „Schnäppchenangebot“ Berlin-Schönefeld -> Rom-Ciampino und zurück. Womit wir auch schon bei d) wären, was aber ziemlich schnell abgehandelt ist. Eine Übernachtung schenkst du dir, dachte ich bei mir - Samstagfrüh nach Rom, ein wenig einkaufen, nachmittags zum Fußball, danach ein bisschen durch die Stadt schlendern, um anschließend in der Lazio-Kneipe bis Ultimo zu verweilen und von dort direkt zum Flughafen. Die restliche Zeit bekommt man dann auch noch irgendwie rum…


    Ein Ticket, kein Ticket…


    Nach gesicherten Informationen aus dem Staat der Landräuber ging mein Billet exakt eine Woche vor Karfreitag per Express-Post von Italien nach Deutschland auf Reise. Da man weiß, dass die Spagetti-Fresser nicht gerade die schnellsten sind, erwartete man die Post frühestens am Dienstag. Als der Briefkasten am Mittwoch vor Ostern immer noch ob seiner Leere (die täglichen millionenfachen Werbezettel und Heftchen mal ausgenommen) gähnte, wurde man langsam etwas unruhig. Der Gründonnerstag war der letzte Tag, die Eintrittskarte noch rechtzeitig vor Abflug zu erhalten, da der Flug am Samstag schon 7:05 Uhr startete. Und tatsächlich, ein Kuvert mit einer italienischen Briefmarke befand sich zum spätmöglichsten Zeitpunkt im heimischen Briefkasten. Aber irgendetwas stimmte nicht. Der Brief war mit einer Schutzfolie umgeben und auf der Rückseite befand sich ein Wisch von irgendeinem römischen Postamt. Die Folie schnell aufgerissen und den darin befindlichen Umschlag in den Händen bemerkte man gleich, dass die Eintrittskarte darin nicht sein kann. Unter dem angetackerten Wisch sah man auch gleich einen schönen Schlitz, groß genug, aus diesem den Inhalt des Kuverts zu entnehmen, was so ein elender italienischer Bastard auch getan hat. Der postalische Beipackzettel gab in italienisch und englisch darüber Auskunft, dass der Inhalt des Briefes von der Sortiermaschine restlos zerstört wurden sei. Man bedauere die Unannehmlichkeiten. Keine Vorgangsnummer, keine richtige Adresse, an welche man sich wenden kann, keine Telefonnummer – nichts. Eigenartig nur, dass das Begleitschreiben meines Freundes, in welches die Karte eingebettet war, sich noch völlig unzerstört im Umschlag befand und nur die Karte an sich fehlte. Diese Bastarde – ich war auf 180. Umgehend nahm ich Kontakt mit meinem italienischen Freund auf, welcher sich auch gleich in die Spur machte, um zu retten, was zu retten war. Aber Pustekuchen. Kein Ersatzticket trotz Nachweis der Bezahlung des eigentlichen Billets möglich. Da er auch schon nicht mehr selbst im Rom verweilte, blieb nur die Selbsthilfe. Ab Donnerstagabend wurden bis Freitagmittag meinerseits verschiedene italienische Stellen abtelefoniert, um den Stronzo‘s meine Meinung zu geigen und ihnen mitzuteilen, dass es mir scheißegal ist wie sie es anstellen, ich aber meine geklaute Karte haben will. Herausgefunden hatte ich, dass das Postamt vom Flughafen Fiumicino diesen verspäteten Aprilscherz veranstaltet hatte. Aber dort fühlte sich niemand zuständig – auch das Versprechen, die Angelegenheit am Sonnabend persönlich klären zu wollen, machte den Herrschaften nicht zu schaffen. Bei Lazio direkt nach mehrfachen Versuchen endlich jemanden erreicht, teilte man mir mit, dass das ganze echt bedauerlich sei, aber dies sei nicht das Problem von Lazio, sondern meins. Auf die Frage, wozu die eigentlich meine Ausweisdaten brauchen, welche auch auf der Karte nebst einer im Rechner gespeicherten Nummer notiert sind, wenn dann nicht mal möglich ist, einen Zugang auch in so einem Fall sicherzustellen, wusste man keine Antwort. Nur den guten Ratschlag, sich aus Italien auf keinen Fall Wertsachen per Post schicken zu lassen. Danke, wäre ich jetzt auch nicht drauf gekommen. Im Übrigen stellt es für die Einheimischen überhaupt kein Problem dar, eine namentlich gekennzeichnete Karte eines anderen auf sich umschreiben zu lassen. Elende Bastarde…


