Beiträge von Marc 04

    Hellas und Ottos Heroen
    Tschechiens Avantgarde gefangen im Dispositiv der Griechen - 0:1 unterlegen
    Das Eröffnungsspiel ist auch das Endspiel. Weil die Griechen auf ihrem verblüffenden EM-Kurs blieben und - ausgerechnet - durch ihren hintersten Mann Dellas Sekunden vor Ablauf der ersten Hälfte der Verlängerung das (letzte) entscheidende Silver Goal erzielten, fordern sie nun das Gastgeberteam um den EM-Titel. Die Tschechen waren die bessere und meist überlegene Equipe, fanden aber kein Rezept.


    rei. Porto, 1. Juli


    Vom zweiten Halbfinal in Porto hatten sich fast nur griechische Anhänger Besonderes versprochen. Die Mehrheit neigte zur schweren Skepsis angesichts der hellenisch-deutschen Spiel- und Sicherheits-Interpretation und der erheblichen Gefahr, dass auch die offensiv-risikobereiten Tschechen davon hypnotisiert werden könnten. Genau so kam es. Nicht, dass Karel Brückners Team zu wenig unternahm; es tat es höchstens weniger druckvoll und variantenreich als bisher, weil sich die Stürmer fast nie der engen Bewachung entziehen konnten. Die Griechen hingegen verschafften ihrer antiquierten, aber wirkungsvollen und sicher beherrschten Art des Verteidigens ein weiteres Mal Geltung und zwangen schliesslich auch noch das Glück auf ihre Seite. Sie taten dies auch dank hervorragender Balltechnik und athletischer Qualität. Spielerisch sind sie aber - hoffentlich - nicht zu neuen Ufern unterwegs. Aber sie erreichten den Schlussgang gegen das Gastgeberteam.


    Die aufreizende Geduld, mit der die Griechen verteidigten und den Ball zwischendurch monopolisierten, machte auch den Tschechen schwer zu schaffen. Das Vorgehen entsprach zwar nicht dem Gusto des Publikums, schon gar nicht jenem tschechischer Herkunft, das nur mehr ein paar Hundertschaften zählte, der Mehrheit war offensichtlich das Geld ausgegangen, doch war dies auch nicht bezweckt. Es diente der einzigen Essenz des Spiels: dem Resultat. Schon die ausgelaugten Spieler des Europameisters hatten nie ein Rezept gefunden, diesen Abwehrriegel zu durchbrechen, den Tschechen fiel es trotz ihrer grösseren Frische nicht leichter. Kam hinzu, dass Signor Collina, angeblich die unantastbare Instanz seines Gewerbes, die italienische Herkunft nicht ganz verleugnen konnte. Er entschied verblüffend häufig oder meist gegen die tschechischen Angreifer (Stürmerfouls), was der Moral weder Kollers noch von Baros förderlich war, zumal ihnen die scharfe Manndeckung ohnehin die Spielfreude vergällte. Vor allem Seitaridis, einer der besten Aussenverteidiger der EM und nächste Saison im Dragão zu Hause, kaufte dem Newcomer jeden Schneid ab.


    Allerdings gingen unter diesem Verlauf auch Tschechiens Avantgarde die Einfälle verloren. So wurden aus dem vergleichsweise weniger homogenen Mittelfeld stereotyp weite und hohe Bälle zum «Bestimmungsort» Koller geschlagen, doch in Panik gerieten die kopfballstarken, sauber und präzis intervenierenden hellenischen Hünen in der Defensive darob nicht. Mängel schlichen sich im Gegenteil sporadisch in die selten geprüfte tschechische Verteidigungsreihe ein. Nachdem sie sich doch einmal flach mittels zweier Doppelpässe traumhaft durchkombiniert hatten, brachte der zuletzt von Rosicky angespielte Koller das Kunststück fertig, allein vom Elfmeterpunkt aus das Ziel zu verfehlen (80.). Und weitere drei Minuten danach flog ein Ball des durchgebrochenen Baros ebenso knapp am Pfosten vorbei.


    Im zweiten Halbfinal waren tatsächlich zwei völlig unterschiedliche Auffassungen des Fussballspiels aufeinander geprallt. Hier die aufgrund ihrer stilistischen Besonderheiten atypische Equipe dieses Turniers aus Griechenland, dort das tschechische Team, das mit starken Individualisten fast schon geschaffen ist für Angriffsfussball und deshalb hier die Schönheit repräsentiert. Ähnlichen Sex-Appeal konnte man den Hellenen dagegen nicht bescheiden, dafür traten sie zu nüchtern-deutsch, zu berechnend und deshalb unspektakulär auf. Nicht zuletzt deshalb ist «König Ottos» Auswahl so weit gekommen gegen Konkurrenz aus u. a. Portugal, Spanien und Frankreich. Sie zeichnet sich dadurch aus, dass sie das gegnerische Spiel «lesen» und rechtzeitig blockieren kann, indem sie mit disziplinierter Raumaufteilung bei gleichzeitiger Manndeckung die Couloirs für jeden Gegner verengte. Taktischer Sinn, Solidarität durch kollektive Stärke sowie gedankliche Präsenz machten diese Equipe auch gegen einen der Favoriten stabil.


