„Ey Henner, biste schon unterwegs?“, „Japp, steig gerade auf’n Roller!“, „Dann besorg mal noch ‚nen Stecker kleine Klinke auf große Klinke, beide männlich!“, „Tu mein bestes.“.
Ungewöhnlicher Beginn für einen Spielbericht? Bestimmt. War ja auch kein gewöhnlicher Verlauf für ein Auswärtsspiel. Das fing ja schon bei der Dauer der Anfahrt an. Glatte 10 Minuten hätte es gebraucht, wenn nicht der besagte Stecker noch zu besorgen gewesen wäre. Dass dieser dann leider in keinem der drei angesteuerten Fachgeschäfte vorrätig war, ist dann auch der Grund, warum folgend Beschriebenes nicht mehr akustisch nachvollzogen werden kann.
Den Zielpunkt für dieses Auswärtsspiel bildete Widererwarten nicht der JSP, man traf sich alternativ im Saal 2 des schönsten Babelsberger Filmpalastes. Hier wollte man sich finanziell ungeschröpft und abseits von Pöbeleien und Bedrohungen, einer in dieser Form nie da gewesenen Audio-Live-Konferenz untermalt mit farbigen, gerade geknipsten Spielszenen hingeben und gestärkt durch Soli-Bier den Sieg der Blauen genießen.
Vor dem Betreten des Saals musste der Autor dann aber noch dem schon eifrig an der technischen Umsetzung des Ganzen bastelnden Aufsichtsratsmitglied C.L. beichten, dass man bei der Steckerbesorgung versagt hat. Er verzieh mir widerwillig und ich konnte die Backen meines Apfelpos in die weichsten Sitzpolster, die ich bei einem Auswärtsspiel je gespürt habe, versenken.
So lasset die Spiele beginnen.
Lüschi und LePetit waren schon eifrig am kommentieren und schilderten selbst die langweiligsten Ballverluste bildreich und farbenfroh, dass Hartwig, Donkor und der Kapitän nahezu vor dem geistigen Auge auftauchten. Euphorisiert von der Stimmung musste ich mir erstmal einen Kaffee besorgen, um mittels Koffein wieder von dieser Hochstimmung herunter zu kommen. Logisch, dass Mutsche genau in diesen Sekunden meiner Abwesendheit Tomaschewski überlupfte und das 0:1 besorgte. Dies sollte auch, trotz Überlegenheit, der einzige spielerische Höhepunkt der ersten Halbzeit bleiben. So war es nicht weiter verwerflich, wenn man, übrigens nicht als einziger, die Möglichkeit nutzte und den Jungs vom rbb ein Ohr abknabberte mit den ständigen Hinweisen, wie schlecht und langweilig ihre Sportberichte seien. Ich glaube, dass haben die jetzt verstanden. Ob sie es ändern können, wage ich zu bezweifeln.
Halbzeit zwei bot dann doch einiges an erwähnenswerten Momenten. Und so hatten unsere zwei Außenmoderatoren auch deutlich mehr zu tun. Zählbares sprang zwei mal heraus. Zunächst vollendete Littmann nach einer Ecke, Glückwunsch zum ersten Oberligator, dann erzielte Mutsche seine zweite Bude am Tage, nach Doppelpass mit Grubert. Weitere Details sind mir leider nicht mehr im Gedächtnis geblieben, aber das interessiert ja hier auch keinen wirklich. 03 gewinnt 0:3 und ich bekomm 4 Punkte im Tippspiel.
Die Stimmung im Thalia war natürlich super, was auch am 3:1 Sieg der Zwooten lag. Insgesamt eine gelungene Aktion, wofür noch einmal besonderer Dank an diejenigen geht, die das auf die Beine gestellt haben. Man kann hoffen, dass dieses Zeichen richtig verstanden wird, sich diese Aktion nämlich nicht gegen pauschal Alles und Jeden beim BFC richtete, aber als deutlicher Wink gegen die ewig Gestrigen zu sehen ist. Den Unterstützern einer neuen, anti-rechten und auch gastfreundlichen Fankultur beim BFC kann man nur viel Erfolg wünschen.
