Beiträge von Ahlen

    @ suk
    Du meinst sicherlich das Pokalhalbfinale im Katzbachstadion zwischen Türkiyemspor und dem 1. FC Union, das Türkiyem mit 2:1 gewann :biggrin:. Das Stadion war aufgeteilt: Die Hauptgerade für die Türkiyemfans, die Gegengerade für die Unioner. Auf der Seite der Türkiymfans gab es zwei Leute, die während des Spiels mit einer Trommel und einer orientalischen Tröte für Stimmung sorgten, so wie die Trommler in vielen Stadien es auch machen. Ich frage mich, wieso dich das genervt hat? Du warst doch sicherlich auf der gegenüber liegenden Seite, wo diese Musik bestimmt eine erträgliche Lautstärke hatte.
    Was die politische Gesinnung von Yesilyurt und Türkiyemspor betrifft:
    Über Yesilyurt kann ich diesbezüglich gar nichts sagen, über Türkiyemspor nur, daß der Vorstand einer multikulturellen Einstellung nicht kritisch gegenüber steht, teilweise auch nach links tendiert, d. h. sozialdemokratisch, aber auch weiter links. Allerdings bin ich auch schon von einem Vorstandsmitglied gebeten worden, die Che Guevara-Fahne nicht mehr aufzuhängen. Das war aber - so stellte sich danach heraus - eine isolierte Auffassung dieses Menschen, die anscheinend vom Rest des Vorstands nicht geteilt wird.

    Sag mal, tuerkiyemfan, bist du schon voll? Wie willst du denn Flaschenbier ins Stadion bekommen (bitte nicht hier beantworten!). Und überhaupt....hast du im Lotto gewonnen?
    Das kann ja heiter werden (denkst du bei mir daran, daß ich nichts alkoholisches trinke, also für mich bitte Malz-Bier oder Afri-Cola.

    Ich habe mittlerweile auch kein großes Problem mehr mit der Verlegung.
    @ Altstadthippie
    Bezirksfürsten und Vetternwirtschaft (der 2. Begriff stammt nur von dir) dürften euch Unionern doch geläufig sein. Ihr habt doch Millionen von den Senaten unter CDU/SPD/FDP und Diepgen/Landowsky/Fugmann-Heesing und wie die Gauner alle hießen eingesteckt, um nicht vollends pleite zu gehen. Ihr wißt wie´s geht und seid heute noch stolz auf eure CDU-Connection (wie ich kürzlich hier im Forum nachlesen konnte). Womit ich nun nicht wieder das Thema Politk und Fußball eröffnen will.
    Und bitte, lieber Unioner, verschone mich mit Storys a la "Das war nicht so, sondern ganz anders" oder ähnliches. Über das Thema sind ganze Bücher geschrieben worden (z. b. Berlin - Hauptstadt von Filz und Korruption, v. Mathew D. Rose 1997, Seite 77 - 101).

    @ der wolf
    Daß es funktioniert (z. B. wenn der Verein das Sportamt auf seine Seite hat), glaube ich schon. Denn die Verlegung ist ein leichtes, wenn der Platzwart dringende Regenerationsarbeiten geltend macht. In Berlin regieren nämlich die Sportämter, weil ihnen die Plätze gehören. Es ist die Beziehungsarbeit zu diesen Bezirksfürsten, die vorteilhaft sein kann (Türkiyemspor war diesbezüglich meist ein Versager-Verein).
    tuerkiyemfan hat ansonsten vieles zu den Beweggründen, die für eine Verlegung in Frage kommen könnten, gesagt. Und das ohne ausfallend zu werden. Danke, tuerkiyemfan!

    Zitat

    Original von BRB-Jörg
    @ ahlen : Egal welche Position Fenomen geäußert hat : Wenn Rechtsradikale diese Position einnehmen, heißt es noch lange nicht das Jeder, der die Position ebenso einnimmt, auch ein Rechtsradikaler ist.