    „Snake“ gibt sich die Ehre…


    Langsam begann ich wirklich zu überlegen, ob es sich überhaupt lohnt, ohne Eintrittskarte nach Rom zu fliegen. Auch, weil alle Kontaktleute, über die man vielleicht noch hätte anderweitig eine Karte bekommen könnte, sich zu dieser Zeit überall, nur nicht in der ewigen Stadt aufhielten. Aber wenn man für fast 300,00 € einen Flug bucht, kann man den ruhig wahrnehmen. Kann man ja einen schönen Einkaufsbummel machen und so. Ist das toll? Das ist toll… Wie es der Zufall so will, stellte der beste Lok-Fanartikelverkäufer aller Zeiten den Kontakt mit einem anderen Kurzentschlossenen her, welcher ebenfalls zum Derby reisen wollte. Nennen wir ihn hier der Einfachheit halber „Snake“ (Ein „Interner“, welcher es auch bleiben wird.) Dieser wollte eigentlich mit Kraftfahrzeug und 2 weiteren Pilgern auf Reisen gehen, stand kurz vor Abreise aber allein da. Als er mitgeteilt bekam, dass es einen sicheren „Romfahrer“ gibt, entschloss er sich kurzfristig dazu diesen zu begleiten. Eine Karte, so „Snake“ seine Erfahrung, bekomme man immer. Nun denn, die Hoffnung stirbt zuletzt…


    Derbyzeit…


    Sonnabendmorgen traf man sich um 05:30 auf dem Flughafen Berlin-Schönefeld. Man schaute nicht schlecht, als während der Abfertigung 3 weitere Leipziger auftauchten. Um 09.00 Uhr in Rom gelandet, gelangte man für 3,-€ je Nase mit dem Bus in die Innenstadt direkt an den Termini. Sofort ging man daran, sich auf Kartensuche zu machen. Bis Spielbeginn waren zu diesem Zeitpunkt noch ungefähr 5 Stunden Zeit. Die Reise vom Flughafen in das Zentrum hatte etwas länger gedauert, da dem Busfahrer ein vor ihm fahrender PKW etwas zu langsam war und er das dem Insassen verdeutlichte, indem er ordentlich auffuhr. Als erstes wurde ein bekanntes Geschäft aufgesucht, an dem allerdings schon von weitem zu lesen war „No Tickets Lazio-Roma“. Man war jedoch so freundlich uns den Tip zu geben, es bei einem uns auch schon bekannten Geschäft zu versuchen. Gesagt, getan. Und tatsächlich, für 85,- € aufwärts gab es noch Karten. Zwischendurch versuchte „Snake“ immer wieder seinen italienischen Freund zu erreichen, aber der schlief anscheinend noch. Der Preis für die Karte war ihm zu hoch; ich ging auf Nummer sicher und kaufte mir eine Karte. Damit hatte ich nun schon 160,00 € gelöhnt. Wie gesagt, man gönnt sich ja sonst nichts…


    Wir hatten keine zehn Minuten das Geschäft verlassen, da erhielten wir auch schon einen Rückruf mit der Frage, wie viele Karten wir denn benötigen. In diesem Moment hätte ich mir in den Allerwertesten beißen können. Eine war die Antwort. Keine zwanzig Minuten später trafen wir uns am Piazza della republicca. „Snake“ wurde zur Kartenübergabe mitgenommen, während ich auf der via Nazionale und der näheren Umgebung verblieb. Wieder 40 Minuten später war alles in Sack und Tüten. Für 20,- € hatte sich mein Mitfahrer die Karte eines Italieners umschreiben lassen, welcher an diesem Tag nicht das Stadion besuchen würde. Da kommt man schon ins Grübeln, ob der eigenen Ungeduld. Das Grübeln währte aber nicht lange an, den Roberto, so der Name unseres Helfers, teilte mir mit, dass mehr als die eine Karte an diesem Tag nicht möglich gewesen wäre. Na wenigstens was…


    Mittlerweile zeigte die Uhr schon kurz nach eins. Freundlicherweise wurden wir mit dem Auto bis zum Stadion gebracht. Am Sportfeld angelangt, drehte man wie immer seine Runden und versah sich im Nu in dem einen oder anderen Gespräch mit Berlinern, Spaniern, Dänen, Bulgaren etc. und natürlich Laziali. So verging die Zeit auch recht schnell und ca. eine halbe Stunde vor Anpfiff machte man sich daran, ins Stadion zu gelangen. Nach einer kurzen Diskussion mit dem Einlass aufgrund verschiedener Eintrittskarten und damit auch unterschiedlichen Blockzuweisungen sowie zweifacher Erkletterung der inneren Plexiglas-Trennwände befand man sich zumindest erst einmal in der Curva Nord.


