Köpenick wehrt sich vergebens gegen 0:5-Heimniederlage
Hinter vorgehaltener Hand tuschelten heute auch eingefleischte Fans der Grün-Weißen auf dem Weg nach Köpenick von der Möglichkeit eines ersten Punktverlustes.
Wobei das Spiel in der ersten Halbzeit dann relativ gut angefangen hat: Die Reinickendorfer Füchse zeigten ein technisch höchst ansehnliches Spiel, die roten Schützlinge von Trainer „Dackel" Boer gingen eher rustikal und gradlinig zur Sache. Das dabei gezeigte Spiel begeisterte angesichts seiner Attraktivität die sicherlich mehr als 150 Zuschauer – nur Tore blieben Mangelware.
Das lag einerseits an den guten Abwehrreihen auf beiden Seiten. Und vorne brillierten die Füchse leider mit brotlosen Kabinettstückchen, während die Köpenicker am Sonntag eher ihrer Unfähigkeit zum sicheren Torschuss Tribut zollen mussten.
Der weitgehend sichere Schiedsrichter Mattig konnte also nach einer unauffälligen 1. Halbzeit mit 0:0 zum Pausentee pfeifen.
Halbzeit 2 starteten die Köpenicker mit frischem Elan und zwei neuen Spielern – offensichtlich aber weiterhin mit Ausfallerscheinungen vor dem sicheren Reinickendorfer Torhüter Selcuk Sahin. Und die Füchse drehten auch ohne ihren etatmäßigen Torgaranten Firat Karaduman (er fehlte nach einem Trainingsunfall mit Bänderriß im linken Knöchel > GUTE BESSERUNG) mächtig auf.
Insbesondere der Schachzug von Christian Backs, Patrick Baer als Mittelstürmer aufzustellen, brachte ständig Unruhe in den KSC-Strafraum. Auch Ertan Yatkiner wuchtete seinen athletischen Körper auf der linken Außenbahn in unnachahmlicher Art und Weise nach vorne – er war kaum zu stoppen und brachte eine unglaubliche Kilometerleistung auf den Zähler.
In der 59. Minute hatte dann der Fußballgott ein Einsehen mit den Füchsen und Joan Oumari netzte zur Freude seines heute leider gesperrten Bruders Hassan und der komplett anwesenden Familie zum 0:1 ein. Auf den Rängen hatte man gerade die jetzt möglichen Eventualitäten diskutiert, als Joan Oumari in Spielminute 61. schon wieder jubeln konnte: 0:2!
Irgendwie brachen jetzt bei den Köpenickern alle Dämme, die Abwehr entpuppte sich als Hühnerhaufen und alte Fußball-Kämpen unter den Zuschauern erinnerten sich schon voller Freude an den 0:10-Auswärtssieg der Füchse vor einigen Spieltagen bei Viktoria ...
In Spielminute 69 wurde der unermüdliche Patrick Baer durch seinen Treffer zum 0:3 belohnt und auch Metin ‚Ronaldo’ Hüseyin konnte zeitnah nach seiner Einwechslung einen Torerfolg für sich verbuchen: 0:4 (76.). Den Schlusspunkt setzte dann in der 88. Minute Patrick Huse, der vorher schon als Abwehrchef eine tadellose Leistung gezeigt hatte.
Die Füchse jubelten, die Köpenicker Zuschauer wirkten konsterniert. Auch jene älteren Herren, die bei der Verlesung der Aufstellungen lautstark die türkisch klingenden Namen bei den Füchsen kommentieren mussten. In bemerkenswerter Intoleranz und sicher nicht jener Aktion gewidmet, die der Berliner Fußball Verband als Zeichen gegen Gewalt und Rassismus auf unseren Sportplätzen gestartet hat.
Für Trainer Christian Backs war übrigens nach dem Spiel die Abstiegsgefahr noch nicht gebannt. Er verwies mit Nachdruck auf die noch nicht erreichte Mindestpunktzahl, um zumindest rein rechnerisch dem damit zusammen hängenden Gespenst zu entkommen ...