"... Das heißt also, wenn der Hapoel-Fan einfach stehengeblieben wäre, dann hätte man ihm außer bepöbeln nichts getan? ..."
Wer sagt denn sowas? :naja:
"... Waren ja nur gewaltbereit und gewalttätig ..."
Sie waren zuerst 'nur' gewaltbereit. Konkrete Gewalttätigkeiten wurden, wenn man den Pressemitteilungen Glauben schenkt, erst nach dem Einschreiten des Polizisten und den Einsatz seiner Gasgranate ausgeübt. Dieser Unterschied ist für den Fall des Schusswaffengebrauchs mit Todesfolge daher von Bedeutung, da man in der Regel ein Vorhaben (also die Bereitschaft) anders zu beurteilen hat, als die direkte Ausübung (die Tätlichkeit). Wenn ich zum Beispiel auf der Autobahn Gas gebe und vorhabe schneller als erlaubt zu fahren, aber noch rechtzeitig wieder abremse da ich eine Radarfalle bemerke, kann man mich nicht wegen Geschwindigkeitsüberschreitung belangen.
Einen ähnlichen Effekt wie die von mir angeführte Radarfalle hätte übrigends ein ordentlich vorbereiteter Polizeieinsatz rund um das Spiel in Paris gehabt. Wären z.B. anstatt einem Einzigen, mehrere Beamte vor Ort, wäre die Sache sicherlich leichter 'auszubremsen' gewesen. Es müssen keine (unnützen) Hundertschaften wie in Deutschland sein. Einige gut geschulte Beamte, die sich auch ohne Schusswaffengebaruch durchsetzen können und vor allem die Lage richtig einzuordnen wissen. Siehe Grossbritannien: da stehen auch nur kleinere Gruppen von Beamten um die Stadien rum und die Fans dort sind mit Sicherheit nicht weniger aggressiv als die PSG-Leute, aber davon das die dort in 'Notwehr' Fussballfans erschiessen müssen habe ich noch nie gehört. Knallen tut's da auch oft genug aber dort haben 10 Mann desöfteren 100 Thugs voll im Griff.
"... Bedenke bitte auch, welche Situation der Polizist vorgefunden haben muss ..."
Da hätte der Polizist mal dran denken sollen als er seine Berufswahl traf und dann alleine in den Einsatz gezogen ist! Wenn ich 'n Bulle wär würde ich meinem Einsatzleiter schon was erzählen, wenn der mich in so'ner Gegend alleine losschickt ... da muss es doch zwangsläufig zu ausweglosen Situationen kommen, oder gibt es Rivalitäten unter Fussballfans, gegen die ich als einsamer Beamter dann vorzugehen habe, erst seit gestern?!
"... Schließlich bietest auch Du keinen Lösungsansatz für das Problem ..."
Ach so, und deswegen darf man keine Meinung haben? Dann müssten die Bullen ja schon seit Jahrzehnten die Schnauze halten, denn die haben doch auch 'keine Lösung für das Problem' (es sei denn man erkennt Todesschüsse als Lösung an ...)
Das Problem in diesem konkreten Fall begann in dem Moment als man trotz besseren Wissens einen einzelnen Beamten in den Dienst schickte. Der Beamte hätte sich aber meiner Meinung nach auch mit gezielten Schüssen in die Beine retten können. (Das ist jetzt nur eine Vermutung, aber die Wahrschenlichkeit ist sehr hoch)
"... Jedenfalls kann die Lösung wohl kaum darin liegen, dass sich die Polizei bei 150 gewaltbereiten "Fans" gegenüber 1 Person nicht einmischt ..."
Sagt doch niemand, aber die Polizei sollte so geschult sein das sie die Fanszenen und deren Verhalten richtig einschätzen kann und dann an den richtigen Orten Präsenz zeigt. Was nutzt es wenn die eine nur ungenügende Anzahl Bullen dahinschicken wo's brenzlig werden kann und der (unnütze) Rest der Truppe kühlt sein Mütchen erst mal an 'ner Horde harmloser Kutten, während in den Nebenstrassen die Fans der Gegner gejagt werden? Aber anstatt sich mit der Komplexität der Fussballfanszenen zu beschäftigen und sich in diese eigene Welt der Fans reinzuversetzen, um zu begreifen wann und wo ein Einsatz wichtig wäre, dafür zeigt niemand Interesse. Da hört man lieber auf das dämliche Geschwätz selbsternannter Fanforscher, faselt was von sozialen Problemen, Rassisten, Nazis und Arbeitslosen um sich dann öffentlich darüber zu empören, obwohl man selber versäumt hat sich auf die Fussballfans und deren eigene Welt einzustellen und uns einfach nie verstehen wird!
BWG Kille