    5 Minuten „Grande“ Lazio – 15.00 Uhr - Das Spiel


    Pünktlich um 15.00 Uhr laufen die Mannschaften ein. Bevor das Spiel angepfiffen wird, gibt es noch eine Schweigeminute für die Erdbebenopfer. Faszinierend, dass man wirklich eine Stecknadel hätte fallen hören. Absolute Stille.


    Lazio hatte eine sehr durchwachsene Saison. War man am Anfang überraschend stark gestartet, zeigte sich bald das alte Leiden – die Unbeständigkeit. Die Roma hingegen, welche am Anfang schwächelte, fand in im weiteren Verlauf der Saison bald wieder zur alten Stärke zurück. So konnte man davon ausgehen, dass der in den Stadtfarben spielende Verein auch als Favorit in das Derby gehen würde. Wie im Jahr zuvor, wurde man jedoch zunächst eines Besseren belehrt. Lazio beginnt wie die Feuerwehr, erkämpft sich einen Eckball und daraus resultierend klingelt bereits in der 2. Minute die Pille durch Pandev im Kasten der Roma. Grande! Der Jubel über den Treffer ist noch nicht abgeebbt, da luchst Lazio umgehend den Ball der Roma nach Wiederanpfiff wieder ab, startet einen Angriff über die linke Seite und Zárate zieht aus ca. 25 Metern Entfernung ab und trifft mit einem satten Schuss ins obere rechte Eck zur 2:0 Führung. 3 Minuten sind bis dahin gespielt. Wahnsinn! Bitte lass das so weiter gehen, denkt man bei sich. Aber keine 6 Minuten später merkt man wieder, dass auch bei Lazio täglich das Murmeltier grüßt. Was Lazio nämlich nicht hat, ist eine Abwehr, welche diese Bezeichnung auch verdient. Im Strafraum der Laziali ein Gestocher, was seinesgleichen sucht, welches Mexes in der 9. Minute der Partie zum 1:2 Anschlusstreffer für die Giallorossi nutzt. Ab diesem Zeitpunkt dann ein Spiel auf ein Tor – nämlich auf das von Lazio. Es spielt nur noch die Roma. Totti, welcher bei jeder Ballberührung mit ohrenbetäubenden Affenlauten und Buhrufen bedacht wird, legt sich mächtig ins Zeug, verhaspelt sich aber in den entscheidenden Momenten glücklicherweise ein um das andere Mal. So will unter anderem auch seinem Mannschaftskameraden David Pizarro der Ball bei einem aussichtsreichen Schussversuch Mitte der 1. Hälfte nicht so recht gehorchen und Julio Baptista setzt einen Kopfball 10 Minuten vor dem Pausentee gegen den Pfosten. Mit mehr Glück als Verstand rettet Lazio das 2:1 in die Halbzeit.