    Es war nicht etwa so, dass sich die Hellenen eingeigelt hätten in der Startphase in Erwartung starken Offensivdrucks. Auch der Warnschuss Rosickys an die Latte schon nach zweieinhalb Minuten klatschte an ihrem Selbstverständnis ab, jede sich bietende Gelegenheit zum raschen und präzisen Gegenstoss zu nützen. Deshalb entwickelte sich von Beginn weg ein ambitioniertes Geschehen mit den Tschechen in der tonangebenden Rolle. Hatten sie es bisher bewusst oder unbewusst gemächlicher angehen lassen an dieser Endrunde, so wollten sie offenbar rascher ein Zeichen setzen. Dabei übertrieben sie zuweilen das optisch ansehnliche Direktspiel, doch sahen sie hierin das beste Vorgehen, um die kompakte Hintermannschaft zu überwinden.


    Ungenauigkeiten im Abspiel und die solide Bewachung von Koller und Baros verhinderten grössere Wirkung im Abschluss. So war es nicht verwunderlich, dass sich die zweite grosse Torchance (33. Minute) dem Aussenverteidiger Jankulowski bot, der oft vorstiess und mit einem scharfen Direktschuss auf Flanke Rosickys dem griechischen Keeper wachen Reflex abforderte. Je länger der Match dauerte, desto mehr zeigten sich die Grenzen der Griechen. Zur Kontrolle eines überlegenen Gegners reichte es. Und zum entscheidenden Kopftor durch den Ausputzer Dellas auf Corner auch.


    Abschied aus Porto in Blau-Weiss


    rei. Ein letztes Mal schweift der Blick durch die breiten, angenehm luftdurchlässigen Stadionöffnungen des «Ufos» Dragão hinunter in das eng eingeschnittene Tal des Douro und über die moderne Alameda-Brücke mit ihren futuristischen Verstrebungen hinweg. Unten am idyllisch ruhigen Ufer haben die Fischer wie jede Nacht ihre lange Ruten über das Gemäuer gelegt. Flussaufwärts gedeihen an den den steilen, sonnenbeschienenen Uferböschungen vorzügliche rote Weintrauben, weiter unter Richtung Atlantikmündung gilt das Gewässer als besonders fischreich. Die Männer sind wie auf Distanz gegangen zu den Aufregungen der letzten Wochen mit massenweise einfallenden Wikingern, Hellenen, Oraniern, Angelsachsen und Spaniern - selbst die eigenen Landsleute waren ihnen über die São-João- und Euro- Feiertage gar laut und überschwänglich geworden.


    Derweil staut sich die Blechkolonne unter den diversen Brücken hinein ins Altstadtviertel Ribeira nochmals kilometerlang. Unten wiederholen sich die Szenen vom EM-Turnier vor knapp drei Wochen. Die skandinavischen Schlachtenbummler, die neben den Engländern, den Niederländern und Spaniern klar den Hauptharst ausländischer Fussballanhänger in Portugal ausgemacht hatten, sind heimgekehrt. Die «Orangen» sind seit dem Vorabend ausgedrückt, einige Beobachter in Gelb und Rot mischen sich kleinlaut unter die Neutralen, doch die kräftigen Details im dezenten Landschaftsgemälde streichen wieder die Hellenen, wie wenn sie nach dem EM- Beginn an gleicher Stelle noch um die Abrundung ihres Gesamtbildes in Porto bemüht gewesen wären. Während tschechische Touristen im Nationaldress zwar Identifikation mit ihrem Team unterstreichen, aber sonst gedämpften Tones miteinander die Erfolgschancen ausloten, versprühen Tausende von Griechen in Blanco-Celeste ausufernde Zuversicht. Für den letzten «Akt» spielt das Melodrama «Euro» abermals in den Kulissen von Klein-Piräus. Stunden vor dem zweiten Halbfinal singen sie sich im leeren Stadion ein. Die Portuenser begegnen dem für sie merkwürdig spitzen und laut vokalisierten Sprachklang jetzt mit Fassung - diesmal trifft es sie nicht in der Niederlage. Vom Temperament her scheinen einige mit den verblüffenden Griechen gar zu sympathisieren.

