Beiträge von lguenth1

    Die Vereinsthreads sind auf Dauer der Tod eines überregionalen Nordostfußball-Forums. Mittlerweile schaue ich in viele Vereinsthreads gar nicht mehr rein, weil mich Vereine wie Union, Babelsberg oder Magdeburg halt nur am Rande interessieren. Wenn dann dort tatsächlich die Welt einstürzt, würde ich das dann folgerichtig auch nicht mehr mitkriegen. Beim BFC ist in letzter Zeit wohl einiges los gewesen, aber in den BFC-Thread schaue ich nicht. So kann das nicht Sinn der Sache sein.
    Deshalb: Vereinsthreads schließen. Interessante Themen müssen dann in einem neuen Thema gepostet werden (z.B. Insolvenz Chemie, Stadionname Rostock in letzter Zeit). Spielberichte kann man im Berichte-Forum oder einem Spieltags-Sammelthema bringen. Damit würde natürlich vieles nicht mehr gepostet werden, was nicht den großen Nachrichtenwert hat, allerdings auch niemanden außer die entsprechenden Fans interessiert.

    Sambou ist ein technisch starker, schneller Mittelfeldspieler, der auch mal einen Gegenspieler ausnehmen kann. Dank seiner symphatischen Art und seiner hervorragenden Deutschkenntnisse dürfte er problemlos in eine neue Mannschaft zu integrieren sein.
    Probleme hat er aufgrund seiner Statur in Kopfballspiel und Durchsetzungsfähigkeit. Zudem findet nicht unbedingt jede Flanke ihr Ziel. Zum Saisonende konnte er nicht mehr ganz an seine Leistungen in der Hinrunde anknüpfen, weshalb er arg um seinen Stammplatz kämpfen mußte.
    Grundsätzlich halte ich aber sehr viel von ihm und hätte es nicht ungern gesehen, wenn er bei uns geblieben wäre. Er könnte für Union eine Verstärkung werden.

    Ich darf noch ergänzen, daß wir einen beachtlichen Teil dieser Nachwuchself auch in die erste Mannschaft integrieren, was ja wohl das Hauptziel der Jugendarbeit ist. Schon in dieser Saison waren diese Nachwuchsleute Leistungsträger unserer Oberligaelf, und auch für die nächste Saison werden wieder einige junge, vielversprechende Talente aufrücken. Beim FC Sachsen sehe ich als Außenstehender keinen, der diesen Sprung in der gleichen Vehemenz wie Schlosser, Sieber oder Thönelt geschafft hat.
    Im ganzen Kader hatten wir nur 7 Leute, die nicht durch unsere Nachwuchsschule gegangen sind. Davon werden wir 3 in der neuen Saison nicht wiedersehen. Wenn du als Weitreisender deutschlandweit noch einen Verein mit so einer Quote kennst, wäre ich sehr interessiert...

    "China ist bis heute nicht im GATT."


    Das GATT ist der Vorläufer der WTO und in dieser aufgegangen. Und natürlich ist China Teil der WTO. Ich kann es nicht leiden, wenn zur Untermauerung der eigenen Position unwahre, schwer überprüfbare Behauptungen aufgestellt werden. Deshalb würde ich auch gern eine Quelle für die Aussage zu den südafrikanischen Textilien haben. Oder ist das auch so eine Luftnummer?

    Soran: Das Wort Zaunfahnenverbot fiel heute mal mit, also wird das wohl so gewesen sein. Die Halberstädter Stimmung fand ich eigentlich ganz nett für Oberliga-Kleinverein-Niveau. Wenn das aus Sangerhausener Sicht unzureichend war, bin ich äußerst gespannt auf unser Gastspiel bei Euch, wo die Maßstäbe für Sachsen-Anhalts Oberligavertreter ganz neu definiert werden :wink:
    Bei uns hat die Mehrheit halt auf die Pößnecker Führung gewartet, um dann richtig zu explodieren. Aber irgendwie konnte man zeitig absehen, daß damit nicht unbedingt zu rechnen ist. Meiner Meinung nach hat man das auch dem Spiel unserer Mannschaft in der zweiten Halbzeit angesehen, als sie bereits von der Cottbusser Führung wußten.

