Meine Eindrücke vom letzten Wochenende können einem schon ein bißchen den Spaß am polnischen Fußball rauben. Offensichtlich tut der polnische Verband alles, um den Fan vom Stadionbesuch abzuschrecken.
Beim Lodscher Sportklub (LKS) waren gerade mal 15 Mann vor mir in der Schlange an der Kasse. Trotzdem hat der Kartenkauf so lange gedauert, daß meine Leidensgenossen schon über das "nastepny mecz", also das nächste Spiel, scherzten. Der Grund lag im ausgetüftelten System. Und zwar mußte jeder Käufer auf einem Stadionplan zeigen, welchen Sitzplatz er gern einnehmen möchte. Dieser wurde dann von Hand auf die Karte geschrieben, zudem trug das Mädel noch einige persönliche Daten aus meinem Ausweis auf einen großen Zettel ein. Diese Schreibarbeit ging natürlich nur langsam voran. Ob mein Ausweis hier eine Klubkarte erstetzt hat oder auch die Polen ihren Ausweis vorlegten, kann ich aber nicht genau sagen. Das beste an der Sache ist aber, daß im Stadion selber keine Sau auch nur einen der Aufgänge kontrollierte, so daß im Endeffekt wohl kaum jemand auf den ausgewählten Plätzen saß. Zudem sollte den Verantwortlichen mal jemand mitteilen, daß der handelsübliche Randalierer meist seinen Sitzplatz verläßt, bevor er handgreiflich wird. Übrigens wird direkt neben dem Stadion ein Sportstättenneubau hochgezogen, auch wenn das Spielfeld etwas klein für ein Fußballstadion zu sein schien (?).
In der 2. Liga (Pruszkow) wie gewohnt keine Probleme beim Kartenkauf. Der Höhepunkt war dann aber Widzew Lodz. Ich hatte mir sogar etwas Zeit gelassen, weil ich wußte, daß ich über eine Stunde vor Spielbeginn am Stadion sein würde. War ich auch, aber mir sofort klar, daß ich niemals pünktlich zum Anpfiff meinen Sitzplatz einnehmen kann. An allen Kassen standen Schlangen von über 50 Leuten, und die Geschwindigkeit war ebenso dürftig wie beim Stadtrivalen. Als ich irgendwann schon nach Spielbeginn in die Nähe der Kasse vorgerückt war, wurde mir dann auch bewußt, daß ich mich erst an einer anderen Kasse hätte anstellen müssen, um dort für 20 Zloty eine Fankarte zu kaufen. Hier konnte ich nur noch darauf vertrauen, daß der ausländische Ausweis alle Tore öffnet. An der Kasse funktionierte das ganz gut, mir wurde eine Eintrittskarte in die Hand gedrückt, auf der aber der handschriftliche Eintrag der Fankartennummer fehlte und auch keine Platznummer zu erkennen war. Freundlicherweise wurde ich extra zur Kasse zurückgerufen, um mir die 50 Zloty, die ich als Bezahlung hineingereicht hatte, wieder in die Hand zu drücken. Vielleicht eine kleine Entschädigung für die anderthalbe Stunde Wartezeit (!). Für die Verkäufer ist das aber sicherlich auch eine belastende Angelegenheit, denn die Wut der Fans in so einer Situation ist mehr als verständlich und entlädt sich dann verbal am letzten Glied in der Kette. Vor den Kassen des Fanblocks, die nicht ganz einsehbar waren, schien sogar ein Sturm der Stadiontore versucht worden zu sein, aber das ist mehr Spekulation.
Am Stadiontor hätte ich mit meiner Karte natürlich niemals reinkommen dürfen, aber nach etwas Dummstellen und einem kleinen Dialog der Marke "karta kibicow?" - "English?" gab der Kontrolleur entnervt auf und ließ mich rein. Zum Glück verpaßt man in Polen rein fußballerisch nichts, ganz egal wann man kommt. Was die vier Erstligateams in diesen beiden Spielen fabrizierten, war völlig indiskutabel. Eigentlich hätte allen wegen Schädigung des Fußballs drei Punkte abgezogen werden müssen. Ein packendes Spiel habe ich in Polen wirklich noch nie gesehen. Die Europapokalergebnisse zeigen dann das wahre Niveau der polnischen Liga.