Nachdem sich zu Pfingsten (und in der Woche zuvor) in einigen deutschen Stadien unglaubliche Dinge abspielten, habe ich mich am Sonntag auf eine ruhige Tour nach Böhmen begeben. Nach den schwarzgelben Enttäuschungen der Woche bin ich gerade dabei, meine etwas eingeschlafene blaugelbe Beziehung wiederzubeleben. Am letzten Spieltag der Abstiegsrunde trafen die beiden bereits geretteten nordböhmischen Vereine aufeinander:
FK Jablonec - FK Teplice 0 : 2 (0:1).
0:1/30. Gning.
0:2/49. Radosta
2059 Zuschauer, etwa 60 Leute im Gästeblock und noch ein paar Dutzend Teplitzer auf der Haupttribüne. Dazu einige groundhopper - neben mir zwei junge Kerle aus dem Erzgebirge, die tags zuvor in Liegnitz waren.
Ich machte mich morgens allein mit der Bahn auf die Reise. In Liberec nutzte ich paar Stunden zum sightseeing, u.a. auf den Spuren des Romans "Winterbergs letzte Reise", falls den hier im Fußballforum jemand kennt - das ist eher was für Geschichts- oder Bahnfreaks.
Eine Dreiviertelstunde vor Spielbeginn war ich dann im Stadion. Mein zweiter Besuch dort, aber der erste fand vor 22 Jahren auf einer Baustelle statt. Die Ansetzung war dieselbe, es gab damals ein gruseliges 0:0, ohne dass ich mich noch an irgendwelche Einzelheiten erinnern kann. Also im Prinzip Neuland. Das Stadion liegt idyllisch im Grünen, von der Haupttribüne aus hat man den perfekten Blick auf den Jeschken. ich dachte mir schon, wenn das ein Sch... Spiel wird, kann ich wenigstens die Aussicht genießen.
Aber es wurde kein Sch... Spiel! Beide konnten frei aufspielen und taten das auch. Dabei stellte sich beizeiten heraus, dass der FKT die deutlich bessere Spielanlage hatte. Von Gablonzer Seite kamen meist lange Bälle, die mal beim eigenen und mal beim gegnerischen Spieler landeten. Und wenn der Gastgeber mal zu Chancen kam, dann oft wegen des gestern sehr unsicher wirkenden Teplitzer Torhüters.
Bei den Gelbblauen hatte ich mich ja schon vor vierzehn Tagen ein bissel in die schwarze Perle mit der 25, Abdallah Gning, verliebt. Was der mit dem Ball macht, hat Hand und Fuß! Oder eigentlich nur Fuß, aber nebenbei mit Köpfchen. Ich glaube nicht, dass ich ihn in der nächsten Saison noch im Teplitzer Trikot spielen sehen werde. In der 30. Minute netzte er zum 0:1 ein und lenkte das bis dahin eher verteilte Spiel in die richtige Richtung. Ich hab die Entstehung nur halb verfolgt, da ich gerade mit dem smartphone und Heidenheim beschäftigt war. Das hat es früher nicht gegeben, als es noch keine smartphones gab...
Was mir beim 25er besonders gefällt: er läuft mit Ball am Fuß schneller als der Gegenspieler und findet dann immer noch den richtigen Moment fürs Abspiel (das unterscheidet ihn zB von Conteh bei Dynamo Dresden). Dreimal setzte er gestern einen Mitspieler nahezu perfekt in Szene - allein der "Scorerpunkt" blieb ihm versagt, weil seine Kollegen aus aussichtsreichen Positionen nicht ins Tor trafen.
Das 0:2 war allein das wenige Eintrittsgeld von 100 Kronen wert - so spielt man den (nahezu) perfekten Konter! Allerdings diesmal ohne Mitwirkung von Gning. Dieser lief dann etwas später frei auf den Keeper zu und schlenzte den Ball an ihm vorbei - doch der sprang vom Pfosten zurück und den Nachschuss hämmerte ein Mannschaftskollege an die Latte. Schon zuvor traf Teplice einmal den Pfosten. Später auch noch der Gastgeber, aber zu diesem Zeitpunkt des Spiels wäre ein 1:2 aus deren Sicht schon ein schmeichelhaftes Resultat gewesen. Es hätte am Ende durchaus 1:4 oder 1:5 stehen können, blieb aber beim hochverdienten 0:2.
Natürlich muss man berücksichtigen, dass hier beiderseits nicht mehr mit vollem Einsatz verteidigt wurde. Es gab keine einzige gelbe Karte im Spiel, wenn ich nichts übersehen habe. Aber die Art, wie Teplitz gestern phasenweise Fußball spielte, hat mir einfach gefallen!
Wenn ich Tschechisch verstehen würde, hätte ich einige Schimpfwörter von den Gablonzer Rentnern lernen können - aber trotz einiger Unmutsbekundungen wussten auch die, dass es das letzte Spiel war und es um nicht mehr viel ging. Nachdem man sich in den letzten Jahren mehrmals für Europa qualifizieren konnte, spielte man in dieser Saison von Anbeginn gegen den Abstieg - und wird am Ende froh sein, die Relegation vermieden zu haben.
Teplice zog damit noch an Jablonec vorbei und beendete die Saison als 12. Das Auftreten seit dem Trainerwechsel im März lässt auf Fortschritte in der kommenden Saison hoffen! "Abstiegsrunde" sollte eigentlich weder in Teplitz noch in Gablonz der Anspruch sein...
Ansonsten?
Meister Sparta
Pokalsieger Slavia
Direktabsteiger Brünn
Direktaufsteiger Karvina
Nach dem Spiel dann mit einigen Bekannten zurückgefahren, die teilweise schon in Vratislavice "hoppen" waren und das Spiel im Gästeblock verfolgten. So war ich gegen 23:30 Uhr wieder daheim und konnte den Tag persönlich als "vollen Erfolg" verbuchen. Ich denke mal, ich werde nächste Saison wieder öfter "rüberfahren".