    Im Vorverkauf wurden mehr als 1600 Tickets verkauft. Dazu kommen noch die in Halberstadt gekauften, und wir sind bei um die 2000 Gästefans, was auch mit den Fernsehbildern übereinstimmt. Aber bei den sprudelnden Steuereinnahmen braucht Herr Steinbrück nicht jeden Euro aus Halberstadt, das wird sonst nur für Herdprämien und anderen Hafer ausgegeben :-)
    Für mich ist es einfach bemerkenswert, daß trotz der minimalen Chance noch solche Menschenmassen zum weitesten Auswärtsspiel der Saison gefahren sind (und die Tankstelle in Quedlinburg für die nächsten Jahre finanziell saniert haben). Leider hat der CFC nicht gezeigt, warum er von den absoluten Oberligaexperten 8) als spielstärkstes Team eingeschätzt wird, und sich bei den Gegentoren extrem dusslig angestellt. Mit dem Gästeblock konnte man auch leben, der Graswall hatte eine gute Neigung. Das hatte ich aus meinem letzten Besuch (Heimseite) irgendwie anders in Erinnerung. Im Programmheft stand etwas von Stadionausbau, oder? Was genau ist geplant?


    Ach, wir haben uns gefragt, wie diese Ampeln auf der B6 zu verstehen sind ("Bei 60 grün"). Schalten die auf rot, wenn ich dort mit 220 ankomme? Wird das kontrolliert? Ich war ja für ausprobieren, aber ich war auch nicht Fahrer :-)

    Weil es nach dem dummen Unentschieden gegen Auerbach den Schock nicht verdaut hat und anschließend bis zum Trainerwechsel nicht einmal annähernd Normalform erreicht hat. Das spielerische Potential, was gegen Aachen (an die Wand gespielt) und in weiten Teilen der Saison gezeigt wurde, halte ich in dieser Liga jedenfalls für unerreicht. Cottbus hat von dieser Schwächephase profitiert, was ich ja keineswegs abwerte.

    Festzuhalten bleibt aber dennoch, daß das klar bessere Team, nämlich der CFC, eben nicht aufsteigen wird. Das braucht Cottbus natürlich nicht zu kümmern, hier können wir uns wirklich bei Joachim Müller bedanken. Genauso kann ich mich nicht über die Personalie Jungnickel aufregen. Der war, ist und bleibt eine Flasche, deswegen ist er in der Oberliga auch richtig aufgehoben.


    Waldschrat: Wenn man auf die Tabelle schaut, sollte man wirklich ernsthaft überlegen, zu welchem Spiel die Masse fährt. 1000 Mann können an der richtigen Stelle vielleicht noch etwas am Ballgeschiebe Richtung Unentschieden ändern...

    Bei einem Aufstieg würde Eilenburg also nach dieser erwarteten Entscheidung vor 300 Zuschauern in einer fremden Stadt in jedem Spiel so richtig auf die Fresse bekommen. Welchen Sinn das für den Verein haben soll, wissen wohl nur die Irrlichter aus Eilenburg...

    Sonntag, 18. März 2007, 14:05 Uhr: Sachsen Leipzig erhält eine unberechtigte Ecke im Heimspiel gegen den Aufstiegsrivalen Chemnitzer FC, die zum 1:0 führt. Und wie war das mit dem Spiel in Halberstadt? Mit anderen Worten: Sinnlose Diskussion. Oder zu welcher Erkenntnis soll das führen?

