Start mit angezogener Handbremse?
Die Winterpause war vorbei, doch der Winter lief noch einmal zu Hochtouren auf. Bei gefühlten sibirischen Temperaturen betraten wir mit den ca. 230 mitgereisten Babelsbergern das alte Wolfsburger Stadion. Mit einer Riesenportion Hoffnung im Gepäck, den Biran-Hick-Hack längst vergessen, freute man sich diebisch auf die anstehende Partie. Die Stimmung im einzig ansatzweise gut gefüllten Block war prima, die Spiele konnten beginnen.
Vier Neuverpflichtungen sollten Vergangenes vergessen machen und eine schöne Rückrunde mit kompletter Vorbereitung unter Trainer Demuth einläuten. In der Startformation fand man aber nur den alten Haudegen Almedin Civa wieder – egal, Hauptsache, es ging endlich los.
An der Pfeife jedoch gleich ein nicht so gutes Omen, Nicole Schumacher, bei der Frau hatten unsere Mannen in den bisherigen Spielen nicht viel zu Lachen gehabt. Aber auch das war egal. Endlich wieder Fußball…
19 Uhr 30 – pünktlich ging es los. Die Formation war etwas gewöhnungsbedürftig, Roggentin ersetzte Busch, Jonelat rückte für den verletzten Neubert in die Innenverteidigung, Lukac rechts in die Viererkette, Hartwig, Civa, Stiefel und Ahmetcik bildeten das Mittelfeld, Ben-Hatira als einzige Spitze und Captain Moritz spielte irgendwo dazwischen, scheinbar mit allen Freiheiten ausgestattet.
Erste Babelsberger Situation in Minute vier, Patrick setzt sich auf der linken Seite durch und spielt einen Pass wunderbar gen Elfmeterpunkt. Leider ein, zwei Zentimeter zu steil für Ben-Hatiras Fuß, sodass dessen Mitnahme zu weit verspringt und er seinen eigenen Ball nicht mehr erreicht. Ohne Erfolg, aber man merkte, dass alle Spieler toppfit und von Beginn an bei der Sache waren. Wölfe sah man zum ersten Mal nach 10 Minuten in unserem Strafraum, gefährlich sahen selbige aber nicht aus. Es folgten zwei Ecken von Babelsberg, getreten durch Linksfuß Ahmetcik von rechts. Die Zweite hatte es in sich. Genau auf Jonelats Kopf und von dem… einige Torschreie waren schon zu hören, ging der Ball knapp über die Latte. Verdammt. Wolfsburg zeigte sich jetzt ein wenig verunsichert und spielte mehrfach hintenrum über den eigenen Torwart. Nulldrei ging früh drauf, zählbares war nicht dabei. Ein erstes Achtungszeichen setzte Kreuels für die Wolfsamateure in der 15. Minute. Aus 30 Metern hämmerte er einen zentralen Freistoß drauf. Roggentin musste beide Fäuste zur Hilfe nehmen, um dem Ball Herr zu werden. Letztendlich zu unplatziert. Aus dem Spiel heraus die nächste Szene. Nulldrei lässt auf der rechten Seite einen Wolfsburger bis zur Grundlinie durchlaufen, der passt gen Elfmeterpunkt und sein Kollege glaubt, mit dem Ball noch ein wenig rumtänzeln zu müssen. Gut für die Babelsberger Abwehr, die diese Aufforderung, wenn auch zögerlich, annahm und sich erbarmte, ihm das Spielgerät wegzunehmen. Puh, aus etwa 100 m Entfernung sah es jedenfalls gefährlich aus. In Gegenrichtung nutzte Jimmy Hartwig einen Abpraller, nimmt den Ball bis zur Strafraumgrenze mit und zieht dann cross ab. Es wurde ein Zwischending aus „hart geschossen“ und „gut platziert“. Von beidem irgendwie nicht genug, aber Aymen wäre beinahe noch in den Schuss reingerutscht. Schade.
Ähnlich wie die Situation zuvor auf Wolfsburger Seite setzte sich diesmal(oder erneut) Wemmer auf der rechten Außenbahn durch, passt auf Laas, der von Laars und Jonelat am Schuss gerade so gehindert wird. Nulldrei in dieser Phase bemüht, aber man merkt in Spiel eins nach der Winterpause, dass noch lange nicht alles wie am Schnürchen läuft. Viele Fehlpässe und wenig Konstruktives im Spielaufbau zeichnen die Partie. Eine der zwar wenigen, aber dafür um so sehenswerteren Ausnahmen in der 26. Minute. Hartwig, der auf Ben-Hatira rausspielen kann, geht mit dem Ball, passt nach innen auf den heraneilenden Stiefel, selbiger sofort weiter nach außen auf Aymen, der mit dem Ball noch ein, zwei Schritte geht und wieder auf Manuel Stiefel, der mittlerweile nur wenige Meter vorm Fünfer angekommen ist, zurückpasst. Von soviel Genialität überrascht fehlte Stiefel im letzten Moment das Schussglück. Er verfehlt den Ball um Haaresbreite. Vom Abschluss her weniger toll, aber genau so stellt man sich Fußball vor. Davon mehr!!!
Erstmal war wieder Wolfsburg am Drücker. Kreuels hämmerte erneut einen Freistoß, diesmal aus 20m, gen Roggentin-Tor. Abgefälscht und Gott sei Dank neben das Tor. Da wäre nichts zu halten gewesen. Die nächste Chance wieder für Wolfsburg nach einer Ecke Babelsbergs. Jonelat, bei Standards mit vorn, geht nicht schnell genug zurück, Wemmer flankt und da die Innenverteidigung offen ist, kann Brechler ungehindert Köpfen. Na, ja – gefährlich ist auch anders. Vorbei!
