Rettung oder Gesichtsverlust?
Magdeburg/MZ. Fußball-Magdeburg steht Kopf. Der 1. FCM ist Objekt der Begierde eines Großinvestors. Der spanische Sport-Vermarkter Asap, der angeblich auch geschäftliche Beziehungen zu Vereinen wie Real Madrid und Juventus Turin unterhält, will in den kommenden fünf Jahren 30 Millionen Euro in den Klub pumpen. 200 000 Euro sollen sofort fließen. Zudem sind auch noch einige spanische Spieler als Verstärkung für die Rückrunde im Gespräch. Die kolportierte Gegenleistung: Asap will einen Posten im Präsidium, einen im Aufsichtsrat und einen im sportlichen Bereich. Dazu soll Magdeburg zu einem festgelegten Prozentsatz Einnahmen aus der Vermarktung an das Unternehmen abtreten.
Die Spanier kommen also nicht als Samariter, sondern als Investoren, die sich Rendite versprechen. In der Regionalliga ist das nicht möglich. Der FCM soll mit den Millionen in die zweite Bundesliga gehievt werden. Asap-Repräsentant Mario Reig Leffler wird mit folgenden Worten zitiert: "Unser Plan ist, schnell beginnen zu können. Wir wollen einen starken Hauptsponsor und Spieler mitbringen. Das halbe Jahr in dieser Nichtabstiegs-Saison wollen wir nutzen, um eine Aufstiegsmannschaft zu formen." Und Leffler schwärmt: "In Spanien gibt es Erstligisten, die nicht solche Möglichkeiten wie Stadion, Trainingsgelände und Infrastruktur haben." Sein Vergleich: "Villareal hat Champions League gespielt, hat aber nur 37 000 Einwohner."
Die Vereinsführung scheint der Offerte zugeneigt. Peter Fechner, der Präsident, sagte der "Volksstimme", man habe bereits "den Spaniern alle relevanten Unterlagen übermittelt". Knackpunkt: "Von der anderen Seite haben wir absolut noch nichts in der Hand." Dennoch: "Wenn das Angebot nicht seriös wäre, hätten wir uns damit nicht so intensiv beschäftigt", so Pressesprecher Stephan Lietzow. Er präzisierte auch den Zeitplan: "Ich gehe davon aus, dass wir Ende des Monats Klarheit haben, ob ein Vertrag zustande kommt."
Doch auch wenn bislang nichts in trockenen Tüchern ist, schlagen die Wellen hoch - vor allem in den Fan-Foren. Man verkaufe die Seele, verliere das Gesicht. In dieser Abhängigkeit sei, wenn die Spanier die Lust verlieren, die nächste Insolvenz programmiert, meinen die Kritiker. "Seriös ist es nicht, dass der Investor einen Platz im Aufsichtsrat verlangt. Wenn einer schon so anfängt, kann das nicht gut enden", so "Aerolith".
Die Befürworter dagegen sehen nach vielen dürftigen Jahren endlich eine Chance, und zwar die einzige für den Klub, endlich einmal im Profifußball anzukommen. "Wir sollten alle Daumen drücken, dass aus dem spanisch-schweizer Investitionsangebot auch tatsächlich ein Vertrag wird. Anderenfalls geht die Fahrt weiter in die entgegengesetzte Richtung", meint "Schächtel".
In Halle, beim Halleschen FC, wird das Geschehen nüchtern verfolgt. "Einmal über Magdeburg hinaus: Der deutsche Fußball gilt als wirtschaftlich vorbildlich und ist interessant", sagt HFC-Präsident Michael Schädlich. "Investoren versuchen über Liga vier, weil sie dort den Fuß in die Tür kriegen, in den bezahlten Fußball zu kommen."
Schädlichs Fazit aber klingt dann doch arg reserviert: "Der Klub ist also Mittel zum Ziel, Geld zu verdienen und Spieler unterzubringen, nicht das Ziel selbst." Es gehe darum, wie viel "Freiheitsgrade" sich ein Klub abkaufen ließe. Man müsse wissen, dass man benutzt werde. Wenn man bei diesem Wissen immer noch ein gutes Gefühl habe, dann solle man den Weg gehen. Welches Konzept und wie viel Seriosität hinter dem Angebot an die Magdeburger steht, könne er nicht einschätzen.
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Asap
Spanische Firma
Halle (Saale)/MZ. Die Asap-Gruppe ist ein Unternehmen mit Sitz in Madrid und Miami. Das Unternehmen gibt auf seiner Homepage drei Geschäftsbereiche an: Sport, Medien und Beratung. Die Sport-Säule hat demnach die Schwerpunkte, internationale Veranstaltungen zu organisieren und Profi-Sportler zu vermarkten. Referenzen werden kaum erwähnt, einzig die Organisation des hochklassig besetzten Fußball-Turnier "Peace Cup" im Jahr 2009, von Boxveranstaltungen in Spanien, sowie die Vermarktung der eher unbekannten Rennfahrerin Carmen Jorda.
Asap trat in Deutschland bislang kaum in Erscheinung. Zuletzt wurde 1860 München mit den Spaniern in Verbindung gebracht.
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