    Die Gästefanzahl in Meuselwitz finde ich sehr beachtlich (laut Spielbericht hier 750). Das macht Hoffnung auf ein ganz großes Fußballfest in zwei Wochen, wenn Zwickau in Chemnitz antreten muß. Sollten wir in Plauen gewinnen, fällt die Marke von 5000 Zuschauern sicher. Irgendwie erinnert mich das an den Aufstieg 99, wo es ebenfalls im entscheidenden Spiel gegen Zwickau ging. Da der Klassenerhalt für Zwickau aus meiner Sicht feststeht, sollten die vielen Ex-Chemnitzer im Team mal mit ihren alten Kollegen die Mannschaft als Sieger ausknobeln, die die Punkte wirklich braucht :-)

    Apropos Bydgoszcz: Was ist eigentlich mit Bydgoszcz 2? Die werden neuerdings an letzter Stelle der Zweitligatabelle geführt.


    "Zawisza Bydgoszcz (2) wycofal sie z rozgrywek po rundzie jesiennej. Bez wzgledu na zgromadzony dorobek zajmie automatycznie ostatnie miejsce w tabeli na koniec rozgrywek."


    Heißt wohl soviel wie Rückzug vom Wettbewerb. Aber warum?

    Die Frage sollte lauten: Zu wenig Geld in der Oberliga Nord? Denn hier handelt es sich um eine Dorfliga ohnegleichen, deren Aufsteiger als Absteiger Nummer eins in der Regionalliga gebucht ist. Bei Duellen wie Ramlingen-Ehlershausen gegen Wolfsburg II stehen Zuschauer und Sponsoren eben nicht unbedingt Schlange.
    Vielleicht sollte man sich das auch in Eilenburg mal durch den Kopf gehen lassen, aber offensichtlich hat es noch nicht genug Dresdner Sportclubs und Fortuna Kölns gegeben...

    meuselwitzer: Mal bitte keine Parolen verbreiten. Die Lücke im Etat der laufenden Saison ist mit Hilfe etlicher Sponsoren geschlossen worden. Das Stadion war 2001 noch für die 2. Liga tauglich, später Austragungsort von U21-Länderspielen und ist auf jeden Fall um Längen besser als die Plätze in Eilenburg und Meuselwitz. Von der Seite droht null Gefahr.
    Um es kurz zu machen: Wenn wir es sportlich packen, steigen wir auch auf. Und wenn ich es persönlich finanzieren muß :-)

    Wir waren vor einem Jahr in Eindhoven und haben unsere Karten ganz normal am Schalter erworben. Als deutsche "Touristen" gab es auch keinerlei Probleme. So locker dürfte das inzwischen überall funktionieren.
    Allerdings hat mir dieses Spiel in Eindhoven auch endgültig die Lust auf Benelux verhagelt. Das Stadion war pickepackevoll, aber die Stimmung war irgendwie vergessen worden. Das war ohne Zweifel der Tiefpunkt meiner Fußballfanlaufbahn...

    Um die Frage zu klären, die jetzt das ganze Forum bewegt: Barthez versucht seit neuestem, Nantes vorm Abstieg zu retten. Wieder was gelernt.
    Ansonsten interessanter Bericht, das Forum scheint sich langsam als Platz für solcherlei Prosa zu etablieren. Da werde ich mich im Sommer natürlich nicht lumpen lassen...

    Wie kann man denn sowas ernsthaft als "geile Choreo" bezeichnen? Das ist doch sogar für Auer Verhältnisse unterirdisch. Zudem fragt sich, ob ein Strichmännchen eine angemessene Würdigung für eine "Mutter der Fans" ist.

