Auch wenn das jetzt schon der dritte Spielbericht ist, ich ziehe meinen auch noch durch...
Das Spiel
Es gibt Spiele, bei denen ist die Anzahl der Torschüsse doch kein Ausdruck für die Überlegenheit eines Teams. Der FC Schönberg hat dafür ein weiteres Beispiel geboten, fehlte es den Kickern aus dem Norden doch einfach an der notwendigen Präzision und an dem Durchsetzungsvermögen gegen eine felsenfeste Leipziger Abwehr. Der auf die ganz wichtigen Tore spezialisierte Ronny Kujat sollte schließlich den Weg für den so wichtigen Auswärtssieg bahnen: mit einem Flugkopfball nach einer Flanke des superstarken Tom Geißler besorgte er den ersten Treffer. Etwas gegen das Nervenflattern im Rückspiel konnte Heiko Cramer vier Minuten vor dem Schluss beitragen, indem er unbedrängt fünf Meter vor dem Tor einschießen konnte. Warum Schiedsrichter Marks nach einem rüden Foul an Rietschel durch den Schönberger Torwart Schmidtke nicht auf den Punkt gezeigt hat, wird wohl alle gut postierten Zuschauer im Stadion verwundert haben.
Der Jubel der Leutzscher Fans nach dem Abpfiff fiel nach meinem Geschmack etwas zu euphorisch aus. Auch wenn eine Heimniederlage im Alfred Kunze Sportpark so selten ist wie eine komplett zugefrorene Ostsee, so ist Fussball doch nur so genial, weil der FC Schönberg am Sonntag doch noch die Überraschung schaffen kann. Dass sich Jürgen Raab und seine Mannschaft von soviel Aufstiegstrunkenheit nicht irritieren lassen, ist wohl im Rückspiel der größte Trumpf.
Die Fans
Die Anhänger des mecklenburgischen FCS hatten zu Beginn des Spiels ein großes Spruchband mit der Aufforderung doch bitte zu kämpfen und aufzusteigen zu bieten. Im Verlauf des Spiels meldete sich eine Gruppe von 40 Schönbergern auch mit Sprechchören zu Wort, alle anderen Zuschauer munterten die Heimmannschaft mit gelegentlichem Klatschen auf. Den Leutzscher Kickern blieb das Gefühl eines Auswärtsspieles wie schon in der Endphase der Punktspielsaison weiterhin erspart. Die aus Leutzsch und dem restlichen Deutschland angereisten Chemiker verwandelten die Gästeblöcke in ein wahres akustisches Feuerwerk. Auch wenn der „Hofer Maßstab“ nicht ganz erreicht werden konnte, hat es zu einem akustischen Übergewicht gereicht. Den Test, ob Chemiker in der Lage sind auch bei schlechtem sportlichen Verlauf fröhlich zu singen, hat die Mannschaft mit 13 Siegen in Folge schlicht unterbunden.
Das Umfeld
Es gibt in Deutschland wohl kein Stadion wie das Schönberger Jahnstadion, dass so flexibel auf wechselhaften Zuschauerzuspruch eingerichtet werden kann. Mit Hilfe von mobilen Tribünen variierte die Kapazität zwischen 3.000 und 16.000 Zuschauern. Das erste Relegationsspiel konnte schließlich von der „festen“ Haupttribüne und drei Zusatztribünen beobachtet werden. Wobei die Stahlrohrtribünen unter Torjubel sehr gut den höchsten Seegang der nahegelegenen Ostsee simulieren können. Zumindestens für den Geschmack eines Thüringer Bergmenschens. Die Veranstalter haben sich als sehr gut vorbereitet und die Schönberger als sehr gastfreundlich erwiesen. Die Verteilung eines kostenlosen Programmheftes ist in Deutschland wohl schlicht einmalig. Genauso selten wie sinnvoll ist die optimierte Getränkeverteilung mit fliegenden Händlern, wenn da nur nicht die alkoholfreien Getränke ausgegangen wären.
Die Statistik
Tore: 0:1 Kujat (19.)
0:2 Cramer (86.)
Zuschauer: 4.827 (ca. 3.000 aus Leutzsch)
Fragen zur innerlichen Verarbeitung (an die Schönberg-Insider)
Was bedeutet eigentlich der Titel des Programmheftes „Maurine-Kicker“? Muss man mecklenburgische Mundart beherrschen um das zu verstehen? Gibt es außerdem eine mecklenburgische Firma, die nicht im Stadionheft oder auf der Eintrittskarte inseriert?
Und warum hat Schönberg als Heimmannschaft in orangenen Trikots gespielt? Schiedsrichterwunsch oder Aberglaube?