    Das habe ich auch nicht behauptet. Ich habe lediglich geschrieben, daß dieser Satz auch von Rechtsadikalen benutzt wird und von daher zu Mißverständnissen führen kann, wenn er für sich alleine steht und nicht näher erklärt wird.
    Ich weiß, daß fenomen kein Rechtsradikaler ist. Aber die Wahl der Worte bereitet anscheinend nicht nur dem türkiyemfan Probleme. Wie man provoziert, weiß jedenfalls auch fenomen ganz gut (ich habe mehrere Beiträge von ihm auch zu anderen Themen gelesen).

    Wie ich soeben erfahren habe, ist das Spiel Yesilyurt-Türkiyemspor um eine Woche verschoben und findet jetzt am Mittwoch, den 03.09.03 statt. Offizielle Begründung soll Rasenreparatur-Arbeiten sein. Allerdings wird vermutet, daß Yesilyurt aufgrund einiger verletzter Spieler am 27.8. nicht antreten möchte.

    Es ist hier wirklich gut zu beobachten, wie sich ein normales Thema zu einem Streitgespräch entwickeln kann. Aber auch, wie es sich allmählich wieder beruhigt. Eigentlich klasse.
    Die Kritik an türkiyemfan kann ich nachvollziehen. Ich habe den Eindruck, daß Du dich bei vielen Einträgen sehr schnell provoiziert fühlst. Bitte sehe die Dinge gelassener, lese erst, atme tief durch, zähle bis 10 und überlege dann gut, wie Du antworten willst, wenn Du antworten möchtest. Du mußt nicht auf jeden Pups reagieren.
    Im übrigen: Kritik an die Touristenzentren darf geübt werden, ob in der Türkei, Spanien, Italien odert sonstwo. Denn die sind zum größten Teil sch...
    Das Verhalten von fenomen in diesem Zusammenhang muß ich aber auch kritisieren. Nur einfach ohne Erklärung, wie er es meint, den Satz einzustreuen, daß den türkiyemfan ja keiner zwingt, hier zu leben, muß zwangsläufig zu Mißverständnissen führen. Denn - und da hat türkiyemfan Recht - es ist eine Position, die auch Rechtsradikale vertreten. Wenn mir so ein Satz ohne nähere Erklärung unterkommt, würde ich auch erst einmal empfindlich reagieren.
    Nun gut, aber ich freue mich, daß es jetzt wieder in normalem Ton weitergeht.
    Übrigens:
    Der FC Bayern kann mir gestohlen bleiben!
    Türkiyemspor gewinnt am Sonntag gegen Hertha BSC Am. mit 3:2.
    Und das Spiel Yesilyurt - Türkiyemspor ist um eine Woche verschoben auf den 3.9.!

    Ich hatte schon mal erwähnt, daß ich froh war, daß uns vor vielen Jahren Antifa-Gruppen bei Auswärtsfahrten unterstützt hatten (Cottbus, Dessau, Magdeburg, Halle). Diese Antifas waren in Ordnung. Ich habe aber auch - besonders hier in Berlin - erlebt, wie Antifas blind und kontraproduktiv agierten.
    Es gibt viele verschiedene Antifa-Gruppen, die sich mitunter untereinander nicht leiden können. Von daher ist meine Einstellung zur Antifa schwer zu beschreiben. Sie ist am ehesten mit meiner Einstellung zur anti-totalitärem Politik erklärbar.
    "Antifa heißt Angriff" ist mir zu platt. Wer oder was soll angegriffen werden? Das ist Auslegungssache der verschiedenen Antifas und Teil der Auseinandersetzung innerhalb der Linken. Mit diesem Slogan kann ich nichts anfangen.