    Folgender Bericht ist NICHT von mir, sondern vom Chemnitzer Kollegen CatenaCCio. Zeitpunkt ist irgendwann im letzten Jahr:



    Nach gut vier Stunden Flug über den Südpazifik setzte die Maschine pünktlich 5.30 Uhr auf der Landebahn auf. Beim Aussteigen drückte die schwüle Luft auf die Lungen, es roch verwunderlich und sofort setzte sich Schweiß auf der Stirn fest. Im Flughafengebäude erhielt ich den außergewöhnlichen Stempel im Reisepass und konnte alsbald in den Minibus zum Hotel steigen. Es war noch dunkel.
    Der Tag erwachte erst ganz langsam, doch die Menschen waren schon hellwach. Sie warteten am Straßenrand auf den Bus zur Arbeit. Schulkinder in Uniform standen einer Menschentraube gleich an der Bushaltestelle, welche wohl nur von den Einheimischen als solche ausgemacht werden konnte. Für mich war es der fünfte Strauch links von der gelben Fale. Durch die weit geöffneten Fenster des Busses strömte die auch zu dieser Uhrzeit schon heiße, schwüle und wohl durch den überall verbrannten Müll rauchgeschwängerte Luft in meine Lungen.
    Am ersten Tag erkundete ich die Hauptstadt Apia. Nur der versprochene Strand war nirgends zu sehen. Anstelle dessen der Hafen mit der Fähre, die zweimal wöchentlich nach Pago Pago übersetzt. Und ein Containerschiff. Streunende Hunde, staubige Straßen und die erbarmungslose Sonne ließen mich nach Abkühlung sehnen. Doch es wurde bald klar, diese wird es hier kaum geben.


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    Am nächsten Tag stieg ich nach dem Frühstück in ein Taxi, welches mich mit wummernden Bässen Richtung Tuanaimoto brachte. Dort setzte sich ein hochmodernes Gebäude eindrucksvoll aus der sonst nur von Palmen und Bergen gesäumten Umgebung ab. Mit finanzieller Hilfe der Chinesen wurde hier ein riesiger Sportkomplex aus dem Boden gestampft, der Westsamoa zu einem der führenden Sportnationen des Südpazifiks machen soll.


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    Ich wollte aber nur zum Fußball. Für vier Tala (etwa 1 Euro) gab es Eintritt zum "Toleafoa JS Blatter Complex Tuanaimoto". Dieser Ground ist in der Tat nach dem rundbauchigen FIFA-Präsidenten benannt, da er vor 4 Jahren das Geldsäckel öffnete und ein paar Penunzen für den Bau des Platzes locker machte. Zur Einweihung schaffte er es irgendwie sogar wirklich, persönlich sein Hinterteil nach Samoa zu karren, was ihm zwar den Stammesehrentitel "Toleafoa", nicht aber die Sympathien der denkenden Bevölkerung auf der Insel einbrachte. Aber zurück zum Wesentlichen: Die ersten Mannschaften spielten schon, denn, so versicherte mir Tilomai, Generalsekretärin des Samoanischen Fußballverbandes, es gibt im ganzen Land nur einen einzigen Fußballplatz (+Nebenplatz), auf dem halt alle Teams an jedem Samstag hintereinander spielen dürfen. Also geht es früh um 9 los und endet mit Sonnenuntergang gegen 17.30 Uhr. Sonntags ist im Übrigen jeglicher Sport untersagt - genauso wie das Baden im türkisfarbenen Meereswasser - da der Sonntag voll und ganz im Zeichen des Kirchgangs (99,8 % der Samoaner sind Christen) steht. Nun gut.
    Bei meinem Ankommen an der aus losen Holzbrettern liebevoll zusammengezimmerten Tribüne staunten die ca. 200 Zuschauer – wie sich herausstellen sollte alles Spieler der nachfolgenden Mannschaften – nicht schlecht: einen Europäer hatten sie hier als Zaungast beim Fußball scheinbar noch nie gesehen und ein junger freundlicher Spieler machte mir gleich das Angebot, ich könne heute für sein Team spielen, was ich aber freundlich ablehnte. Unverkennbar war jedoch, dass die jungen Leute schon mit dem ersten Anstoß ihren Spaß hatten. Jeder noch so kleine Fehler der Kollegen auf dem Rasen sorgte für unglaubliche Belustigung auf den Rängen. Vor allem die Torhüter hatten es nicht leicht und wurden nur allzu gern mit Häme und Spott bedacht. Sogar die zwei Polizisten und der Kameramann ließen sich von der Atmosphäre anstecken und konnten ihre Schadenfreude nur unschwer verbergen.
    Das Spiel nach der Begegnung der beiden Topteams, Kiwi gegen Konica, bleibt unvergesslich, da das eine Team aus Apia mit 11 Spielern nebst 5 Auswechslern angereist war, der Gegner in blau aber nur 6 Akteure aufs Feld brachte. Minutenlanges Warten bis, ja bis der 7. Spieler des blauen Teams den Rasen betrat. Just in diesem Moment wurde angepfiffen. Bis zur Halbzeit, die von einem "Offiziellen" auf der Tribüne mit einem Sirenengeräusch aus einem Megafon eingeläutet wurde, schaffte es das Team in blau, noch 9 Akteure zusammenzubekommen und nur 0:1 hinten zu liegen. In HZ 2 wurden sie aber gnadenlos überrollt.
    Das Prädikat "sportlich wertvoll" verdiente sich auch das Spiel zweier B-Mannschaften auf dem Nebenplatz, zu dem ich mich auch einmal rumgedreht hatte. Bei beiden Teams gab es doch einige Spieler, die barfuss dem runden Leder nachjagten. Bemerkenswert war dabei besonders, dass die barfüßigen Spieler keinem Zweikampf aus dem Weg gingen, selbst wenn der Gegenspieler mit Stollenschuhen bestückt angegrätscht kam. Mein Respekt gilt auch dem Torhüter, der barfuss mit einem Abschlag fast einen Treffer erzielen konnte.


