Landespokalhalbfinale SV Altlüdersdorf -SV Babelsberg 03 0:1

  • SVA vs. SVB


    Pokalspiele eignen sich ja immer besonders gut zum Phrasen dreschen. Wie oft am Samstag der Spruch mit dem David und dem Goliath zu hören war...ich weiß es nicht mehr. Bietet sich ja auch an, wenn der Oberligaspitzenreiter gegen den Verbandsligasechsten antreten muß. Rasti schien sich aber der Bedeutung des Spiels und der besonderen Motivation des Gegners bewußt zu sein. Bis auf die übliche Umstellung im Tor griff er auf die beste, ihm zur Verfügung stehende Truppe zurück.
    Auf des Gegners Seiten sollte man insbesondere auf Spielmacher Kljalic und dem kundigen Babelsberger Fußballfan noch ob seiner schicken blauen Schuhe bekannten und wieselflinken Slim Jaballah achten.
    Schiri Fleske ließ sich mit dem Anpfiff der Partie 10 Sonderminuten Zeit. Scheinbar schien er Gefallen an der den Spielplatz umrundenden Trommelcombo gefunden zu haben. Überhaupt erweckte es den Anschein, dass der SVA den Kontrahenten und seine Unterstützer hauptsächlich mit viel Dezibel schlagen wollte. Eine monströse Lautsprecheranlage sorgte immer wieder für Gänsehaut und temporären Tinitus.
    Jetzt aber zum Spiel:
    Die erste Notiz auf meinem Zettel fand sich nach einem Freistoß für den SVA. Das war in der zweiten Minute. Roggentin aber sofort präsent und sicher. Nächste Notiz, wieder nach einem Angriff der Hausherren. Rudolph wird durch Zeljkos gefoppt, leider nicht zum letzten mal, letztgenannter flankt aber diesmal war es Lukac, der klärt. Dann endlich der SVB. Moritz geht zentral, setzt dann Mutsche auf links in Szene, der gibt den Ball hoch in Richtung hinteren Pfosten, Ben-Hatira erreicht die Kugel auch, köpft allerdings neben das Gehäuse (10.).
    So, drei Szenen in 15 Minuten. „Abtasten“ ist wohl der richtige Begriff dafür. Zwar von anfang an recht munter, spielte sich bisher das meiste jedoch im Mittelfeld ab. Der SVA noch sehr respektvoll und auf die Defensive bedacht, der SVB zwar dominanter, hatte aber offensichtliche Probleme im Aufbauspiel. Ob es an dem gewöhnungsbedürftig kleinen Platz oder an den Unebenheiten des selben lag, bleibt offen.
    Einen dieser Fehler im Spiel nach vorn, nutzte dann der SVA in der 20. Minute. Kucak, Jaballah und Lapinski hießen die Stationen. Sein Versuch eines Hebers landete hinter dem Tor. Highlight der ersten Hälfte war dann der Freistoß von Kucak in der 22. Minute. Von links kommend segelte er an Freund und Feind vorbei um dann an den rechten Pfosten zu prallen. Von da ging’s zurück ins Feld, als erstes war dann ein Babelsberger Fuß dran und die Situation war geklärt.
    Vorm Pausenpfiff habe ich dann noch drei mal zum Stift gegriffen. Zwei mal nach Freistößen, Mutsche’s Versuch wurde vom Keeper locker abgefangen, Moritz’ segelte am langen Pfosten vorbei, und einmal nach einer Biran-Aktion. Zunächst setzte er sich gut gegen zwei Gegner durch, sein Schuß nahm dann aber so viel Geschwindigkeit auf, dass ich mir, bevor er das Tor erreichte, die Zeit nahm und einen Kaffee holte.
    Kam es in den bisherigen Zeilen rüber, dass dieses Spiel nicht gerade in die Geschichtsbücher der schönsten Pokalspiele Einzug halten sollte? Wie gesagt, der SVA sehr bemüht, der SVB dagegen deutlich unter seinen Möglichkeiten.
