Das wusste die MOZ zu berichten!
45 Minuten lang lebloser Auftritt
Irgendwann, so ist nun mal das schnelllebige Fußballgeschäft, wird nur noch das nackte Ergebnis von Bedeutung sein. Brandenburgligist Victoria Seelow musste bei Preussen Eberswalde mit 0:1 (0:1) die erste Schlappe in einem Pflichtspiel quittieren.
Reichlich Arbeit: Die Seelower Abwehr hatte vor allem im ersten Durchgang, in dieser Szene klärt Konstantin Apostolow (links) vorm heranstürmenden Eberswalder Angreifer Tim Mengel, alle Hände voll zu tun.
So weit die sportlichen Fakten des ersten Freitagabendspiels der Seelower. Vor den exakt 145 zahlenden Zuschauern übernahmen die Platzherren sofort das Kommando und stellten die Schützlinge von Trainer Pater Flaig mit konsequentem Pressing vor sichtliche Probleme. Angetrieben von Christian Schlegel, Rico Musick sowie Marcus Bülow inszenierte die Heimelf serienweise Angriffe, die auf das Tor von Schlussmann Rafal Lopusiewicz zu rollten. Allerdings ließen die Mannen von Übungsleiter Torsten Maerz bei aller Dominanz die letzte Präzision vermissen. Auch wenn der erste Durchgang klar an Eberswalde ging - die zahlreichen Offensivaktionen verpufften wirkungslos und brachten ihren Coach Maerz arg in Wallung.
Die Seelower Balltreter mischten indes in Sachen Offensive gar nicht mit. Vielmehr schienen sie den feinen Rasenteppich im Westendstadion per Schongang nicht strapazieren zu wollen. Einzig Torsteher Lopusiewicz und die Abwehrakteure Steve Neumann, Rick Drews, Nabiel Nasser, Konstantin Apostolow sowie Michael Schubert stemmten sich mit aller Macht gegen den stetig drohenden Führungstreffer der Preussen, während der Rest der Elf ein Match mit Freundschaftsspielcharakter ablieferte. "Wir haben im ersten Durchgang alle Tugenden wie Disziplin, Wille und Leidenschaft vermissen lassen. Vielmehr sind wir vorgeführt worden. Erstaunlich, dass wir beim Gang zum Pausentee lediglich mit 0:1 ins Hintertreffen geraten sind. Hätte Eberswalde die vorhandenen Möglichkeiten nur halbwegs genutzt, wäre der Rückstand zu diesem Zeitpunkt wohl uneinholbar gewesen", haderte Flaig völlig zu Recht beim Halbzeitpfiff des Unparteiischen Nils Decker (Falkensee) mit dem leblosen Auftritt seiner Schützlinge.
Dass Eberswalder Kicker dennoch mit dem 1:0 in die Kabine durfte, verdankten sie Christian Schlegel, der sich energisch nachsetzend des Balles an der Torauslinie bemächtigte und mustergültig vors Seelower Gehäuse flankte. Der Rettungsversuch des Seelower Unglücksraben Nabiel Nasser landete als Querschläger vor den Füßen von Philipp Kühn, der im Nachfassen das runde Leder zum umjubelten 1:0 in die Seelower Maschen bugsierte (33.). Zudem reagierte der zuvor arg unterbeschäftigte Preussen-Keeper Matthias Krause bei Seelows einziger Möglichkeit durch Anastasio Alexandropulus glänzend (45.).
Nach entsprechend deutlichen Worten von Flaig, legten sich die Victorianer wesentlich energischer ins Zeug. "Ich habe natürlich eine couragierte Vorstellung gefordert", so Flaig, dessen Forderung die Mannschaft offensichtlich verstanden hatte. Es entwickelte sich fortan ein Duell auf Augenhöhe. Zunächst touchierte der Schuss von Michael Schubert das Aluminium des Eberwalder Tores (46.). Nur Augenblicke später hätte der glücklos agierende Preussen-Kapitän Christian Rauch nach einem Fehler von Steve Neumann für die Vorentscheidung sorgen müssen (48.). Spätestens zu diesem Zeitpunkt erklärte sich das Mützetragen von Preussen-Coach Thomas Maerz. Ohne die Kopfbedeckung wäre das große Haareraufen angesichts der mangelnden Chancenverwertung seiner Mannen angesagt gewesen.
In der hektischen Schlussphase offenbarte Eberswalde dann leichte Probleme, aber es blieb auch nach 93 absolvierten Minuten beim knappen 1:0 für die Heimelf.
"Wir haben eine mehr als passable erste Halbzeit hingelegt", befand Maerz, der in den Schlussminuten in Rumpelstilzchen-Manier an der Seitenlinie um den unnötig knappen Vorsprung gebangt hatte. Maerz: "Ob jung oder alt, Offensivspieler oder Abwehrakteur - bei dieser Vielzahl an Möglichkeiten müssen wir einfach mehr Tore machen. So aber haben wir Seelow im zweiten Durchgang förmlich eingeladen, uns das Leben noch einmal richtig schwer zu machen."
Sichtlich um moderate Töne bemüht war Peter Flaig: "Meinen Glückwunsch an Eberswalde. Der knappe Sieg geht schon in Ordnung. Positiv sei festzuhalten, dass wir in der zweiten Halbzeit allemal Paroli geboten haben. Dafür waren die ersten 45 Minuten ungenügend."
Victoria Seelow: Lopusiewicz - Nasser, Schubert (75. Zygielewicz), Apostolow, Drews, Neumann, D. Jankowski (46. Gramsch), Budzalek, A. Alexandropulos (78. C. Alexandropulos),Kruber