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Glanzloser Kantersieg
Am Samstag war es dann soweit: Unsere Equipe gastierte beim letzten fälligen Punktspiel der Hinrunde beim BFC Dynamo. Aufgrund von Sicherheitsbestimmungen des NOFV mussten die Hohenschönhausener wieder ihre Heimstätte wechseln, Spielort war also der Jahn-Sport-Park anstelle des Sportforums. Die Ordnungshüter hatten jedoch einen sehr ruhigen Nachmittag, da nahezu die komplette Anhängerschaft der Babelsberger Fanszene (wie angekündigt) das Spiel boykottierte.
Babelsberg begann Anfangs recht spielbestimmend und hatte auch die erste kleine Torchance zu verbuchen. Ben-Hatira testete Keeper Thomaschewski in der 4. Minute mit einem eher harmlosen Schüsschen, welcher sicher pariert wurde. In Minute 9 legte Jeff Kayser den Ball gefährlich in die Mitte ab, allerdings konnte aus der Situation kein Kapital geschlagen werden. Das Spiel plätscherte in der Anfangsphase recht unspektakulär vor sich hin - Babelsberg optisch leicht überlegen und der BFC mit vielen kleinen Fehlern im Spielaufbau.
So etwa nach einer Viertelstunde fanden dann die Hausherren besser ins Spiel, was sich durch kleine Torannäherungsversuche äußerte, die entweder an Keeper Busch oder am Unvermögen der Dynamos scheiterten, den Ball vernünftig auf den Kasten zu lenken. Nach 25 Minuten ging es dann endlich etwas munterer hin und her. Erst gelang es Kapitän Moritz nicht, den Ball nach einer schönen Einzelaktion ins Netz zu setzen, im Gegenzug war es dann wieder Kayser, der den Ball nicht am Babelsberger Schlussmann vorbeibringen konnte.
Zehn Minuten später war es dann das erste Mal soweit. Nachdem Mutschler sehr schön auf links bedient wurde und frei auf das Tor zulief, vollendete er mit einem sehenswerten Lupfer direkt unter die Latte den gelungenen Angriff. Keeper Thomaschewski war dabei chancenlos. 0:1 für die Guten und Ernüchterung beim Berliner Anhang.
Kurz darauf war es widerum Mutschler, der eine Flanke direkt nahm, aber Ball verzog sich und ging über den gegnerischen Kasten. Unmittelbar vorm Halbzeitpfiff setzte es dann noch eine gelbe Karte für Neubert und nach einem Schuss von Kayser, welcher daneben ging war dann auch sehr pünktlich Halbzeit.
Alles in Allem bis dato ein mittelmäßiger Kick. Dynamo war durchaus bemüht mitzuspielen, dies scheiterte aber oftmals an einfachen Dingen wie dem Kurzpassspiel bzw. einer offensichtlichen Abschlussschwäche. Unsere Nulldreier hingegen mussten nicht allzu viel machen und spielten den effizienteren Kick. Hervorheben möchte ich dennoch Jeff Kayser, der in Halbzeit 1 der auffälligste Mann auf dem Feld war.
Vor dem Wiederanpfiff stieg dann eine wein-rot-weiße Luftballon-Chroreo in die Wolken, welche recht hübsch anzusehen war und deswegen auch nicht unbeachtet bleiben soll. Trainer Hodul wechselte indes den unauffälligen Donkor aus, für ihn kam Grubert.
Babelsberg kam nun sichtlich bissiger aus der Kabine und konnte auch die ersten Chancen der zweiten Hälfte für sich verbuchen. Der BFC wurde nach und nach eingeschnürt und nach einer Ecke klingelte es wieder im Kasten von Keeper Thomaschewski. Die Flanke konnte ungehindert den Strafraum passieren und Littmann ließ sich nicht zweimal bitten und beförderte den Ball trocken ins Netz. Somit 0:2 in der 52. Minute. Daraufhin reagierte BFC-Trainer Ingo Rentzsch mit einem Doppelwechsel und brachte für Pocrnic/Jarling dann Lorenz/Jahn.
