"Ich brauche keine Bankdrücker"
Hans-Jörg Leitzke bleibt bescheiden - trotz der Tatsache, inzwischen sogar im "kicker" als Saison-"Top" gefeiert zu werden. Eines steht aber fest: Mit ihm als Nachfolger des glücklosen Trainers Wolfgang Frank kam der Erfolg zum FC Sachsen Leipzig zurück.
Der FC Sachsen präsentiert seit Wochen ein ganz anderes Gesicht - was haben Sie verändert?
Erst mal ein dickes Kompliment an die Mannschaft, die nach dem Trainerwechsel toll mitgezogen hat. Ansonsten kam mit dem Erfolg ganz klar das Selbstbewusstsein zurück. Und so ist es nun mal beim Fußball: Stimmen die Ergebnisse, wird auch gleich die Stimmung besser.
Aber noch mal die Frage: Was machen Sie anders?
Zum einen habe ich damit begonnen, in der Teamaufstellung zu variieren. Beispielsweise auch mal drei Stürmer aufs Feld geschickt, um die Torgefährlichkeit zu erhöhen. Aber ich wiederhole noch einmal: Mit Erfolgen im Rücken lassen sich auf dem Platz viele Dinge wesentlich leichter umsetzen. Andererseits arbeiten wir im Training nun auch wettkampforientierter - da unterbreche ich bei den Spielen nicht wegen jeder Kleinigkeit.
Muss man sich in der vierten Liga von der Vorstellung verabschieden, mit einem klaren taktischen System wie dem 4-4-2 zu agieren?
Durchaus. Da muss man sich viel variabler auf Mannschaften einstellen, die sich mit Mann und Maus hinten reinstellen. Aber wir haben auch schon unter Wolfgang Frank versucht, taktisch variabler zu sein, um die Torgefahr aus allen Mannschaftsteilen zu verbessern.
Gerade bei den Fans wurde die Tatsache, dass nun ein echtes "Chemie-Idol" auf der Bank sitzt, mit wahrer Euphorie aufgenommen ...
... es ist doch ganz klar, dass die Fans hinter einem stehen, wenn man aus den eigenen Reihen kommt, aber es gab eben auch etliche Skeptiker. Ich hoffe, dass sich nun ein gesundes Verhältnis entwickelt - ich mag die Extreme nicht, wenn man nach Siegen in den Himmel gehoben und nach Niederlagen in die Hölle verdammt wird. Denn wir werden auch unter meiner Regie Spiele verlieren.
Mut dürfte da aber die positive Publikumsreaktion nach der 0:1-Niederlage gegen Magdeburg machen.
Auf jeden Fall. Mein Motto ist klar: Man kann Spiele verlieren, es ist immer die Frage, wie man sie verliert. Eines muss man deutlich unterstreichen: In dieser jungen Truppe steckt ganz viel Potenzial, aber vor Rückschlägen ist man bei dieser Aufbauarbeit nicht gefeit. Und in diesen schwierigen Zeiten wird sich zeigen, ob es bei allen Beteiligten den unbedingten Willen zum Zusammenhalt gibt.
Rein personell wird es in der Winterpause sicherlich Veränderungen geben - Frank Gerster ist auf dem Sprung, auch Andreas Schwesinger hat Abwanderungsgedanken.
Mit Frank Gerster habe ich in dieser Woche gesprochen, da sind nur noch die Wechselmodalitäten zu klären. Wenn ein Spieler nicht mehr richtig will, dann kann ich ihn auch nicht gebrauchen. Ich lege ihm keine Steine in den Weg. Dies ist auch bei Andreas Schwesinger der Fall - er hat nicht so richtig in die Mannschaft hinein gefunden und wenn er den Kopf nicht frei hat, ist es besser, anderswo neu anzufangen.
Sieht man sich nun nach neuen Spielern um?
Sicherlich könnten wir generell in der Offensive eine Verstärkung gebrauchen. Aber ich bin strikt dagegen, einen Spieler um des Spielers willen zu holen. Ich brauche keinen Bankdrücker, den ich erst mal ein halbes Jahr wieder aufpäppeln muss. Ich brauche Leistungsträger, einen für die ersten Elf und keine Nummer 15 oder 16 - die haben wir selbst.
Gibt es da schon konkrete Verhandlungen?
Namen werde ich erst nennen, wenn etwas unter Dach und Fach ist. Nur so viel: Es muss ein Stammspieler aus einer guten Oberliga- oder Regionalligatruppe sein. Ansonsten habe ich ein weiteres Problem: Gerade entsteht in unserer Mannschaft eine echte Hierarchie, die nichts mit dem Namen, sondern mit den Leistungen auf dem Platz zu tun hat. Ich wäre komplett irre, wenn ich mit einer unbedachten Neuverpflichtung zerstören würde, was da gerade neu zusammenwächst!
Der Auftakt in die Hallensaison verlief für den FCS nicht gerade erfreulich ...
Diese Sache mit Benjamin Boltze ist wirklich unglücklich. Was das Abschneiden in Riesa angeht, bin ich nicht ganz so kritisch. Solange wir nicht mit -zig Toren abgeschlachtet werden, sehe ich es eher locker. Hallenturniere haben ihre eigenen Gesetze, da hängt eine Menge vom ersten Spiel ab. Ansonsten steht für mich am 28. Januar im ODDSET-Pokal gegen Eilenburg das erste Pflichtspiel auf dem Programm. Da nützt es mich nichts, alle möglichen Hallenturniere gewonnen zu haben und da verpassen wir das Weiterkommen.