    Tuerkiyemfan
    Ich will kein Stolz von irgendjemand oder irgendetwas sein. Ich finde auch, daß du dich in deiner Wortwahl etwas verändern solltest. Schließlich vertrittst auch du Türkiyemspor mit deinen Einträgen. Auch wenn es dir schwerfällt, einige Meinungen anderer zu akzeptieren (mir geht es ähnlich), ist es so, daß hier im Forum alle Fußballfans weder rassistisch noch ausländerfeindlich sind. Von daher ist eine Basis vorhanden, auf der man vernünftig miteinander diskuttieren kann.
    BRB-Jörg
    Es ist keine Hakenkreuzfahne sondern eine Antifa-Fahne. Was aus dem von dir angesprochenen Verfahren gegen diese Fahne geworden ist, weiß ich nicht. Aber Angst vor einem Verfahren wäre für mich kein Grund, auf diese Fahne zu verzichten.

    Zitat

    Original von KrassUnion
    Was Che-Fahnen im Stadion zu suchen haben, ist mir echt rätselhaft; der wusste vielleicht noch nicht mal was Fussball ist...
    Wenn es Erich Mielke wäre auf der Fahne, könnte ich das verstehen, der war fussballbegeistert und hat wahrscheinlich weniger Menschen auf dem Gewissen als der Kubaner, und Antifaschist war er auch. War Mielke eigentlich links oder rechts?


