Hier der Text aus der Süddeutschen von heute:
Abstiegskampf in Dresden
Dynamo soll Investor Kölmel mehrere Millionen zurückzahlen
Sonntags um 15 uhr kämpft Dynamo Dresden gegen den Abstieg. Da werden die Spiele in der zweiten Fußball-Bundesliga angepfiffen. Der Klub aus dem Osten steht derzeit auf dem vorletzten Platz. Neuerdings muss sich Dynamo auch während der Woche gegnerischer Angriffe erwehren, dieses Mal geht es sogar um die Existenz. Am gestrigen Montag lief, ebenfalls um 15 Uhr, eine Frist ab, die der Medien- und Sportunternehmer Michael Kölmel gesetzt hatte. Der risikofreudige Investor war Ende der neunziger Jahre über seine Sportwelt GmbH mit viel Geld bei zahlreichen Traditionsvereinen eingestiegen, um sie zurück in den Profifußball zu bringen - und dort von deren Fernseherlösen zu profitieren. Doch dann ging Kölmel in München erst mit der Filmhandelsgesellschaft Kinowelt AG und schließlich mit der Firma Sportwelt pleite.
Inzwischen ist der Medienunternehmer in der Geschäftswelt zurück. Er hat die Kinowelt in Leipzig neu aufgebaut sowie durch Vereinbarungen mit den meisten Gläubigern die Insolvenz der Sportwelt beendet - und verlangt nun von Dynamo Dresden mehr als 6 Millionen Euro zurück. Über seinen Anwalt Franz Enderle aus der Münchener Kanzlei Bub, Gauweiler & Partner forderte kölmel den Klub auf, bis gestern die Zahlung einer ersten Rate in die Wege zu leiten. Der Vereinsvorstand sollte ein Gesellschaftertreffen bei der gemeinsamen TV-Rechtefirma Dynamo Dresden Sportwerbe GmbH einberufen - mit dem Ziel, den Klub zu verklagen. Ziel: Dynamo müsse Fernseheinnahmen seit dem Jahr 200 in Höhe von 2,34 Millionen Euro und die zukünftigen TV-Erlöse an die Sportwelt GmbH überweisen. Nach Kölmels Angaben gehört ihm die Rechtefirma zu 74,9 Prozent; der Rest besitze der Klub.
Der Präsident von Dynamo, der Dresdener Immobilien- und LKW-Unternehmer Jochen Rudi, widerspricht heftig. Man habe Kölmels Anteile an der Sportwerbe GmbH schon vor Wochen eingezogen und dem Investor im übrigen angeboten, einen Millionenbetrag zu zahlen. Dynamo sei zeitweise selbst insolvenzgefährdet gewesen, weil vereinbarte Zahlungen von Kölmel nach dessen Firmen-Pleiten ausgeblieben seien. Insgesamt habe der frühere Partner dem Klub aber geholfen, sagte Rudi. "Wir wissen das zu würdigen und wollen den Streit deshalb friedlich beilegen."
Damit gibt sich Kölmel nicht zufrieden. Er beharrt auf den vorgebrachten Ansprüchen und will Dresden notfalls per Gericht zwingen, "die Verträge einzuhalten." Ihm stünde über die Sportwerbe GmbH ein fester Anteil an den TV-Einnahmen des Vereins zu. Dynamo bleibe genug Geld für die zweite Liga.