Kreisoberliga-Aufsteiger Ludwigsdorf vor dem Aus
Viele Spieler haben sich abgemeldet. Der Vorstand hofft jetzt auf ein Wunder.
Staffelsieg, Aufstiegsfeier – danach eine Klasse höher mit unendlich viel Euphorie um den Klassenerhalt kämpfen – so sollte es sein und ist es auch meistens. Beim SV Ludwigsdorf 48 – vor vier Wochen nach einem 5:0-Sieg im letzten Spiel in Ebersbach mit einem Punkt Vorsprung Staffelsieger der Kreisliga-Staffel Süd (vor dem Bertsdorfer SV) – ist das anders. Die Fußballmannschaft, die keinen Aufstiegsverzicht gemeldet hatte, ist auseinander gebrochen. Fußball-Abteilungsleiter Klaus-Jürgen Wende steht unmittelbar vor dem 70. Vereinsjubiläum vor den Trümmern einer Entwicklung, für die er selbst wohl kaum verantwortlich zu machen ist.
Nach dem sportlichen Abstieg aus der Kreisoberliga in der Saison 2015/16 hatte die Mannschaft unter Trainer Timo Winterstein den sofortigen Wiederaufstieg ins Visier genommen und ihn trotz schwerer Verletzungen einiger Spieler, mit wieder erwachter Kämpfermentalität auch geschafft. Spätestens in der Rückrunde aber begannen die Probleme, sagt Wende rückblickend. „Unser Trainer hatte in seiner Außendarstellung stark dazu beigetragen, dass viele Spieler an sich zweifelten. Mit seinen öffentlichen Äußerungen zu Spielern und Verein sowie über andere Vereine fand er eine Psychologie, die uns als Vorstand arg ins Auge stach. Praktisch hatte er sich schon selbst vom Amt entbunden. Aber wir wollten den sportlichen Erfolg nicht außer acht lassen, denn der war weiterhin gegeben, und keine weitere Unruhe schüren. Aus jetziger Sicht war das ein riesiger Fehler.“ Tatsächlich schrieb der Trainer seine Spielauswertungen mit teils harscher Kritik öffentlich einsehbar, auch eine entsprechende Saisonauswertung.
Wende ist überzeugt, dass dadurch einige Spieler den Glauben daran verloren haben, in der Kreisoberliga mithalten zu können. Trotzdem, als es um das Thema Aufstiegsverzicht ging, habe sich niemand gemeldet. Erst nach dem Staffelsieg wurde es ernst. Einige Spieler äußerten ihre Wechselabsichten. Verletzungen lassen bei anderen keinen Fußball mehr zu, andere wollen arbeitsbedingt kürzer treten. Die meisten Spieler meldeten sich vorsorglich ab. „Wenn drei bis vier neue Spieler kämen, würde man in der Kreisoberliga mitspielen, hieß es damals aus der Mannschaft“, sagt Wende. Als Termin wurde der 14. Juli genannt. Dem Vorstand – der Trainer hat sich inzwischen verabschiedet und ein neuer ist noch nicht da – fehlten aber die entsprechenden Kontakte. Da hätten wohl nur die Spieler selbst helfen können. Außerdem, so sagt es Wende, habe der Ruf des Vereins durch die vielen negativen Äußerungen des Trainers arg gelitten. Jedenfalls konnten keine neuen Spieler gefunden werden. Dass ein 18-Spieler-Kader nicht ausreichen sollte, den Spielbetrieb abzusichern, kann der Abteilungsleiter nicht nachvollziehen.
Jedenfalls blieb ein erheblicher Teil der Spieler am vergangenen Freitag bei seiner Abmeldung. Wende will mit dem Rest des Kaders und einigen Senioren nun zumindest in der Kreisoberliga antreten, um in der Saison 2018/19 wenigstens einen Startplatz in der Kreisliga sicher zu haben. „Eine Rückkehr der abgewanderten Spieler wäre bis zum ersten Spieltag noch möglich. Sollte nicht noch ein Wunder passieren, sehen wir vom SV Ludwigsdorf 48 keine andere Möglichkeit, als unser Team aus der Kreisoberliga zurückzuziehen“, sagt Wende, der sich mit seinem Vorstand speziell bei den betroffenen Vereinen entschuldigen möchte.
Ludwigsdorf hatte schließlich den Bertsdorfer SV, der dann das Aufstiegs-Relegationsspiel verlor, vom Aufstiegsplatz verdrängt. Und ein Nachrücken ist laut den Regeln des Verbandes selbst bei einem völligen Ludwigsdorfer Verzicht nicht möglich, informiert FVO-Präsident Reginald Lassahn. (Quelle: SZ)