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    Nach fünf Stunden grandiosen Sportes im Fußballkomplex bei leckerer Brause und Nüssen vom Stadionkiosk arrangierte mir der Verband ein Taxi für den Weg zurück zum Hotel.
    Die folgenden Tage im Südseestaat galten dem Baumeln lassen der Seele. Was an den teilweise traumhaften Stränden auch gut gelang.


    Und dank des einen Regentages, an dem es 24 Stunden ununterbrochen wie aus Kübeln gegossen hat, war zudem noch ein Besuch im samoanischen Nationalmuseum in Apia drin. Dieses besteht zwar nur aus 4 Räumen, ist aber dennoch äußerst empfehlenswert, bietet es sehr gute Eindrücke der Kultur der pazifischen Inseln und auch in die Geschichte des Landes (Samoa war einst auch deutsche Kolonie, was auch heute noch an vielen Nachnamen der Bevölkerung zu erkennen ist).
    Auch die Pizzeria neben der Bar an der Hauptstraße ist lohnenswert und bedeutend besser als das große M um die Ecke, gibt es doch wagenradgroße Pizzen äußerst leckeren Geschmacks. Jedoch ist es unmöglich, eine solche auf einmal zu verspeisen, weshalb auch in der fernen Südsee das Einpacken der Reste üblich ist. Der freundliche Kellner kam mit seiner Pappschachtel an, öffnete diese am Nebentisch und schaute, mir erging es ähnlich, dann doch ein wenig verwundert, als aus dem Karton der Stachel eines kleinen hellen Skorpions in Drohgebärde gen Kellner schaute. Aber gut. Der gute Mann verschwand in Seelenruhe und holte mir eine neue Pizzaschachtel und entließ mich guten Gewissens und freundlich in die verregnete Nacht.


