"Urlaubstage sind möglichst zusammenhängend zu nehmen“ steht es schwarz auf weiß in meinem Arbeitsvertrag. Von dieser Art der Urlaubsplanung nehmen viele meiner Kollegen Gebrauch, um mit ihren Ehefrauen oder Freundinnen ein paar schöne Tage zu verbringen. Ich für meinen Teil habe keine Ehefrau, ich habe eine Geliebte. Das Problematische ist, dass sie die Hosen in unserer Liaison anhat, sie ist sehr unflexibel und ich muss springen, wenn sie Zeit hat. Meine Geliebte heißt Babelsberg 03 und hatte sich ausgerechnet den Mittwoch um 15h in Kiel ausgesucht, um mit mir ein Date zu haben. Also fragte ich meinen Chef und hatte Glück, dass er ein Herz für die Liebe hat, schließlich ist ein trauriger Mitarbeiter mit Liebeskummer und Sehnsucht nach seiner „Traumfrau“ ein schlechter Mitarbeiter.
Pünktlich um 10:30 ging es im Thalia-Express, dessen Besatzung sich diesmal u.a. aus Rotationsprinziplern, Munkern, und Stehplätzlern zusammensetzte, auf den Weg nach Norden. Zum diesmaligen Repertoire gehörte ein neues Fussballquizbuch, beste Unterhaltung für die knapp 360 Kilometer. Nachdem Frohni und meine Wenigkeit dank des enormen Ballastwissens auch Fragen alá „Welcher Fifapräsident war Olypiateilnehmer im Wasserball?“ nahezu korrekt beantworteten und somit dem Vizeherbstmeister und Ihrer Vielleibigkeit zwei Stadionpilse aus den verfetteten Rippen geleiert hatten, waren wir auch schon in Kiel angekommen. Ca. 100 Babelsberger hatten sich neben unserer illustren Autobesatzung im Norden eingefunden, um bei kaltem Wetter das Spitzenspiel Zweiter gegen Erster zu sehen.
Zehn Minuten nach 15 Uhr pfiff Schiri Meyer vor achtbaren 3.358 Zuschauern in sein Arbeitsgerät – es ging los. Kiel begann besser und hatte schon nach vier Minuten die erste Gelegenheit um die Tabellenspitze zu erobern, Jan Hoffmann scheitert jedoch am bisher besten Nulldreier der Saison, Marian Unger. Auch in der Folgezeit Kiel die bessere Mannschaft, aber die Babelsberger Defensive stand gut und klärte, wenn es was zu klären gab. Torchancen waren auf beiden Seiten in der Folgezeit Mangelware, beide Mannschaften wollten sich keinen Fehler erlauben.
In der 31. Minute dann fast die Führung für die Kieler: Großöhmichen zieht aus 25 Metern ab, Unger lässt vor die Füße von Wulff abprallen, doch Schiri Meyer entscheidet zu recht auf Abseits. Kurz darauf die erste Gelegenheit für die Filmstädter: Ergidi passt auf Hartwig, dieser trifft das Leder jedoch nicht richtig und Frech kann locker klären (33.). Kiel kurz darauf mit einem Eckenstakkato, eine davon verpassen Wulff und Boy sehr knapp (37.). Sechzig Sekunden später Babelsberg mit der letzten Gästemöglichkeit vor der Pause – Ergidi flankt auf Hartwig, doch Kiels Frech kommt aus dem Kasten und hat den Ball vor unserem Zehner.
Zur zweiten Hälfte kam Patti für Jimmy und Nulldrei wurde besser und besser, während sich Kiel zurückfallen ließ, richtige Torchancen gab es auf beiden Seiten weiterhin nicht. Raketen-Müller probiert es in der 68. mit einem Volleyschuss, doch wieder kann Frech souverän den Kasten sauber halten. Nulldrei hatte in der zweiten Hälfte deutlich mehr vom Spiel, schaffte es aber wie Kiel nicht, entscheidende offensive Akzente zu setzen. So blieb es bei viel Mittelfeldgeplänkel ohne spannende Strafraumszenen – eigentlich typisch und kaum anders zu erwarten gewesen. Langsam wurde es dunkel und das Flutlicht im Stadion erhellte das Rund nicht wirklich, daher war die Anstoßzeit von 15h schon gerechtfertigt. Pünktlich pfiff Schiri Meyer ab und nachdem die Mannschaft gefeiert wurde, ging es mit eiskalten Füßen zurück in den Express des Vertrauens.
Auf der Rückfahrt gabs noch ein wenig Quizrodeo, gute Musik, ne Riesenbockwurst für 1,75 Euro und einen stolpernden Vizeherbstmeister, der sich ein leckeres Geruchskonglomerat aus Truckerurin und Autobahnmüll in die Buxen zog.
Um 21 Uhr erreichten wir wieder die schönste Stadt zwischen Berlin und Werder, ich war in Gedanken schon wieder bei meiner Geliebten, die mich das nächste Mal in Rostock sehen will. Dafür muss ich diesmal nicht mal Urlaub nehmen und ich freue mich jetzt schon auf sie, vielleicht wird das Date dort ja noch ein bisschen schöner…so mit Küssen oder zumindest ner kleinen Fummelei. Danke Nulldrei.
Holstein: Frech - Hummel, Boy, Schyrba - Großöhmichen, Rohwer - Lartey, Nouri (87. Nouri), Jürgensen - Wulff, Hoffmann (79. Siedschlag)
Babelsberg: Unger - Weidlich, Laars, Surma, R. Müller - Civa - Hartwig, (46. Moritz) Prochnow, Ergirdi - C. Lange (85. Lange), Frahn (89. Kutschke)
Tore: Fehlanzeige
Gelb: - , Weidlich, Prochnow
Nulldreier: 100
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