    Die zweite Hälfte beginnt mit einem Platzverweis gegen Roma-Trainer Luciano Spalletti aufgrund Meckerei, aber ansonsten wie die erste aufhörte. Die AS Roma nimmt von Beginn an das Heft in die Hand und fährt einen guten Spielzug nach dem anderen. Es scheint wirklich nur eine Frage der Zeit, bis das 2:2 fällt. In der 56. Minute dann überraschend eine „Hallo, wir sind auch noch da“-Tormöglichkeit durch Pandev, welche der Roma-Hüter Doni phantastisch pariert. Zwei Minuten später trifft Lazio durch einen Kopfball von Lichtsteiner (fast) völlig unerwartet zum 3:1. Sensationell! Keine 4 Minuten später wird es auf dem Feld sowie auf den Rängen etwas hektisch. Nachdem sich im Anschluss an einen Zweikampf Pandev und Panucci Nettigkeiten an den Kopf werfen, für die Beide gelb kassieren (Panucci infolgedessen sogar gelb-rot) und es zu ersten Rudelbildungen auf dem Rasen kommt, wollen die Zuschauer auf der Westtribüne in unmittelbarer Nähe zur Curva Sud dem auch nicht mehr länger nachstehen. Hier stehen, nur durch eine menschliche Kette Ordner abgetrennt, die Spaßfraktionen beider Vereine, ein wenig durchmischt mit ausländischen Zaungästen. Ein kurzes Hin- und her, nach ca. fünf Minuten ist hier auch erst mal wieder Ruhe. Vorerst. Das Spiel läuft wieder und der Platzverweis scheint eher für Lazio als für die davon betroffene Roma ein Handicap zu sein. Anders ist nicht zu erklären, dass man das Gefühl hat, Lazio spielt mit 2 Mann weniger. Man schreibt ungefähr die 75. Minute, als sich Matuzalem und Mexes richtig lieb haben und dafür beide die rote Karte sehen. Es kommt zu größeren Rudelbildungen auf dem Spielfeld. Wieder ist die Rangelei eine Art Startzeichen für die Westtribüne, welche jetzt richtig Rabatz macht. Die in der Zwischenzeit eingerückte Polente wird versucht zurückzudrängen, was vorerst auch gelingt. Nach einigen Minuten wird es selbiger anscheinend zu bunt und man lässt die Knüppel sprechen, welche auch dafür Sorge tragen, dass manch einer vom "Oberrang" auf die unteren Reihen springt. Das Scharmützel auf den Rängen geht intensiv weiter, aber ungeachtet dessen wird schon längst wieder gespielt. Die Roma erspielt sich in der 79. Minute einen Freistoß, welchen de Rossi per Kopfverlängerung zum 2:3 einnetzt. Es riecht zu diesem Zeitpunkt regelrecht nach einem 3:3. Doch in der 85. Minute startet Kolarov mit der Pille vom eigenen Strafraum Richtung Roma-Sechszehner, lässt alle Gegenspieler wie Slalomstangen im Training stehen und verwandelt flach zum 4:2. Ein wirklich sehenswerter Treffer! Danach passiert nicht mehr viel und am Ende gewinnt Lazio das 132. Derby mit 4:2. Feine Sache. Auch, dass Lazio noch nie ein Derby verloren hat, wenn ich vor Ort war. So gehört sich das, ihr Landräuber!


    Zeit, die nicht vergeht…


    Nach dem Spiel machte man sich per Bus retour Richtung Innenstadt. Auch, weil der Magen einem schon die ganze Zeit mitteilte, er wolle doch bitte gefüttert werden. Noch schnell einigen Bestellungen von Fanutensilien nachgegangen, ging man gleich darauf zu einem Steakhaus. Hartweizengries kann doch jeder. Nach Speis und Trank schrieb man 21:00 Uhr. Für um zehn hatte man sich bereits an der Lazio-Kneipe verabredet. Die restliche Zeit nutzte man zum Einkaufsbummel. Ja, auch Männer können das. Der spätere Treffpunkt war nur spärlich gefüllt im Vergleich zu den Vorjahren. Bis ca. 2:00 Uhr morgens hielt man sich dort bei Getränken und vielen Gesprächen auf. Dann wollten uns die Gastgeber eigentlich zum Flughafen fahren, hatten dazu aber keine Lust. Also bestellten sie kurzerhand ein Taxi für uns, welches sie auch gleich bezahlten. Da half alle Widerrede nichts. Um 2:30 Uhr am Flughafen Rom-Ciampino angekommen, hieß es nun bis zum Check in um 9:05 Uhr auszuhalten. Dachte man, sich bis dahin auf einer Bank schlafen zu legen stelle kein Problem dar, erwartete einen bei Eintritt in die Halle der Anblick von 40-50 anderen Menschen, welche anscheinend die gleiche Idee hatten. Es herrschte beinahe Platzmangel. Die restlichen Stunden kamen einem vor, wie eine halbe Ewigkeit. Nur die Sachen am Leib, welche man seit Sonnabendmorgen an hatte, keine Zahnpasta, Duschbad, Handtuch etc. Man kam sich vor wie…nun ja. Endlich war es 09:00 Uhr und der Rückflug stand unmittelbar bevor. In Berlin-Schönefeld um halb zwölf angekommen, dauerte es noch einmal eine gute Stunde bis man daheim war. Eine unglaublich herrliche Wohltat duschen und die Pfeffis putzen zu können.


    Holger K. (Borstel) - Leipziger Jungz

    @Dahlener: Bitte führe zu den aktuellen Ereignissen, welche ich ebenso verurteile, hier doch keine sinnlosen Beispiele als vermeintlichen "Aufhänger" für den "Beweis" von den "allgemein immer brutalen Lok-Anhängern" und den "allgemein friedlichen FCS-Fans" auf, deren Umstände Dir des Weiteren nicht bekannt sind oder welche Du mit Absicht verschweigst.


    wahllos 2 Beispiele:


    Bsp. 1:



    ....z.B. an den Überfall zum Hallenturnier in Markkleeberg vor Jahren....