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    - CatenaCCio -

    Weihnachten ist Geschichte, das neue Jahr steht vor der Tür. Ganz Deutschland liegt in dieser bleiernen Zeit vollgefressen auf dem Diwan, antriebslos, gequält von abartigsten Wiederholungen im sonst schon unerträglichen Fernsehen. Nur Deutschlands rebellische Jugend findet beim Spiel mit den Weihnachtsgeschenken einen Zeitvertreib. Nicht mit mir! Fest entschlossen, dieser Tristesse zu entfliehen, wurde schon Wochen vorher der Matchkalender des Kicker auf Fußballspiele im fraglichen Zeitraum überprüft. Dort kann man zwar seit der letzten Überarbeitung die einzelnen Tage nicht mehr in neuen Fenstern öffnen (Glückwunsch dazu), dafür wurden endlich auch die Termine des isländischen Frauenfußballs und der skandinavischen Polizeimeisterschaften aufgenommen. Oder eben die der maltesischen BOV Premier League. Und da sonst nur Nebel und Regen im Vereinigten Königreich auf dem Programm standen, fiel die Wahl auf Malta. Besoffene Engländer gibt es dort schließlich auch genug. Ein Mitfahrer war schnell gefunden, die Reise ebenso schnell gebucht, und fertig war die Flucht vor den schleppend dahinmäandrierenden Tagen im Weihnachtsland Sachsen. Hätte ich damals allerdings gewußt, daß ich am Heiligabend einen Apfelschäler samt Apfelteiler geschenkt bekomme, wäre ich zuhause geblieben und hätte eine Obstdiät begonnen. Denn mit diesem Wunderwerk aus Polyamidzahnrädern wird eine lästige Pflichtaufgabe zum reinen Vergnügen. Der deutsche DIN-Norm-Apfel kann endlich binnen Sekunden von seiner Schale befreit und in acht handliche Stücke zerteilt werden. Damit ist unser Heimatland wieder an der Spitze des technischen Fortschritts angekommen.
    Beseelt von solchen Zukunftsaussichten machte ich mich auf ins EU-Mitgliedsland Malta. AirMalta fliegt unter anderem von Berlin-Tegel auf die Inselrepublik. Wenn ich jetzt schreiben würde, daß Malta mit seinen 400 000 Einwohnern das kleinste Land mit einer eigenen nationalen Fluggesellschaft ist, würden sicher die wenigsten widersprechen. Tja, denkste, Puppe. Tatsächlich gibt es noch dutzende andere noch kleinere Zwergstaaten mit einer solchen hochtrabenden Institution. Spitzenreiter ist nach meinen Recherchen Nauru (12 000 Einwohner), das mit einem von Taiwan geschenkten Jet die Südsee unsicher macht. Faszinierend. Da könnten auch Penig oder Aue eine Fluglinie unterhalten...
    Aufgrund solcher Tatsachen war es für uns nur wenig verwunderlich, daß wir offensichtlich die einzigen Fluggäste waren, die zwei Stunden vor Abflug am Schalter von AirMalta ihre Flugtickets holen wollten. Eine weitere halbe Stunde später lugte dann sogar eine Mitarbeiterin aus ihrem Kabuff und stellte die Frage, die man von Fachkraft in so einer Situation erwartet: „Wollen Sie etwa zu mir?“. Ja, wollen wir. Wir warten sogar schon 3 Stunden darauf. Wie sich dann herausstellte, hatte uns AirMalta hereingelegt und uns schon die Tickets geschickt. Warum auf denen die Aufforderung stand, zum Schalter zu kommen, ist bis heute nicht restlos aufgeklärt. Wenigstens konnten wir so die 20 Teilnehmer des Osama-bin-Laden-Ähnlichkeitswettbewerbs beim Einchecken nach Istanbul beobachten.
    Der aufmerksame Leser merkt an dieser Stelle vielleicht, daß ich als erfahrener Weltreisender bisher nur minimale Erfahrungen mit Flugreisen gesammelt habe. Sonst wäre ich wahrscheinlich auch nicht mit dem Auto zum Flughafen gereist. Bei den Kosten für den Stellplatz war ich jedenfalls sicher, bei meiner Rückkehr vergoldete Felgen an meinem Vehikel vorzufinden.
    Ein ereignisloser Flug ohne geschälte Äpfel (Ha, Barbaren!) brachte uns dann zu unserem Reiseziel, dessen Flughafen ungefähr die Hälfte der Fläche des Landes einnimmt. Entgegen meinen Befürchtungen bestanden auch nicht 80 Prozent der Mitreisenden aus deutschen Groundhoppern, eher waren die Graukappenhools dominierend. Malta wird voraussichtlich 2008 den Euro einführen, die Münzsammler sollten sich also sputen. Derzeit bekommt man für 2,50 Euro etwa einen maltesischen Lira, die Preise auf der Insel sind in etwa mit den deutschen vergleichbar.