    Nur zwei Dinge zu Che: Er hat mit Sicherheit weniger Menschen auf dem Gewissen als Mielke, denn die gesamte kubanische Revolution verlief - ich betone - "verhältnismäßig" unblutig, da sich sehr schnell sehr viele vor allem Bauern Fidel Castro, seinem Bruder Raul und Che angeschlossen hatten und Batista Hals über Kopf in den Schoß seiner Freunde in Washington flüchtete, und weil Fidel Castro Che und seine Truppe bei einigen der wenigen Gefechte nicht teilhaben ließ. Er wollte ihn schonen, weil er für ihn andere Aufgaben vorgesehen hatte.
    Das zweite: Che war kein Kubaner sondern Argentinier, und mit Sicherheit ein Antifaschist.
    Mielke war für mich ein Linker, aber einer mit faschistischen, d. h. totalitären Vorstellungen.
    Die Che-Guevara-Fahne im Stadion ist keine Erfindung von Türkiyemspor-Fans. In mehreren Bundesliga-Stadien tauchte in der Vergangenheit diese Fahne auf, warum, weiß ich bis heute nicht. In südamerikanischen Stadien allerdings hängt sie aus politischen Gründen. Dort hat Che - weit mehr als hier - nicht nur Kult- sondern auch einen Polit- Charakter, was mit der gesellschaftlichen Situation in diesen Ländern zu tun hat. Hier in Mitteleuropa verkörpert er noch den anständigen Revolutionär, der nur eine bessere Gesellschaft im Sinn hatte, dafür sogar auf ein politisches Mandat auf Kuba verzichtete und sein eigenes Leben aufs Spiel setzte. Etwas Revolutions-Romantik eben. Und Kult-Charakter hat er auch, wobei ich mir sicher bin, daß keiner derjenigen, die diese Fahne in den Wind halten oder ein Che-T-Shirt tragen, heutzutage bereit wär, die Strapazen auszuhalten, die Che seinerzeit auf Kuba, in Afrika und Bolivien für die Befreiung anderer Menschen auf sich nahm.
    Ich hatte meine Fahne im Januar aus Kuba mitgebracht, weil ich Che-Fan bin (trotz all der auch mir bekannten Widersprüche) und die Fahne zudem nicht im revolutionären Rot daherkommt sondern im Türkiyemspor-Blau-Weiß. Wie geschaffen für unsere Stadionzäune.
    Ob Che Fußball kannte, weiß ich nicht. Allerdings kannte er Baseball und war auch ein Fan. Aber wohl Aufgrund seines Asthmas konnte er sich nicht zu sehr sportlich betätigen.
    Einige kurze Antworten:
    FENOMEN
    Vielleicht haben Linke eine unbegründete Paranoia, aber Türkiyemspor ist eine Mannschaft von "Ausländern", die schon von daher eher zum Angriffsziel (verbal, manchmal auch körperlich) wird. Glaube mir, bei uns ist es keine Paranoia. Für viele seit zwei, mitunter drei Generationen in Deutschland lebende Türken gibt es am Wochenende nicht die Diskussion in ihren Familien, ob sie an die Ostsee fahren oder in den Spreewald, wie es für die Deutschen selbstverständlich geworden ist. Sie fahren aus Angst (ob begründet oder nicht möchte ich nicht beurteilen) lieber in den Berliner Tiergarten zum Grillen oder nach Westdeutschland, wobei für sie die alten Transit-Strecken immer noch existieren. Nur nicht abfahren! Vielleicht ist das auch Paranoia, aber die Ängste sind da und keiner konnte sie bisher ausräumen.
    Offenbach Patriots:
    Du hast Recht! Türkiyemspor ist seit sein Bestehen ein Politikum, weil er ein Verein v. türkischstämmigen Menschen ist. Aber im Grunde ist es etwas normales und in allen Teilen der Welt zu beobachten: Ausgewanderte finden sich in ihrer neuen Heimat in Vereinen u. ä. zusammen, um ihre alte Herkunft in Teilen weiterleben zu können. Türkiyemspor (anfangs Izmirspor) war aber immer ein Verein, der nicht nur auf türkische Menschen setzte. Spieler, Mitglieder, Funktionäre kamen aus den verschiedensten Ländern. Türkiyemspor wollte immer ein Berliner Verein sein, kein türkischer, bat die Fans sogar Anfang der 90er Jahre, auf türkische Fahnen zu verzichten. Das wurde ihm übrigens zum Verhängnis, denn in der 2. Hälfte der 90er Jahren kam es in der NOFV-Oberliga zum Zweikampf zwischen Türkiyemspor und dem vom türkischen Generalkonsulat schon 1965 gegründeten Türkspor Berlin. Türkspor und die ihm wohlgesonne türkische Presse beschimpfte Türkiyemspor aufgrund seiner Einstellung und den vielen nichttürkischen Spieler als einen Verein, der nichts mehr mit den Türken zu tun haben will (was natürlich auch nicht stimmte). Türkiyemspor verlor dadurch immer mehr Zuschauer, und mir wurde dabei auch deutlich, wie viele nationalistische und rechte Türken es gibt. Die blieben schließlich weg, und wir hatten weniger Zuschauer, aber dafür welche, die mir sympathischer waren. Das war ein Nebeneffekt, der mir sehr wohl gefiel. Während Türkspor weiter Oberliga kickte, regenerierte sich Türkiyemspor in der Berliner Verbandsliga und spielt nun wieder Oberliga. Türkspor kickt dagegen mittlerweile in der Kreisliga A.
    Mittlerweile wird bei Türkiyemspor - noch hinter vorgehaltener Hand - über eine Namensänderung nachgedacht, weil man das Problem mit dem Vereinsnamen langsam erkennt.
    Zum Schluß:
    Die Diskussion hier ist ganz schön ausgeartet, auch inhaltlich. Aber sie ist auch erhellend. Mich macht nur stutzig: Der Auslöser dieser Diskussion ist meine Che-Fahne gewesen, aber nicht meine schwarze Antifa-Fahne (die Faust, die das Hakenkreuz zerschlägt). Die ist eigentlich agressiver, die hänge ich z. b. bei Jugendspielen oder in bestimmten Situationen bei Auswärtspielen nie auf, weil ich nicht unnötig provozieren möchte (z. b. dann, wenn ich weiß, daß es in dem Stadion keine Probleme mit Ausländerfeindlichkeit gibt und sie die gegnerischen Fans nur irritierten würde oder sie sich in eine Ecke gedrängt fühlen, in die sie nicht gehören).
    Ich werde nun darüber nachdenken, ob ich diese Fahne beim Fußball nicht ganz weglassen kann, weil sich die Situation in den Stadien der NOFV-Oberliga-Nord in Bezug auf Rechtsradikalismus tatsächlich in den letzten Jahren beruhigt hat und diese Fahne einen bei dem einen oder anderen vielleicht vorherrschenden Ausländerhaß auch nicht besänftigen kann (eher im Gegenteil).