    Quelle: http://www.nzz.ch/2004/07/02/sp/page-article9PF8M.html

    Zitat

    Original von Stendaler
    Tolle Umfrage ... is doch eh alles subjektiv und kann hier eh kaum einer beantworten weil er nicht in allen genannten Stadion war und nicht gewisse Fangruppen über 2-3 Spiele erlebt hat. Denn nur von einmal sehen und hören kann man sich kein Urteil bilden!


    Vollkommen richtig!


    Ein Versuch der Objektivität:


    Stimmung gut finde ich z. B. eigentlich nur am Bökelberg und in Bochum.


    Einige kranken an Ihren Stadien, manche an Ihrer Szene. HRO finde ich z. B. überhaupt nicht so dolle.


    Mensch, den Typen kenne ich doch von irgendwo her.... ?( ?( ?(


    Aus Bratislava?
    Aus Budapest?
    Aus Leipzig ?
    Aus Hamburg?
    .... oder schon mal beim BAK 07 gesehen? ?( ?( ?( ?( ?(


    Wer kann mir helfen diesen Überläufter und Erfolgsfan zu identifizieren???

    Zitat

    Original von ehalex
    ich bin DAGEGEN, obwohl ich auch öfters die Tour schaue.
    .. denn die Seite heißt ja nicht nordostsport.de ... irgendwann kann man es auch übertreiben.


    GENAU!!!! :rofl: :rofl: :rofl:


    Sonst fangen hier noch irgendwelche Idioten an, Berichte aus dem Westen zu veröffentlichen :D :D :D

    Zitat

    Original von TSVler



    Griechenland spielt den taktisch besten Fussball und hat volles Herzblut und Leidenschaft in ihrem Spiel. Sie hättens echt verdient. Und für mich ist dieser Defensiv Fussball sehr schön anzusehen, sie spielen so das ihre Schwächen(Kurzpassspiel,Technik) nicht ausgenutzt werden können und ihre Stärken(Kopfball, Konter) hervorgehoben werden. .


    Volle Zustimmung! Endlich mal einer der wirklich Ahnung vom Fußball hat... :ja: :ja: :ja: (Gilt übrigens auch für Stahlrio!)

    @ALLESFAHRERIN (jetzt dämmert mir langsam woher der Name kommt :lach:):


    Habe mir eben die Fotos angesehen und fordere die anderen Mitfahrer* auf dies auch dringend zu tun und die Tour abzublasen...Da gibt ja rein gar nichts zu bestaunen... :nein:


    Die Fans von Stahl Brandenburg und Michael85 :lach: mal ausgenommen!


    Ziehe mein Interesse zurück und fahre ich lieber ein "paar" Kilometer weiter nach Minden und überlasse es dem Deutschen Meister meine Saison 04/05 zur eröffnen! :ja: :ja: :ja:


    [Blockierte Grafik: http://www.geocities.com/stadionfreund/fotos/minden-weserstadion-200301.JPG]
    Besseres Fotos habe ich leider nicht gefunden.... :oops:

    Jetzt mal ganz langsam, für die Alten!


    Sind beide Spiele am 03.07 oder 10.07 ????


    Wie ist denn der Platz in Burg und Haldensleben?


    Hatte eigentlich vor nach Minden zu fahren (SV Werder Bremen - Trabzonspor)....in Minden gibt es zumindest ein richtiges Stadion, was selten zu machen ist...

    Zitat

    Viel mehr ärgere ich mich darüber, daß dieser zerstörerische Defensiv-Fußball der Griechen Erfolg hat.


    Soll er mit drei Spitzen spielen und ins Verderben rennen???


    Mich freut es für Rehhagel, weil er die Mannschaft richtig eingestellt hat (und er zu dem in der gleichen Stadt wie ich geboren ist.... :ja: :ja: :ja:)


    Dann freut es mich auch für Dellas, was der gegen Frankreich hinten abgeräumt war schon Weltklasse.


    Endspiel = Eröffnungsspiel....nach dem ersten Spiel hatte doch keiner die beiden Mannschaften auf dem Zettel.


    Geile EM!!!!!!!!!!!!!!!! :ja: :ja: :ja:

    :abgelehnt:


    - hat weder was mit Fußball zu tun
    - ist eine reine Kommerzveranstaltung
    - hat nix mit Nordost zu tun


    :D [SIZE=7](Alle kein Rückgrat hier[/SIZE])


    Alternativ schlage ich vor, daß wir folgendes Thema aufnehmen sollten:


    Zitat

    RUHRFESTSPIELE


    Kohle futsch, Castorf k.o.


