Hier mal interessante Ausführungen von Rene Müller gefunden auf den Seiten des HFC:
22.01.05 – René Müller beim "Stammstisch der Leutzscher Welle"
Wie angekündigt fand am heutigen Vormittag im Leipziger Lindner Hotel ein Fußball-Stammtisch statt, der vom Internet-Radio des FC Sachsen „Leutzscher Welle“ live übertragen wurde. Teilnehmer waren René Müller (Cheftrainer des HFC), Steffen Tänzer (Schatzmeister des FC Eilenburg), Heinz-Joachim Jungnickel (Sportdirektor FC Sachsen) sowie René Twardzik (Stammtorwart des FC Sachsen, derzeit verletzt). Die Gesprächsrunde moderierte Lutz Walter von der „Leutzscher Welle.“
Im Folgenden seien einige Gedanken unseres Cheftrainers wiedergegeben. Diese Darlegungen sind, wenn nicht durch Anführungszeichen gekennzeichnet, keine wörtlichen Zitate, sondern die sinngemäße Zusammenfassung einiger Äußerungen René Müllers, die dem Autor wesentlich erschienen und die er subjektiv so wahrgenommen hat. Aus Platz- und Zeitgründen wird auf die Wiedergabe der Statements der anderen Gesprächsteilnehmer verzichtet. Ernsthaft konträre Meinungen wurden nicht vorgetragen.
Das Gespräch dauerte etwa 1,5 Stunden und verlief in ruhiger, betont sachlicher Atmosphäre. Rene Mülle hatte sicherlich mit Abstand die größte Redezeit und nutzte diese auch, um die Sicht eines Trainers darzulegen, der diese Liga in- und auswendig kennt, aber auch Regional- und Zweitligaerfahrung besitzt.
Zunächst beschrieb René Müller seine persönliche Situation beim HFC. Er legte dar, dass er erst sehr spät in der Saisonvorbereitung zum HFC gestoßen ist, als der Spielerkader bereits fest stand. Der HFC habe derzeit nicht das Potential, um an den Aufstieg denken zu können. Er habe in Halle unterschrieben, um die Chance zu bekommen, in dieser Saison „eine Mannschaft aufzubauen, die nächstes Jahr vielleicht mal das Wort Aufstieg in den Mund nehmen kann.“ Die Nachwuchsarbeit des HFC wurde seit Jahren zu stiefmütterlich behandelt. Die A-Junioren spielen nicht mal Regionalliga. Deshalb ist die eigentliche "Ausbildungsmannschaft" für die Oberliga zur Zeit die "Zweite" – man braucht aber einen durchgängigen Kader von der A-Jugend bis zur Oberliga, wenn man vorn wirklich mitmischen will. Davon sind wir sehr weit entfernt.
René Müller versuchte auch darzulegen, wie die Sache so aus der Sicht der Spieler aussieht, denn die haben nur wenige Jahre Zeit, eine Fußballerkarriere aufzubauen. Mit 16 haben die schon einen Spielerberater und müssen es praktisch mit 23 halbwegs geschafft haben, „denn sonst wird’s nix mehr mit den Bayern. Die nehmen nämlich nur Spieler, die schon ein paar Jahre durch das "Stahlbad" der Bundesliga gegangen sind.“ Übertragen auf unsere Bedingungen bedeutet das, daß es eben nicht reicht, Spieler zu verpflichten, weil sie jemand empfohlen hat, der meint, daß sie 3 vernünftige Spiele in der Oberliga gezeigt haben. Führungsspieler müssen von vornherein vom Typ her zum Verein passen und dann mit allen Konsequenzen an den Verein gebunden werden - die Familie eingeschlossen. Nur so kann man Leute heranziehen, die für den Verein unter allen Bedingungen „die Knochen hinhalten und junge Spieler mitziehen.“ Solche Spieler sind aber schwer zu bekommen und ... kosten Geld!
Das Dilemma dieser Liga, daß auch die Sachsen betrifft: In den Vereinen knapp hinter den "großen" Sachsen, FCM und HFC wird kein vergleichbarer Ausbildungsaufwand betrieben. Diese Vereine leben davon, ein Mannschaftsgerüst aus Ex-Spielern der "Großen" zu haben. Für die Ex-Vereine reicht es nicht (mehr), aber weit weg sind sie auch nicht. Und wenn es dann gegen die "großen" Ex-Vereine geht, platzen die vor Motivation und rufen 200% Leistung ab - das schaffen die aber nur gegen diese Gegner. Die Sachsen und der HFC haben das in den letzten Jahren öfter in Grimma bzw. Eilenburg erfahren müssen.
Der HFC gehört in diesem Jahr also nicht zu den Aufstiegsaspiranten, sehr wohl aber noch der FC Sachsen – trotz seines 5-Punkte-Rückstandes auf den FCM. „Wenn Magdeburg im ersten Spiel der Rückrunde gegen Plauen patzt, dann werden die Karten neu gemischt.“
Wenn man tatsächlich aufsteigen will, muß man eine Mannschaft aufbauen, die in der Regionalliga sehr schnell im oberen Drittel mitspielen kann. Schafft man dieses nicht, stürzt man mit einem riesigen Schuldenberg gleich wieder in die Oberliga ab, so daß es einem ergeht, wie "dem Verein, den ich hier nicht nennen darf."
Die Ökonomische Situation in den Gebieten dieser Oberliga ist so schwierig, daß eine Region mit Ambitionen zum Profifußball, wie das Vogtland oder Leipzig, sich nur jeweils eine Oberligamannschaft leisten kann. Ansonsten hat man "immer nur das halbe Geld". Er erläuterte das am Beispiel Plauen / Auerbach: So lange die das nicht klären können, steigt Plauen nicht auf. In Leipzig wäre diese Sache ja nun geklärt.