    Noch einer mit einer Liebe zur Shift-Taste.
    Ich wollte eigentlich nur noch was zu Fußball schreiben, aber leider:
    @ Swansea-Boy
    Gewaltfreiheit in Ehren, aber ich glaube, sie stößt an ihre Grenzen, wenn dich Faschos im Stadion mit Baseball-Schlägern begegnen (wie wir in Thale erleben mußten) oder dein Bus mit Steinen beworfen und Leuchtspur-Munition beschossen wird (wie in Cottbus geschehen).
    Che Guevara benutzte auch gewaltätige Mittel, um eine - wie er glaubte - menschlichere Gesellschaft zu errichten. Das war damals aber nötig, denn das auf Kuba herrschende BATISTA-System war ein brutales Unterdrückungs-Regime, das von den USA gestützt wurde. Eine Befreiung durch Fidel Castro, Che Guevara u. a. konnte nicht gewaltfrei gelingen, ebenso wie die allesamt gescheiterten Befreiungsversuche von Militär-Diktaturen der 50er und 60er Jahren nicht friedlich durchgeführt werden konnten (wie in Bolivien, wo Che auch kämpfte und schließlich starb). Wer der Gewaltfreiheit anhang, kam auch um. Salvador Allende, der demokratisch gewählte Präsident von Chile, wurde vom CIA ermordet. Marthin Luther King, der die schwarze Bürgerrechtsbewegung in den USA anführte und immer für Gewaltfreiheit eintrat, wurde ebenfalls ermordet.
    Ich möchte jetzt dieses politische Thema hier wirklich beenden, aber ich empfehle dir, einmal das "Schwarzbuch des Kommunismus", das ja bekanntlich nicht von Linken geschrieben ist, zu lesen und die Zahlen und Fakten mit denen des Nationalsozialismus zu vergleichen.

    @ BRB-Jörg
    Ich habe nicht behaupt, daß der Rudower ein Nazi ist. Wie könnte ich, ich kenne ihn gar nicht. Nur sein Satz gegen Frauen beim Fußball finde ich sexistisch und daher diese Einstellung nicht in Ordnung.
    @ block_e
    Über dieses Thema hatten wir schon in dem Türkiyemspor-Forum diskuttiert. Ich ignoriere nichts, schon gar nicht, um mein Weltbild aufrecht zu erhalten. Ich kann aber nicht über etwas berichten, was ich nicht mitbekommen habe. Wenn du hinterher sagst, daß ihr versucht habt, die dummen Sprüche zu unterbinden, glaube ich dir das selbstverständlich. Trotzdem bleibt der Fakt vom u. a. Verbrennen türkischer Tageszeitungen in der Halbzeitpause im Gästeblock unter "Deutschland den Deutschen - Ausländer raus!"- Rufen (als wir gerade gemütlich in eurer wirklich netten Stadionkneipe saßen und uns mit freundlichen Eisenhüttenstädter unterhielten).
    Es wäre wirklich gut gewesen, wenn ihr während des Spiels mit uns Kontakt aufgenommen hättet. Es hätten einige Irritationen vermieden werden können.

