Papa,
es hat nichts mit purem Aktionismus zu tun, wenn man sich gegen rassistische Sprüche (u.a. in Fußballstadien) ausspricht. Und wenn Leute "Juden-xxx" singen, dann hat das auch nix mehr mit Provokation anderer Fangruppen zu tun, auch wenn du und möglicherweise auch die Rufer das so sehen. Dann solltest du dir mal überlegen, wie weit es in unseren Stadien schon gekommen ist (okay, solche Sprechchöre gibts schon Jahrzehnte), wenn selbst neutral eingestellte Leute wie Du solche Sprüche als normale Provokation einstufen. Denk mal ernsthaft drüber nach!
Und bitte. In babelsberg ist die Fanszene seit 15 Jahren antirassistisch eingestellt. Das hat nix mit der heutigen öffentlichen Entrüstung zu tun. Mal ganz davon abgesehen, das mir die öffentliche Entrüstung bzw. Wahrnehmung gegen rassistische Tendenzen in Fußballstadien noch nicht weit genug geht. Es ist immer noch so, vereinzelt sogar in Babelsberg, das Spieler mit dunkler Hautfarbe mit entsprechenden Lauten bedacht werden. Erst wenn das vorbei ist, kann man damit aufhören darauf hinzuweisen.
Stattdessen wird man ständig als Antifaschist auf eine Stufe mit diesen Rassisten gestellt. Grotesk.
@exilhalunke,
es ist ja auch richtig, das Rassismus ein gesamtgesellschaftliches Problem ist. Theo Zwanziger hat aber auch gesagt:
"Unpolitische Sportvereine sind die erste Anlaufstelle für Rechtsradikale" und da hat er nicht unrecht. Man muss sich immer wieder gegen Rassismus wenden, eben auch im Stadion, aber nicht nur dort. Sich immer nur rauszuhalten und zu meinen, das wäre ja ein gesamtgesellschaftliches Problem, für das wir nicht verantwortlich sind, ist gelinde gesagt blauäugig. Jeder Verein hat sich ganz eindeutig und unmissverständlich gegen solche "Fans" zu wenden.
Dich persönlich kenne ich nicht, und ich nehm dir jetzt mal ab, das du die Idioten in eurer Fankurve nicht akzeptierst. Und ich kann dich auch verstehen, wenn dich der Punkteabzug ärgert und du ihn ungerecht findest. Aber wie gesagt, manch ein Verein muss es wohl erst schmerzlich am eigenen Leib erfahren, damit rigoros gegen diese rechtsradikalen Tendenzen vorgegangen wird.
Und was die Medien angeht. Okay, es mag sein, das es da öfters undifferenzierte Berichterstattung gibt, aber die Reaktion des Vereins (die Zusammenarbeit mit den Medien auszusetzen) hat absolut das falsche Zeichen an die Fans gesetzt.
Und das es keine Ausschrietungen gab, oder niemand verletzt wurde, kann kein wirkliches Argument sein. Diese Sprechchöre schaffen Raum für Intoleranz und Rassismus und verschärfen somit zumindest das Potenzial auf spätere Gewalttaten, egal von welcher Fangruppe.
Wie gesagt, mir gehts nicht darum euren Verein oder eure Fanszene pauschal niederzumachen. Das würde mir auch beim BFC nicht einfallen. Selbst bei uns gibt derzeit genug Ärger mit irgendwelchen Ultras, die nicht nur zum Fussball gucken ins Stadion kommen. Heute Abend gab es dazu übrigens innerhalb der Fanszene Beratungen, über den Ausschluß aus der Nordkurve von bekannten gewalttätigen "Fans" oder solchen die unserem Ansehen schaden. Das muss halt auch mal von den Fans ausgehen, und klar die Fehlentwicklungen benennen. Wenn man sich aber immer mit irgendwas rausredet, weil die Medien übertreiben oder es ja alles gar nicht so schlimm wäre, weil es ja nur die üblichen Provkationen wären, dann macht man sich selbst etwas vor, und man kriegt das Problem später nicht mehr so leicht in den Griff.