    3 Tage Aufenthalt warteten auf uns, der erste sollte uns nach einem ausgedehnten Frühstück mit tätowierten englischen Rentnern und ihren rote Bohnen fressenden Schabracken aus Bugibba in die Hauptstadt Valletta führen. Im wesentlichen gibt es auf Malta zwei Möglichkeiten der Fortbewegung. Vom Mietwagen ist allerdings dringend abzuraten, wenn man nicht Erfahrungen als Geisterfahrer in Rumänien gesammelt hat. In Malta gönnt man sich nämlich die putzige Eigenart, die uralten Kleinwagen ohne allzu große Rücksicht auf Verkehrsregeln auf der linken Straßenseite über die teilweise kaputten Straßen zu jagen. Deshalb bietet sich der Busverkehr geradezu an.


    Da der Berichtsschreiber hauptsächlich als Verfasser eines Nachschlagewerkes für einen weltbekannten Chemnitzer Baustoffprüfer engagiert worden ist, muß ich dem Kapitel „Busfahren in Malta“ einen eigenen Abschnitt widmen. Erster Schritt ist das Besorgen eines Fahrplanes, den man normalerweise im Hotel bekommt. Anschließend sollte man diesen mitsamt aller 100 Linien auswendig lernen, denn andere Orientierungshilfen sind rar gesät. An den Haltestellen findet man meist keine Angaben über Linien, genaue Termine gibt es gleich gar nirgends nicht. Demzufolge muß man dann an der Haltestelle blitzschnell die Liniennummer im Busfenster erkennen, mit dem DIN-A4-Fahrplan in seiner Hand vergleichen, ob diese Linie zum gewünschten Zielort fährt, und dann durch Handzeichen verständlich machen, daß man es begrüßen würde, wenn der Busfahrer einen Halt an der eigenen Haltestelle wohlwollend in Erwägung ziehen würde. Sonst wird man nämlich durchaus einfach stehengelassen, was auch bei einem vollbesetzten Bus passieren kann. Und Maltas Busse sind generell vollbesetzt. Grund hierfür sind die Preise, die von 20 Cent bis zu einem 1 Lira reichen, unabhängig von der Zahl der gefahrenen Stationen.
    Im Bus gibt es auch einiges zu beachten. Wenn man aussteigen will, betätigt man eine Klingel an der Busdecke. Allerdings erinnern wir uns, daß die Haltestellen nicht mit überflüssigen Informationen wie Ortsnamen beschriftet sind. Im endlosen Häusermeer Maltas sollte man daher den Kontakt mit den Mitreisenden aufnehmen, um sein Ziel auch tatsächlich finden zu können. Übrigens führen die meisten Buslinien zum zentralen Platz in Valletta, von dem man einen idealen Startpunkt für eine Besichtigung der alten Festungsstadt hat.


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    Valletta hat einiges zu bieten: Vom Shopping auf der Hauptstraße über beeindruckende Aussichtspunkte, die sehenswerte Kathedrale, malerische Gassen bis zu den Museen über die Kriege, die um das kleine, aber stets wichtige Malta geführt wurden.