    BRB-Jörg
    Wenn du meinen letzten Satz so verstanden hast, als wenn ich dich mit Rechten in einen Topf werfen wollen würde, so ist das falsch. Keinen von euch unterstelle ich eine irgendwie geartete Ausländerfeindlichkeit o. ä. Sollte das von mir mißverständlich rübergekommen sein, tut es mir leid.
    Wenn ich von normalen Menschen und von Nazis spreche, dann mache ich das nicht, weil ich die Nazis nicht für normale Menschen halte. Vielleicht hätte ich lieber die Unterscheidung "Normalos" und Nazis benutzen sollen, um deutlicher zu machen, was ich meine.
    Auch ich habe mehrfach deutlich gemacht, daß ich mich auch gegen linken Faschismus wende. Und ich meine deutlich gemacht zu haben, was ich unter Zivilcourage auch im Stadion verstehe, wenn Nazis in Erscheinung treten. Reden mit einer Gruppe von Rechten kann man dann nicht. Dann muß man sie gesellschaftlich isolieren. Für das Reden und diskuttieren mit ihnen sind andere Räume und Situationen eher geeignet. Aber die meinte ich mit meinen Beispielen nicht. Glaubst du ernsthaft, daß wir bei einem Gastspiel von Türkiyemspor eine konstruktive Diskussion mit einer Gruppe Nazis führen können?
    Bei einem bleibe ich: Die Ideologie der Nazis ist - im Gegensatz zu linken Ideologien - menschenverachtend, rassistisch und auch sexistisch (das geht an den Rudower), weil sie nicht den Menschen in den Mittelpunkt stellt sondern irgendwelche anderen Prioritäten setzt (Herkunft, Aussehen, gerade Nase und arisches Blut o. ä.). Und sie läßt keinen Zweifel daran, daß diese Ideologie mit Gewalt umgesetzt werden soll.
    Da wir von Türkiyemspor die potentiellen Opfer dieser Menschen sein sollen, darf es mir gestattet sein, die Dinge auch ein klein bißchen anders zu sehen. Wobei ich feststelle, daß wir eigentlich gar nicht so weit auseinander sind. Gegen Faschismus - ob links oder rechts - sind wir alle, gegen Nazis auch. Sollte es sich nur noch um eine Diskussion um unsere Antifa-Fahne und das Che-Transparent handeln, denke ich, können wir die hiermit beenden. Da kommen wir nicht zusammen. Aber das ist auch nicht nötig.
    Ich sehe es wie der Budapester. Laßt uns zum Thema Fußball zurückkehren.

    Ich kann keine Nazis aus den Stadien rausschmeißen. Das können nur die jeweiligen Fans und Offiziellen vor Ort. Im übrigen war es der 99er aus Merseburg, der mit seinem Eintrag die These aufstellte, daß in solch einem Fall einige Vereine viele Fans verlieren würden.
    Und mit in die Schranken meine ich etwas wie folgt: Vor längerer Zeit reagierten die Fans von Union Berlin bei jedem Ballkontakt eines schwarzen Gegenspielers mit Uh-Uh-Uh-Rufen. Der beliebte Stadionsprecher Andre reagierte sofort mit einer energischen Durchsage, daß er so etwas in der Alten Försterei nicht hören will. Und danach war Ruhe. Das meine ich mit "in die Schranken weisen", so etwas wie Zivilcourage vor Ort, spontan, wenn etwas vorfällt. Nicht auf die Politik, Medien oder Antifa warten. Und da kann ich sagen, daß wir Türkiyemspor-Fans davon einschl. bei unserem letzten Auswärts-Aufenthalt in Eisenhüttenstadt wenig erlebt haben. Rechte können meist ungestört agieren, lediglich wenn sie bedrohen, kann man mit polizeilicher Hilfe rechnen. Ihre rassistischen Gesänge werden hingenommen.
    Im übrigen möchte ich jetzt noch einmal auf folgendes hinweisen, obwohl ich es schon erwähnt hatte: Ich hasse faschistische Ideologien, ob rechte oder linke. Aber ich lasse nicht zu, daß der Versuch unternommen wird, Nazis als normale Menschen anzusehen, die nur eine andere politische Meinung haben als ich. Deren politische Auffassung ist menschenverachtend. Und gewalttätig. Sie werden vermeintl. Ausländer, Schwule, Behinderte, Juden, Moslems usw. jagen und verfolgen, sobald sie die Möglichkeit dazu haben. Das weiß jeder, der sich ein bißchen näher mit ihren Schriften befaßt. Ich kann es daher nicht so gelassen sehen wie der Budapester oder BRB-Jörg.

