Das Spiel
Chemie darf auch nach einem mühsamen Erfolg gegen den abstiegsgefährdeten BSV Eintracht Sondershausen noch von den Relegationsspielen träumen. Die Entscheidung brachte ein eher harmloser Kopfball von Ronny Kujat, der dem Thüringer Torwart durch Hände und Beine rutschte – wohl ein Tribut an nassen Rasen, Handschuhe und Spielgerät. Neben zwei Lattentreffern in der zweiten Halbzeit konnte der Favorit aus Leipzig jedoch keine weiteren Torchancen mehr herausarbeiten. Die blau-gelben Hausherren wussten dagegen in den letzten 45 Minuten gehörigen Druck auf das Leipziger Tor zu entwickeln. Alle Bemühungen blieben jedoch ohne zählbaren Erfolg, trotz einer zeitweise „schwimmenden“ Chemie-Abwehr. Und schwimmend meint nicht eine Angleichung an die sintflutartigen Regenfälle während des Spiels. Insgesamt ein glücklicher Arbeitssieg gegen eine aggressive Sondershausener Mannschaft.
Die Fans
In einem sind die Anhänger „Am Göldner“ wohl unübertroffen: im Reklamieren von Schiedsrichterentscheidungen. Geraten diese Unmutsbekundungen wesentlich lauter und häufiger als die Anfeuerung der eigenen Mannschaft, ist jedoch jede Fußballatmosphäre dahin. Auch die Spieler aus Sondershausen wissen zusammenhängende Worte und Sprechchöre als Support sicher zu schätzen. Die Choreographie zu Beginn des Spiels ist für die Oberliga trotzdem sehr bemerkenswert. Eine ganz besondere Rolle in der aktiven Beeinflussung der Akteure spielt jedoch der heimische Trainer Venth: seine verbalen Ausraster gegen „feindliche“ Spieler und Beeinflussungsversuche auf die Schiedsrichter lassen eine verpasste Theaterkarriere befürchten.
Die Leutzscher Schlachtenbummler haben wohl unter den Umständen des Umfeldes etwas gelitten. Dafür dass jedes Spiel ein Endspiel um den Aufstieg ist, sind 500 Leute aber auch noch steigerungsfähig.
Das Umfeld
Das Sportzentrum „Am Göldner“ hätte das Zeug zu einem schmucken reinen Fußballstadion. Eine überdachte sitzplatzgeschmückte Gegengerade und ein kleiner Stehplatzbereich hinter dem Tor markieren den Heimbereich. Der sehr schmale Gästesektor zerstört leider den Gesamteindruck. Er soll eine Kapazität von 1.500 bemitleidenswerten Menschen haben. Am vergangenen Samstag haben aber maximal die Hälfte der Leutzscher in diesem Block das Spielgeschehen von einer Hälfte des Spielfeldes einsehen können. Weiterhin ein Zaun, der so engmaschig ist, dass er vermutlich von der deutsch-deutschen Grenze umgesetzt wurde, eine Ebene(!) als Stehplatzbereich und Briketts die als Bratwürste verkauft werden. Dazu pünktlich bestellter Regen, Hagel und Wind – schon ist jede Stimmung dahin. Und schon kann sich der Spielbericht nur noch auf selbst beobachtete Phänomene beziehen. Wer will schon so etwas lesen: „Schirm verdeckt die Sicht, Schönberg flankt, Zaun verdeckt, Fan verdeckt, Schirm verdeckt, Tribünenpublikum stöhnt auf – aber warum?“
Die Statistik
Tor:
0:1 Kujat (20.)
Zuschauer: 1107 (ca. 500 aus Leutzsch)