    Tag zwei sollte von einem abendlichen Erstligaspiel im Nationalstadion gekrönt werden. Dieses liegt im Ta’Qali Crafts Village, einem Touristennepp im Nirgendwo zwischen Mosta und Mdina. Wer hier ebenfalls ein Abendspiel sieht, sollte den Rest des Tages zur Besichtigung der Umgebung nutzen. Von Mdina aus kann man beispielsweise am Palast des Präsidenten vorbei zu den steinzeitlichen Schleifspuren und den Klippen an der Südküste wandern. Der Bus übernimmt den Rücktransport. Allerdings rate ich davon ab, wie mein Mitfahrer zu versuchen, das Fenster auf der letzten Bank zu öffnen. Das ist nämlich kein Fenster, sondern ein Notausstieg. Und wenn man den nicht wieder zukriegt, muß man es ganz unauffällig festhalten, um einerseits nicht aus dem Bus zu fallen und andererseits nicht parkende Autos mit der geöffneten Tür zu demolieren. Irgendwann bekam dann leider der Busfahrer den ganzen Spaß mit und beendete mit bösem Blick die Vorstellung. Zurück in Mdina empfehle ich dringend das Restaurant „Belle Vue“ am Busplatz, wo man zu günstigen Preisen hervorragendes Essen bekommt, zum Beispiel das Nationalgericht Timpana, eine Art Pastaauflauf. Vom maltesischen Hasen war ich in Valletta schon geheilt worden, da dieses Gericht etwas von Leichenschändung hat: Man bekommt ein braun angemaltes Hasenskelett...
    In Mdina selber kann man dann eine atemberaubende Aussicht auf Malta genießen:


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    Auch das Nationalstadion, übrigens ein Geschenk von Gaddafi, sieht man von der Festungsmauer. In Hoppingberichten heißt es immer wieder, daß abends kein Bus mehr vom Stadion abfährt. Das ist zwar richtig, allerdings kann auch dieses Problem gelöst werden. Auf dem Bild vom Nationalstadion ist nämlich im Hintergrund Mosta zu sehen, an dessen Kuppelkirche bis 21.30 Uhr Busse nach Valletta oder Bugibba fahren. Wer also rechtzeitig am Stadion aufbricht, erreicht nach einem kleinen Fußmarsch recht schnell wieder den ÖPNV. Aus diesem Grund sahen wir auch nur das erste Spiel des Tages zwischen Birkirkara und den Sliema Wanderers. Wer wie ich im Sommer die ersten Qualifikationsrunden der Champions-League und des Uefa-Cups verfolgt, ist diesen Exoten vielleicht schon einmal begegnet. Wie Europapokalteilnehmer spielten sie aber beileibe nicht, dafür war die Zuschauerresonanz sehr beachtlich. Auf der sehr gut gefüllten Haupttribüne war je einer der Sitzplatzblöcke für die Anhänger der beiden Teams reserviert. Zwar gibt es einige Zaunfahnen und Fanartikel, mit Stimmung sieht es aber erwartungsgemäß ganz schlecht aus. Das sollte sich auch beim Kick am nächsten Tag nicht ändern, obwohl hier sogar der Spitzenreiter der Liga im Victor Tedesco Ground antrat. Dieser liegt in Hamrun, einem Vorort von Valletta, und ist nicht ganz einfach zu finden. Ansonsten finden Erstligaspiele meines Wissens nur noch im Hibernians Ground in Paola statt, den man als Busreisender aus Valletta gar nicht übersehen kann.
    In Malta finden übrigens grundsätzlich zwei Spiele hintereinander statt, wobei der Eintritt von 3 Lire für beide Spiele gilt. Wer allerdings erst zum zweiten Spiel eintrifft, bezahlt trotzdem den gleichen Preis.


    Fazit: Malta ist eine Reise wert, der maltesische Fußball ist durch fehlendes Niveau und mangelnde Stimmung nur etwas für den Liebhaber. Da auf der Insel im Sommer extreme Temperaturen herrschen, bietet sich ein Kurztrip im Winter geradezu an, zumal zwei Wochen auf einer so kleinen Insel auch nicht jeden reizen.


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    Alle Fotos gibt es hier: Fotos