    Längst nicht so viele wie der deutsche Faschismus!
    Aber ich denke, wir sollten uns hier nicht gegenseitig mit Opferzahlen bewerfen. Ich bin gegen Faschismus, ob links oder rechts. Allerdings wird der berechtigte Einsatz gegen Nazis nicht dadurch unberechtigt, weil ein paar Antifas zu unsensibel vorgehen. Wenn die "Normalbevölkerung" auf der Straße oder auch im Stadion den Rechten die Schranken weisen würde, wenn diese ihre Parolen, Gesänge oder Aktionen starten, wäre das schon sehr viel. Dann würde sich nämlich zeigen, daß es im Grunde nur eine Handvoll Figuren sind, die da agieren. Darum geht es mir: um das jetzt und hier, und nicht um die letzten 100 Jahre, die traurig genug waren.
    Und wenn hier einige glauben, daß der eine oder andere Verein dicht machen könnte, wenn er seine rechten Fans rausschmeißen würde, dann zeichnet ihr ein bedenkliches Bild von der gesellschaftlichen Situation in den Neu-Fünf-Ländern.
    Der Ausspruch "Fußball hat nichts mit Politik zu tun" wird dadurch übrigens ad absurdum geführt.

    Da unsere Transparente der Auslöser dieser Debatte war, möchte ich hier aus Türkiyemspor-Sicht einiges dazu sagen:
    Ich kann der Meinung auf keinen Fall zustimmen, daß rechts und links das gleiche sei. Es gibt sicherlich linken Faschismus (Stalinismus=Verfolgung andersdenkender Linker und von Minderheiten), aber der rechte, d. h. nationalistische Faschismus bedeutete die Ermordung von Millionen von Menschen in der Vergangenheit. Und in der Gegenwart bedeutet er, daß ganze Bevölkerungsgruppen beleidigt, erniedrigt und bedroht werden. Hört euch die Texte von Landser an, einer der meistgehörten Nazi-Bands. Allein das Lied "Wiedermal kein Tor (für Türkiyemspor)", das uns jetzt gerade bei nahezu jedem Gastspiel im Osten von Fans entgegengeträllert wird, ist gespickt von rassistischen Vorurteilen ("Türken stinken wie die Pest, Eselficker") und beinhaltet die angedrohte Gewalt während der 3. Halbzeit.
    Brutale Überfalle und Anschläge auf Minderheiten gehören - besonders im Osten, aber nicht nur dort - zur gesellschaftlichen Realität. Ich könnte euch eine ganze Latte der Türkiyemspor-Erfahrungen im Osten aufzählen. Wir wurden beschimpft in Gegenden, wo man noch nie vorher einen Türken gesehen hat. Trotzdem meinten alle zu wissen, daß Türken stinken und kriminell sind. Ich war froh, als uns 1992/93/94 Antifas in Cottbus, Brieske-Senftenberg, Dessau und Magdeburg bei unseren Auswärtsfahrten unterstützt hatten. Ich habe es jedenfalls satt, mich von irgendwelchen Dorf-Deppen mit einem absolut beschränktem Weltbild beschimpfen und bedrohen zu lassen.
    Rassistische Beschimpfungen und Gewalt dürfen weder im Stadion noch anderswo geduldet werden. Deswegen ziert Che unseren Block, denn Che kämpfte für eine menschlichere Gesellschaft. Und das ist auch der Einsatz gegen Faschismus und Nazis. Die Erfahrungen bei Türkiyemspor machen deutlich, daß dieser Einsatz nicht vor den Stadientoren halt machen kann.
    Das war jetzt viel Politik für diese Fußballseite, aber das mußte ich mal loswerden.

    Sorry, mein obiger Eingangssatz richtete sich nicht an den "Brandenburger" sondern natürlich an den "Budapester".
    Ich würde mich freuen, wenn ich euch beim Spiel Yesilyurt gegen Türkiyemspor begrüßen könnte. Wird bestimmt lustig.