Zunächst einmal möchte ich feststellen, dass es in einer solchen Diskussion wirklich gut ist, detailliert Fehler zu analysieren. Die Herangehensweise von aka verdient dementsprechend meinen absoluten Zuspruch. Außerdem finde ich den polemischen Grundton von aka nicht problematisch. Ist ja hier immer noch ein Fußballforum und kein Sitzungsausschuss des Akademischen Rates. Was mich mehr an aka stört, ist diese Konzentration auf die Nebensächlichkeiten. Ich bin kein Statistiker, aber sind solche Quoten von 0,01 "Prozentpunkten" wirklich aussagekräftig? Was ist denn, wenn die verpfiffenen Spiele von Prokop die entscheidenen waren, die nicht verpfiffenen aber unwichtig in Fragen Abstieg und Meisterschaftt? Da finde ich die bereits zitierte DFV-Statistik von 84/85 schon besser (zitiere hier J. Weinreich und die Berliner Zeitung):
"Unter den vielen Dokumenten ragen zwei geheime Analysen des DFV der DDR heraus. In einer Auswertung der Oberligasaison 1984/85 listete DFV-Generalsekretär Karl Zimmermann Bevorteilungen des BFC in acht von 26 Punktspielen auf. Mindestens acht Punkte hatte der BFC dem "gezielten Einfluss anderer Instanzen" zu verdanken. Die Chiffre "andere Instanzen" lässt sich mit "Stasi" übersetzen; doch so deutlich konnte Zimmermann nicht werden, es hätte ihn den Job kosten können.
Der BFC wurde damals mit sechs Zählern vor den punktgleichen Teams aus Dresden und Leipzig Meister. Verschärfend kommt hinzu, dass auch direkte Duelle mit Dynamo und dem 1. FC Lok zu Gunsten des BFC gepfiffen wurden. Laut DFV-Studie war der BFC von den Schiedsrichtern Klaus-Dieter Stenzel und Reinhard Purz fünfmal, von Adolf Prokop, Manfred Roßner und Günther Habermann dreimal bevorteilt worden. Prokop, später als OibE (Offizier im besonderen Einsatz) der Stasi enttarnt, und Stenzel wurden international gesperrt. Beide durften fortan keine Spiele des BFC mehr pfeifen. Wie sollte der frühere Dresdener Trainer Klaus Sammer viele Jahre später sagen? "Zweiter zu werden und ab und zu Pokalsieger - mehr war in der DDR nicht zu erreichen." Jedenfalls nicht in den achtziger Jahren."
Ein weiteres Papier aus dem DFV-Präsidium belegt, wie unverfroren die Referees agierten. So wertete eine achtköpfige Funktionärsgruppe unter Leitung des Präsidenten Günter Erbach am 21. Juni 1985 per Videostudium das zwei Wochen zurück liegende FDGB-Pokalendspiel zwischen Dresden und dem BFC aus, das Dresden trotz haarsträubender Benachteiligungen glücklich mit 3:2 gewinnen konnte. 17 grobe Fehler wurden den Schiedsrichtern nachgewiesen, 14 zu Gunsten des BFC. Die Analysen waren auch wertend: "Die Fehlentscheidungen gegen Dynamo Dresden sind insgesamt schwerwiegender (qualitativ hochwertiger im negativen Sinne), da sie zum Teil im torgefährlichen Raum gefällt wurden und spielentscheidenden Charakter tragen können (Nichtanerkennung eines regulären Tores von Minge)." Aufgelistet werden ungeahndete rüde Fouls der dafür bekannten BFC-Spieler Trieloff, Terletzki, Rohde, Schulz und Maek.
Immerhin: Die Verbandsfunktionäre sperrten den BFC-Referee Roßner. Seine Linienrichter kamen glimpflicher davon: Widukind Hermann beendete ohnehin die Laufbahn, Klaus Scheurell musste nur auf ein Europacupspiel verzichten."
Sorry, aber diese Ausführungen klingen für mich viel plausibler als 2 Stellen hinter dem Komma, so respektabel ich die Fleißarbeit von aka auch finde.
Warum wird denn nicht diese Quelle von aka quellenkritisch betrachtet, anstatt Staffelzugehörigkeiten von Chemie Böhlen zu diskutieren?
Eisern
S-S-B