Das Spiel verflachte nun zusehends, da Babelsberg das Ergebnis clever verwaltete und die Berliner nicht in der Lage waren, druckvoll aufs 03er-Tor zu spielen. In Folge konnte Moritz zwei Freistöße nicht ins Netz bringen und in Minute 66 musste der erst eingewechselte Jahn bereits wieder das Spielfeld verlassen, da er sich bei einem Zusammenprall mit Neubert verletzte. Ihn ersetzte Sebastian Steinich. Viel geboten wurde in der folgenden Viertelstunde auch weiterhin nicht. 10 Minuten vor Abpfiff kam dann D. Arsovic für Ben-Hatira.
In den letzten Minuten sollte dann aber doch noch etwas mehr zu sehen sein. In der 84. Minute gab es nach einem Schuss seitens der Dynamos großes Gewusel im Babelsberger 16-er, welches aber noch durch gepfegtes wegdreschen aufgelöst werden konnte. Im direkten Gegenzug blieb Grubert sein erstes Saisontor verwehrt, nachdem er den Keeper verladen konnte, jedoch nicht den Pfosten. Danach waren die BFCer wieder am Vormarsch, konnten den Ball aber nicht aufs Tor ziehen, sodass er mal wieder vorbeidriftete.
In Minute 88 die Entscheidung: Arsovic legt den Ball ab zu dem heraneilenden Mutschler, welcher recht emotionslos das Leder in die untere linke Ecke verwandelt, 0:3 und damit auch fast der Schlusspunkt einer durchschnittlichen Partie. Trainer Hodul wechselte als letzte nennenswerte Aktion dann Mutschler aus, für ihn durfte noch Marcus Goede sein Oberligadebut geben. Kurz darauf pfiff der unauffällige Schiedsrichter Lämmchen die Partie ab.
Fazit:
Babelsberg war nie so recht gefährdet, glänzte aber lediglich durch clevere Chancenausbeute, wie auch Trainer Rentzsch in der Pressekonferenz anerkennend zugab. Der BFC wird seine Chancenausbeute steigern müssen um in Zukunft wieder Erfolge feiern zu können und dem Tabellenkeller zu entfliehen. Auf den Rängen war es im Großen und Ganzen keineswegs so schlimm, wie bei vergangenen Spielen. Zwar gab es kurzzeitige Störenfriede, welche unschöne Sachen anstimmten, aber diese wurden durch Pfiffe und Ansagen seitens der Beauftragten sehr schnell zur Ruhe gebracht, was ich als sehr angenehm empfunden habe. Wenigstens war nach 5 Minuten das erste Mal "Scheiß Union" zu vernehmen, ist wohl der Tradition geschuldet..
Mein Dank geht hiermit auch an Rainer Lüdtke vom BFC Dynamo, welcher Stadionhefte für uns mitgab (bei mir erhältlich) und eine sehr nette Konversation während der 90 Minuten darstellte.
BFC Dynamo:
Thomaschewski, Lenz, Rudwaleit, Manteufel, Palmer, Benthin, Schmele, Marjanovic, Pocrnic (55. Lorenz), Kayser, Jarling (55. Jahn - 65. Steinich)
SV Babelsberg 03:
Busch, Neumann, Neubert, Laars, Rudolph, Hartwig, Littmann, Moritz, Mutschler (89. Goede), Ben-Hatira (81. D. Arsovic), Donkor-Oppong (46. Grubert)
Tore:
0:1 Mutschler (35.), 0:2 Littmann (52.), 0:3 Mutschler (88.)
Zuschauer:
521 (darunter 20 Babelsberger)
Schiedsrichter:
Matthias Lämmchen (Meuselwitz)
Gelb:
Schmele, Palmer, Manteufel - Neubert
Henner & Rudi