Danach wieder die Roten. Hartwig setzt Ben-Hatira in Szene, letzterer geht mit dem Ball ein wenig zu weit nach außen, sodass sein krosser Schuss durch einen heraneilenden VW-Amateur geblockt werden kann. Umgedreht die nächste Situation. Ben-Hatira, an der Außenbahn geschickt, flankt wunderbar nach innen, aber Hartwigs Kopfball landet direkt in den Armen des Wolfsburger Schlussmanns.
Einen weiteren Kopfball-Torversuch hatte Hartwig in der 42. Minute, nachdem Ahmetcik einen Freistoß von rechts hereinbringt, zu hoch der Kopfball allerdings für das Wolfsburger Tor. So ging\'s in die Pause.
Wer sich nun auf einen heißen Tee oder ähnliches in Wolfsburg freute, hatte die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Warum auch bei minus 10°C warme Getränke anbieten?
Nach Wiederanpfiff dieselben Protagonisten wie vor der Halbzeitpause vor dem Tor. 52. Minute, Hartwig flankt auf Ben-Hatira, dessen Kopfball nur knapp links am Gehäuse vorbeistreift. 2 Eckbälle folgten, aus denen etwas Herumgestochere und Zufallsschüsse durch Lukac und Hartwig resultierten. Lukac war auch an der nächsten Situation beteiligt, diesmal auf der anderen Seite, in dem er nach einer Chance Kreuels die Situation bereinigen kann. Ein weiterer Kopfball, diesmal von Hansen, kurz darauf für Wolfsburg, stellte keine Gefahr für Roggentin dar.
Babelsberg machte weiter Druck, aber auch die Fehlpässe häuften sich mit zunehmender Spieldauer. Auf beiden Seiten. Als Alme Civa sich in der 63. Minute schön auf der rechten Seite durchsetzt und Lukac bedient, der noch den Strafraum betritt, ist keiner zum Anspiel bereit, bzw. zu viele VW-Amas verhindern ein zielgerichtetes Abspiel.
Im Anschluss die beste Chance der Wolfsburger. Nach einem langen Einwurf zieht der zuvor eingewechselte Rama volley von der Strafraumgrenze ab, doch zu unserem Glück wurde sein Mut nicht belohnt und der Ball schlug neben dem Gehäuse ein. Kurz darauf kassierte Jimmy Hartwig einen Ellenbogencheck(so sah es zumindest aus) und es kam zum Doppelwechsel; Fofie und Dreier für Hartwig und Ben-Hatira.
Nulldrei machte nach wie vor Druck, aber vieles wirkte unkontrolliert. Patrick Moritz, hatte man den Eindruck, konnte sich mit seiner neuen Position noch nicht richtig anfreunden, bis zu Dreier nach vorn kam der Ball fast gar nicht mehr und Fofie fand sich auch noch nicht so recht im Spiel zurecht.
Bei einem Freistoß Stiefels in der 71. Minute kann Dreier den Ball nicht richtig mitnehmen, Chance vertan und langsam sieht man das Ende näher kommen. Wolfsburg in dieser Phase zunehmend härter. Trotz vieler Pfiffe von Frau Schumacher hätte man sich hier so manches Mal ein konsequenteres, farbenfroheres Eingreifen gewünscht.
Punkt 21 Uhr nimmt Rudi allen Mut zusammen und zieht mit seinem vermeintlich Schwächeren von halblinks aus 18m ab. Leider war auch das keine unlösbare Aufgabe für Keeper Deumeland und es heißt weiter 0:0. Direkt nach dem Gegenzug eine Ecke für die Wölfe, getreten durch Kreuels. Kopfballduell gewonnen, ebenso durch einen Wolfsburger, aber Roggentin hebt gleich die Arme – vorbei das Ding.
Dann gibt’s Gelb-Rot für Karow nach „Ball-nicht-rausrücken“, die Wölfe nur noch zu zehnt und Jule kommt für Stiefel. Geht da noch was?
In der 80. Minute ein Freistoß des Captains – leider in die Arme Deumelands.
Moritz schoss auch noch eine Ecke, aber um es gleich zu sagen, es blieb beim null zu null.
Es war wohl ein typisches Spiel direkt nach der Winterpause. Nicht Fisch, nicht Fleisch! Viel übersteigerte Hoffnungen auf den Seiten der Fans, in die jetzt wieder ein bisschen mehr Realität eingekehrt ist. Da geht auf jeden Fall noch mehr, andererseits ist Braunschweig auch ein anderes Kaliber. Aber nach dem Hinspiel schlottern den Braunschweigern eh noch die Knie und für die wird es deren Auftakt nach der Winterpause.
Ich freue mich jetzt schon drauf!
SV Babelsberg 03: Roggentin - Lukac, Jonelat, Laars, Rudolph – Hartwig(67. Fofie), Stiefel(77. Prochnow), Civa, Ahmetcik – Moritz - Ben-Hatira(67. Dreier)
VFL Wolfsburg II: Deumeland – Schulze, Kempe, Reiche, Karow, Kreuels, Kullig, Hansen(71. Maek), Brechler, Laas(59. Rama), Wemmer(80. Riemer)
Tore: Fehlanzeige
Gelbe Karten: Karow, Kullig, - Civa, Laars
Gelb-Rot: Karow
Zuschauer: 244 (ca. 230)
Schiedsrichterin: Nicole Schumacher