    Ich war nicht dabei, aber was Rasti dann seinen Jungs in der Kabine gesagt hat, waren wohl die richtigen Worte. Deutlich engagierter ging man die zweite Hälfte an. Und schon in der 51. Minute sollte sich das auszahlen. Offenbar hatte man ein lustiges Zahlenspiel eingeplant. Von der 31, ging der Ball nach rechts außen auf die 21. Diese flankt, nach dem zwei Gegner ausgetanzt waren, hoch in die Mitte des Strafraums auf die 11. Nach Adam Ries’e wäre nun die 1 dran, den Ball zu bekommen. Tat sie aber nicht. Der Volleyschuß der o.g. 11 war etwas zu flott und platziert unterwegs, so dass der Ball ohne Umwege im lila-farbenen Netz zappelte. Für die Unkundigen das Ganze noch mal mit Namen: Zenk tunnelt einen Gegner, passt auf Lukac, der sieht Ben-Hatira, flankt an den Fünfer und unser Mr. Zuverlässig sorgt gegen Keeper Schiemann für das 1:0.
    Babelsberg weiter aktiv. Leider blieben gefährliche Aktionen bis zur 80 Minute selten. Zwischenzeitlich kam Hartwig für Biran (64.), Zenk köpfte eine Moritz-Ecke über das Tor und auf der Gegenseite berechnet Lapinski die Bahn des Balles falsch und trifft nur das Außennetz. Zuvor hatte er noch zwei Babelsberger ausgespielt (75.).
    Wenn man 0:1 hinten liegt, kommt automatisch der Moment, wo man die Deckungsarbeit zu Gunsten der Offensive vernachlässigen muß. Für den SVA begann diese Zeit so ab der 80. Minute. Nulldrei nun im Stile einer Kontermannschaft. Zunächst überlupft Zenk seinen Gegner, geht in Richtung Tor und versucht dann, den Ball auf Mutsche quer zu legen. Ein Altlüdersdorfer Bein steht dem aber im Wege (85.). Dann schickt Hartwig Mutsche auf links, von einem Gegenspieler bedrängt wird sein Schuß eine sichere Beute des Keepers (89.). Nahezu spiegelgleich diese Aktion eine Minute später auf der anderen Seite durch Lukac. Auch sein Schuß landete in Schiemanns Armen (91.).
    Die letzte Aktion gehörte wie schon die erste Herrn Fleske – er pfiff ab. Vor 1015 Zuschauern stolperte der SVB mit 1:0 ins Pokalfinale. Es bleibt einfach dabei, defensiv steht die Mannschaft nahezu sicher, insbesondere die Innenverteidigung räumte heute souverän ab, doch das Spiel nach vorn leidet an dieser konservativen Ausrichtung.
    Anschließend ging es noch zur Auslosung des Finalspielortes ins schicke VIP-Zelt. Die flotte Kellnerin um das letzte Bier gebracht, sah ich dann, wie Bernd Trojanowski, dem Kenner als Vorsitzender des Fußballkreises Oberhavel bekannt, den FC Energie Cottbus als Gastgeber aus der Lostrommel zog. Und während sich der Vorsitzende zusammen mit dem Geschäftsführer eines kleinen aber feinen Potsdamer Ballsportvereins noch um die letzten Scheiben des gefüllten Schweinebratens kümmerten, fand sich der Rest der Bagage schon auf der B96 Richtung Heimat wieder.


    SVA: Schiemann - Bucinski, Batotodziej, Debrah, Zeljko (60. Krüger), Höppner, Stettner (68. Reinsch), Kucak, Jaballah, Kljajic, Lapinski


    SVB: Roggentin - Neumann, Neubert, Laars, Rudolph, Lukac, Zenk (87. Littmann), Moritz, Mutschler (90. Prochnow), Ben-Hatira, Biran (64. Hartwig)


    Tore: 0:1 Ben-Hatira (51.)


    Schiri: Fleske, Stolzenburg, Stolz