„Löwen ärgern“ im Parkstadion
(Nach Nordkurier vom 09.08.2008 - Von Detlef Granzow)
Neustrelitz. Morgen Nachmittag steigt im Neustrelitzer Parkstadion eine Neuauflage des guten alten Fußball-Pokalstücks „David gegen Goliath“. Oberligist TSG Neustrelitz erwartet vor hoffentlich ausverkaufter Hütte im Spiel des Jahres Zweitligist 1860 München. Das ist der Stoff, aus dem seit jeher Pokal- Träume gemacht sind.
Geht es nach den Münchener „Löwen“, dann soll der Abstecher nach Neustrelitz ein Kurztrip werden: Anreise Sonnabendnachmittag, Übernachtung im Parkhotel, Sonntag Pokalspiel, Abflug. Kein Platz für Überraschungen.
TSG-Geschäftsführer Andreas Kavelmann kommentiert dieses Reiseprogramm so: „Es liegt an uns, dass ihr Flieger in Berlin warten muss.“ „Löwen ärgern“ heißt das Spiel. Geheimrezept: Begeisterung und Leidenschaft.
Sprich, wenn die junge Neustrelitzer Elf den Favoriten in die Verlängerung zwingen könnte – wie im vergangenen Jahr den KSC – dann kommt der Münchener Routenplaner ins Schwitzen. „Das wäre schon ein Ding“, so Trainer Lothar Hamann: „Fakt ist, je länger wir das Zu-Null halten, umso größer werden unsere Chancen. Aber die Münchner sind schon der haushohe Favorit.“
Von übertriebenem Optimismus will der Fußballlehrer nichts wissen. Bei manchem „Kiebitz“ rund ums Parkstadion sitzt die Euphorie ohnehin locker. Nach dem Motto: Vor einem Jahr hatten wir den Bundesligisten in der Verlängerung, jetzt hauen wir den Zweitligisten weg. Hamann warnt vor solcher Art übersteigertem Selbstvertrauen: „Die Münchner haben eine gute Truppe beisammen. Wir haben sie genau beobachtet und wissen auch, wie man gegen sie spielen muss. Aber ob uns das gelingt, da steht noch ein Fragezeichen“, so Hamann.
Immerhin rücken die „Löwen“ mit vielen bundesligaerfahrenen Kickern an: Die Berhalter, Bierofka, Schwarz und Lauth werden der jungen TSG-Elf schon alles abverlangen.
Aber Bange machen gilt nicht. Hamann hat seinen Jungs, bei denen „Jung-Papa“ und Kapitän Dirk Rochow im Abwehrzentrum steht, keine „Mauer-Taktik“ verordnet. „Sicher müssen wir in der Defensive gut stehen, wollen wir eine Chance haben, aber über die Außen sollten wir immer wieder schnelle Konter setzen“, verrät Hamann etwas von seiner Taktik. Bei einem Trainerlehrgang in der vergangenen Woche hat Hamann genau diese Kontertaktik als eine Lehre aus der EM mitgebracht. „Tief stehen und dann gezielt Nadelstiche setzen“, so könnte es gehen. Mit Jacobsen und Wunderlich stehen schnelle Leute bereit, die die beiden Stürmer Jovanovic und Müller mit Bällen füttern können. Mal sehen, ob der Plan aufgeht!
Trainer Hamann setzt jedenfalls voll auf seine „Jungspunde“. „Ich bin von der Qualität eines jeden Spielers überzeugt. Die Frage ist, wie die Jungs ihr Können abrufen, wenn der Sturm mal kräftig ins Gesicht weht“, ist Hamann auch auf den Auftritt seines Teams gegen den übermächtigen Gegner gespannt. Aber, wer weiß, vielleicht ist „Löwen ärgern“ ja ab morgen eine Neustrelitzer Spezialität.
Pokalspiel als Lohn der Arbeit
(Nach Nordkurier vom 09.08.2008)
Neustrelitz. Fußballfest im Neustrelitzer Parkstadion: Morgen (Anstoß 14.30 Uhr) erwartet die TSG Neustrelitz den TSV 1860 München. Detlef Granzow befragte TSG-Präsident Hauke Runge vor dem Pokal-Hit.
Anfang der Woche haben Sie im Training das Wort ergriffen. Was haben Sie den Jungs gesagt?
Ich habe der Mannschaft noch einmal die Bedeutung des Spiels nahe gebracht. Die Bedeutung für die Region und für den Verein.
Was erwartet das Umfeld?
Alle erwarten ein schönes Spiel und vor allem kämpferischen Einsatz unserer Jungs. Wenn gekämpft und ansehnlich Fußball gespielt wird, ist das Ergebnis zweitrangig.
Die TSG hat ein junges Team. Besteht die Gefahr, dass der Druck zu groß wird?
Nein. Dieses Spiel ist ein Super-Ding. Wir haben eine junge Mannschaft und die Jungs haben Charakter. Das Pokalspiel ist für sie ein Höhepunkt gleich zum Saisonstart. Und, das kann einen Schub für die ganze Saison geben.
Morgen guckt Fußball-Deutschland auf Neustrelitz, sogar per TV-Übertragung. Stolz?
Na klar. Nicht zuletzt werden die Bemühungen des ganzen Vereins, der Sponsoren und Fans überregional bekannt. Gerade im letzten Jahr hat sich hier viel verändert, auf das wir stolz sind. Das neue Stadiongebäude ist ja nur ein Beispiel. Eigentlich ist es daher vom „Fußballgott“ nur gerecht, dass wir ein zweites Mal mit der DFB-Hauptrunde belohnt wurden.
Das Spiel ist auch wirtschaftlich nicht uninteressant. Oder?
Es gibt doch in dieser Region keinen Sportverein, der im Geld schwimmt. Es ist kein Geheimnis, wir können die Pokal-Einnahmen gut gebrauchen.
Quelle: www.nordkurier.de