    Rumgepose ohne Ende mit Handschuhen in der Halle, rüber winken als Zeichen des "Anbietens" von Eurem Leutzscher Jungvolk. Auch bereits auf dem Weg zum Hallentunier schon mächtig viel Adrenalin von Grün-Weiß. Aber dann rumningeln, wenn die Angebote angenommen werden...


    Bsp. 2:


    oder an die Brutalität der Ausschreitungen in Wurzen


    Das leidige Thema Wurzen. Wer nicht dabei gewesen ist, sollte hier ganz ruhig sein. Oder warst Du zu Gast bei diesem Spiel? Eine rhetorische Frage, sonst würdest Du dieses vermeintliche Beispiel nicht aufführen. Seinerzeit haben die Bullen völlig am Rad gedreht. Es wurde wahllos in die Menge reingerannt und drauf geknüppelt sowie Pfefferspray gratis verteilt, dabei hat es normale friedliche Fans und auch Rentner und Kinder erwischt. Und das alles nur, weil ein Fan ein Bengalo gezündet hatte, dieses dummerweise an der Spielfeldbegrenzung (Innenraum) fallen ließ und ein anderer dieses sofort aufhob, um es zu entfernen. Der Zweitgenannte war dann der Blöde und sollte festgenommen werden. Nachdem man den Bullen freundlich erklären wollte, daß er das 1. gar nicht war und 2. fragte, wo hier eigentlich die Verhältnismäßigkeit sei, zeigten diese dann, was sie in ihrem Kommunikationstraining gelernt haben. Allerdings scheinen die da nicht so viel zu sprechen. Die anschließende Reaktion der Lokisten aller Kategorien und der gemeinsame Gegenangriff (nach dem 3. Niederknüppeln!) auf die Bullen war somit folgerichtig! Ubabhängig davon, daß der Pöbel nach Rückzug der Grünen und der damit verbundenen Einstellungen der Auseinandersetzungen noch sinnlose Sachbeschädigung betrieb.


    Weiterhin sollte man trotzdem, bei allem möglichen Anfangsverdacht und dem verständlichen Entsetzen über die jüngsten Ereignisse (jemanden die Knarre an den Kopf zu halten etc. ist völlig krank), zumindest doch die endgültigen Ermittlungen in diesem Fall abwarten, bevor man hier einen kausalen Zusammenhang zwischen der Gewalt im Besonderen und den Lok-Anhängern im Allgemeinen herstellt.


    [...] DAS Totschlagsargument: "Immerhin ist ein Mensch gestorben."[...]


    Wie passend… :nein:


    Wer von deinen statistisch erfassten Autofahrern hat denn im Straßenverkehr und dabei im Staatsdienst verantwortungslos mit seinem Fahrzeug als Waffe Menschen getötet, um mal auf den völlig schwachsinnigen Vergleich einzugehen? Das wäre diesbezüglich die einzige "Diskussionsgrundlage", welche hier aber auch mehr als deplaziert wirkt.


    Das Thema ist hier nicht Mord, Totschlag oder fahrlässige Tötung, zwischen welchen anderen Parteien auch immer, in diesem Staat im Allgemeinen.

    kirchi: Hier ist niemanden eine Möhre geklaut worden, sondern ein Mensch kam ums Leben. Aber ein toller Vergleich, der, vielleicht auch unbeabsichtigt, wieder einmal relativiert. Und natürlich, diese Krawall-Tifosi, was bilden die sich ein, ein paar Scheiben zu Bruch gehen zu lassen und den Staatsdienern blaue Flecke verpaßt zu haben. Davor ist doch nur jemand von einem schießwütigem Bu**** erlegt worden. Das steht wirklich in keinem Verhältnis zueinander...

    Stellwerker: Persönlich lege ich immer großen Wert darauf, dass Aussagen nicht aus dem Zusammenhang gerissen werden, sozusagen alles im Kontext mit der Gesamtaussage zu sehen ist. Aber das scheint jeder anders zu halten. Manchmal paßt dann die zweitgenannte Variante ja auch ganz gut.


    Und die Gesellschaft scheint mittlerweile nicht nur in Italien so abgewichst zu sein, dass ein Toter erst an zweiter Stelle kommt. Die Herren Profis entblöden sich nicht, eine "Kampfansage" aufgrund der Ausschreitungen am Sonntag an die Tifosi zu richten, vergessen aber anscheinend die Ursache dafür. Ist ja nur ein toter Fan. Als Tifosi würde ich ihnen, diesen wahren "Humanisten", antworten: "Dann verpi.. euch doch!"