Nach einer Nacht voller Alpträume von Fehlpässen, Roten Karten, Eigentoren und grinsenden Fussball-Köppen folgt also nun die 25. Sitzung meiner ganz persönlichen Grenzwert-Erfahrungs-Therapie: Wieviel kann ein Fussball-Fan eigentlich so ertragen? Ich verrate sicherlich nicht zuviel, wenn ich als Zwischenergebnis dieses wichtigen Forschungs-Projektes für künftige Fan-Generationen vermelden kann: Da ist ne Menge Platz für Narben auf so einem Fussball als Herz. Ob aber die Menge an Blut noch für 9 weitere Verstümmelungen ausreicht, wage ich ernsthaft zu bezweifeln. Ich zumindest fühl mich jetzt schon wie ein Zombie auf Heimaturlaub.
Für jetzt und hier hats aber gerade noch gereicht; denn nach einigen solidarischen Telefonaten mit anderen Studien-Teilnehmern aus Nürnberg, Krefeld, vom BAK und dem 1.FC Neukölln habe ich es zumindest erst einmal geschafft, mich hier auf virtuellem Wege diesem Horror zu stellen.
Aber ganz allein werde ich das heute nicht schaffen:
You remember that day in Paris
When we wandered through the rain
And promised to each other
That we'd always think the same
And dreamed that dream
To be two souls as one
Es ist wie mit der Liebe: am Anfang macht man sich auf einen Weg voller Hoffnung und Vor-Freude. Selbst wenn schon alles schief läuft, kann man nicht davon lassen und denkt sich: "In guten wie in schlechten Zeiten". (ein weiteres Zwischenergebnis kommt gerade herein: Alles Lüge, Lüge, Lüge, Lüge .....)
So auch gestern. Da fällt der geschulte Blick zunächst auf zwei selbt-gebastelte Schilder, die den Rasenplatz im Neuköllner Rund für unbespielbar erklären und so ein Ausweichen auf den Kunstrasen zwingend erforderlich machen. "Endlich" denkt man, wird das Nordost-Erfolgsgeheimnis übernommen, welches da heißt: Mannschaften, die eigentlich echte Fussball-Plätze gewohnt sind, werden auf einen Mini-Kunstrasen-Platz in Schulhof-Form gezwungen und ehe sie begriffen haben, dass ein Kurz-Pass hier ein Lang-Pass und ein Lang-Pass hier ein Ball ins sichere Aus bedeutet, haben sie die drei Punkte schon verloren. Im Übrigen wurden auch die guten Test-Ergebnisse von TAS in der Winterpause allesamt auf Kunstrasen erzielt. (ein weiteres Zwischenergebnis: Hoffnung hält sich an allem fest)
Filled my heart with shame for us
At the way we are
Und der Plan scheint aufzugehen. In den ersten 30 Minuten kommt Lichtenberg mit den Platzverhältnissen überhaupt nicht zurecht und Tasmania kann das Spiel ausgeglichen gestalten. Sogar das Glück droht damit zurück zu kehren in dieses Ghetto aus Angst und Frust und schlechter Laune. So prallt nach ca. 10 Minuten ein Eckball von Krause an den kurzen Pfosten des L47-Tores und von da einem Verteidiger an den Fuß und von da doch glatt ins eigene Tor zum 1:0 für TAS. Zwei weitere gute Chancen werden in Folge nett herausgespielt, aber knapp vergeben. Dabei tun sich insbesondere die beiden Flügel mit Krause (gefährliche Flanken) und D.Majewski (doppelt so schnell wie sein Gegenspieler) hervor, aber auch ein neues Stürmer-Gesicht aus der A-Jugend, der ne Menge Verkehr veranstaltet und ebenfalls einmal das 2:0 auf dem Schlappen hat.
Bis zur Mitte der ersten Halbzeit entsteht so das eigenartige und seltene Gefühl, dass hier gegen den Tabellenführer irgendwie nicht mehr viel schief laufen könnte. Eine weitere Niederlage? Mit 1:5 gar! Zu diesem Zeitpunkt undenkbar.
Tja, hätte ich mal meine Al Bundy- Lektionen besser gelernt, denn wie sagte dieser doch, nachdem er ein paar glück-volle Tage am Stück verleben durfte: "Ich bin tot." Und schon beginnt es zu regnen, nur über einem Haus in ganz Chicago und nur über einem Fussballplatz in Neukölln ...
Der Rest ist schnell erzählt und so hundertfach in den alten Spielberichten nachzulesen. D.Majewski fängt sich innerhalb von zehn Minuten bei 3 völlig unnötigen Fouls (das letzte und entscheidende bei eigenem Angriff!) zwei Gelbe Karten ein und fliegt vom Platz. Danach ist Lichtenberg natürlich drückend überlegen, ohne aber vor der Pause zählbares zu erzwingen.
In der Pause versäumt der TAS-Trainer es, die Mannschaft in der Defensive zu stärken und schickt sie unverändert auf den Platz. Es folgen die nächsten katastrophalen individuellen Fehler bei den zwei ersten Gegentoren (quasi identisch in ihrer Entstehung), als der Ball jeweils nach einem Eckball ungehindert von Tasmania-Seite durch den 5-Meter-Raum segelt und einmal von einem Lichtenberger und einmal von einem Tasmanen über die Linie bugsiert wird! TW Ring dabei nicht anwesend, Verteidigung dabei nicht anwesend: also viel einfacher kann man es einem Gegner nicht machen.
Danach - also beim Stand von 1:2 - (Achtung! Rubrik 'Kuriosität des Tages') wechselt der Trainer mal wieder defensiver (!!!!) aus und nimmt jenen ordentlich spielenden Stürmer aus der A-Jugend, der kurz vorher noch eine gute Chance zum Ausgleich herausgespielt hatte, vom Platz.
Von hier an ist nun klar, dass dieses Spiel verloren gehen muss, denn wie wissen wir inzwischen von Al-Bundy: auf Glück folgt noch mehr Unglück, aber auf viel Unglück folgt ..... noch mehr Unglück.
Lichtenberg spielt den Rest der Partie clever herunter und kann nun seine spielerische Überlegenheit auch in Tore ummünzen. Das Fünfte habe ich dabei schon gar nicht mehr erlebt, weil ich aus Protest nach Hause gegangen bin.
Ich mag euch einfach nicht mehr ...
And this is why I hate you
And how I understand
That no-one ever knows or loves another