    Aufruhr an der Ruhr: Frank Castorf, künstlerischer Leiter der Recklinghäuser Festspiele, hat ausgespielt. Der deutsche Gewerkschaftsbund hat den Theatermacher gefeuert - der letzte Akt in einer kulturpolitischen Inszenierung mit vielleicht weit reichenden Folgen.


    Finde das ist ein echter Hammer :ja: :ja: :ja:



    Alternativ können wir uns auch gerne über die gestern zu ende gegangene 28. Klagenfurter Literaturtage ausstauschen! :schlaumeier: :schreiben:

    Zitat

    Original von Borussentom
    Marc 04


    Hey Marc , hast Du bei der EM nix mitbekommen , was wirklich wichtig ist ? :D
    Die Hertha hat einfach mal den Spielplan so gelegt , dass Sie den Zuschauerrekord für ein Regionalligaspiel knackt . Der Kick ist als Vorspiel für Hertha gegen die Türken geplant .
    Ich hoffe nur , wir müssen für dieses Kack Spiel nicht mitbezahlen . Das Spiel werde ich mir gönnen , aber nach dem Unionspiel mache ich die Fliege . Der Sieg muss gefeiert werden - aber im Osten !


    Erst mal Hallo Thomas, mein grün-weiß-schwarzer Freund :D


    Natürlich habe ich in Portugal nix mitbekommen - im Internetcafe herrschte Rauch- und Suffverbot... :lach:


    Nunja, dann werde ich mir wohl Kick Nr. 1 am 31.07 wohl geben!


    @all die nächste Frage: Ab wann spielt denn Herthie (A) im neuen Stadion am Olympiastadion???

    Iwan: Muß Dir teilweise rechtgeben, aber natürlich auch wiedersprechen.


    Vorab: Ich ziehe ein absolut postives Fazit zu dieser Europameisterschaft.


    Positiv:
    - DEN - SWE, inklusive der Feier im Hafen
    - POR - ENG, mit allem Drum und Dran
    - die Bierpreise "SUPERBOCK" (meist bei einem Euro)
    - die sonstigen Preise
    - die leeren Autobahnen
    - die recht günstigen und sauberen Hotelzimmer
    - die bekannten Leute, die man zu Hauf vor Ort getroffen hat (so zum Beispiel den Exil-Anhaltiner, oder den Gladbacher Kumpel von Iwan (3 mal über den Weg gelaufen))
    - die Leute, die man vor Ort neu kennen gelernt hat
    - die Feierei mit den Portugiesen und all den anderen
    - der EM-Song, der zwar ständig in den Bars gespielt wurde (meist so. ca 25 mal hintereinander (Pooortugal, Pooortugal....Ebbe Sand, Ebbe Sand, Ebbe Sand... )
    - das wilde Parken in Stadionnähe
    - die meist gute Versorgung mit Karten auf dem Schwarzmarkt, so hätte man das Spiel Frankreich - Griechenland auch umsonst sehen können, weil viele Franzosen Ihre überschüssigen Karten verschenkt haben....
    - das lustige Wetter (Regen in Porto, Sonne in Lissabon und die absolute Hitze in Faro)
    - die friedliche Stimmung
    - die ausnahmslos netten Portugiesen, die sich alle sehr viel Mühe gegeben haben
    - die laschen Einlaßkontrollen am Stadion und die auffällig zurückhaltenene Art
    - und all die vielen kleinen Dinge, die mir jetzt auf Anhieb nicht einfallen
    - die guten Schiedsrichterentscheidungen


    Negativ:
    - die Autobahngebühr
    - die deutschen Fans (während alle rumfeiern, stehen die meist nur in der Gegend rum und saufen)
    - die deutschen Fans die bei anderen Spielen (sogar bei Hollandspielen) mit Deutschland bzw. deutschen Verein- Trikots rumlaufen
    - der deutsche Support
    - die langweiligen franz. Fans, die nicht mal in der Lage sind englisch zu sprechen
    - der deutsche Zaunfahnenterror
    - die Jungs die nach dem Spiel mit Pappschilder dastanden und gebrauchte Tickets angeblich sammeln und diese dann für 5 Euro bei Ebay verscherbeln!



    Zu den Fans mal generell:
    Natürlich sind die meisten Gesänge recht eintönig gewesen, aber ich denke mal das ist meist bei Nationalmannschaften so:


    Guten waren die Fans aus Portugal, England, Schweden und Dänemark.
    Langweilig dagegen die Holländer (zahlenmäßig recht stark vertreten, aber wohl kaum Leute die regelmäßig zum Fußball gehen), die Deutschen (Verein geht vor) und die Franzosen.
    Den Rest habe ich nicht gesehen oder sind supportmäßig weder positiv noch negativ aufgefallen.