Der "Offizielle":
Was Schickes zum Anziehen
Einer schien vorher schon zu wissen, wie das Spiel enden wird. Nicht ohne Grund trieb sich Rasti schon am Freitag in des Sterncenter’s Trikotagengeschäften um, etwas Kleidendes für die am Samstag nach dem Match anstehende Pressekonferenz zu finden. Als Sieger sollte man ja ein gutes Bild vor der Presse abgeben. Seine Vorahnung bescherte mir dann auch einen 4er im Tippspiel, Danke Trainer.
Wenn man sich unter der reichlich mitreisenden Anhängerschaft umhörte, teilten jedoch nur die wenigsten diesen Optimismus. Zu oft war man punktlos von der Küste heimgekehrt. Diesmal galt es dann noch, den Ausfall von Neubert und Tretsche zu kompensieren. Und als ob dies nicht schon genug wäre, fand sich auf dem Ansetzungsbogen dann auch Frau Inka Müller als Zuständige in Gelb wieder. Keiner konnte sich an ein gewonnenes Auswärtsmatch unter ihrer Leitung erinnern.
Die Fahrt begann wie so häufig im schönsten Filmvorführetablissement Potsdams. Die Reisenden, wovon alle gefühlt oder real die 30 lange hinter sich gelassen hatten und einer anstrengenden Bahnfahrt müßig wären, wählten gut gepolsterte Kfz, um die knapp 250 km hinter sich zu bringen. Ständiges Flaschengeklirre und Geproste konnte unseren Fahrer nicht seiner Konzentration berauben und wir erreichten das Volksstadion sehr pünktlich, eine halbe Stunde vor dem Beginn. Da für mich dieser Rasen Neuland bedeutete, widmete ich kurze Zeit, dieses Rund zu erkunden. Ganz ehrlich, dieser Platz braucht den Vergleich mit den zuschauerunfreundlichen Traversen in Neuruppin nicht zu scheuen. Leider konnte man seine Enttäuschung dann auch nicht mal mit einem kühlen Lübzer, für das auf der mit nur 2,50 Euro lobenswert preiswerten Eintrittskarte noch geworben wurde, herunter spülen.
Da es bisher noch nicht mit einer Silbe um das lederne Runde ging, brauch ich auch jetzt noch nicht damit anfangen. Stattdessen noch eine kurze Schelte für Rütli-Rudi, der seiner Verantwortung, das Diktiergerät mit zu bringen in keinster Weise gerecht wurde. Unglaublicherweise bot er mir zwei pappene Wurstunterlagen als Ersatz an. Sind das professionelle Vereinsstrukturen? Wohl kaum.
Nun aber zu dem für die meisten Lesenden Wichtigem: dem Spielgeschehen. Rasti stellte gezwungenermaßen um und beorderte Lukac auf die Außenposition in die Viererkette, Neumann rutschte dafür nach innen. Das Mittelfeld bildete eine Raute aus Zenk, Hartwig, Mutsche und dem Kapitän. Vorne Donkor und Ben-Hatira. Die Rostocker Amateurtruppe wurde erwartungsgemäß durch einige Profis verstärkt. In der Anfangsformation fanden sich u.a. Wagefeld, Hansen und Hartmann wieder.
Unter leichtem Nieselregen pfiff Frau Inka pünktlich an. Die ersten 10 Minuten boten dann wenig, was man von einem Spitzenspiel hätte erwarten können. Beide Mannschaften suchten ihre Formation und zu viele Angriffe endeten bevor sie wirklich gefährlich wurden. Der ein oder andere Spieler hatte auf dem nassen Geläuf auch seine Standprobleme, was dem Spiel nicht gerade zu gute kam. Schüsse zunächst nur aus der zweiten Reihe und allesamt harmlos. Das erste wirkliche Geschoß ließ dann Rostocks Müller los, der aus zentral 16 Metern ordentlich drauf hielt und Busch einiges abverlangte. In Minute 12 kam Hansa über Fogel von rechts. Rudolph wird überlaufen und an der anschließenden Flanke rutscht Albert nur knapp vorbei. Babelsberg bot bis dahin noch wenig Konstruktives im Zusammenspiel. Dass dies aber auch nicht immer notwendig ist, bewies Donkor in Minute 13. Mit einer schönen Einzelaktion, er setzte sich auf links gegen zwei Verteidiger durch und drosch den Ball aus Nahdistanz am Keeper vorbei in die Maschen, markierte er die Führung für die Gäste.
Hmmm, betrachtet man die bisherigen Ergebnisse, hätte hier das Spiel schon vorbei sein können. War es aber nicht, dafür sollten schon die Rostocker sorgen. Zunächst aber weiter Nulldrei. Die nächte Möglichkeit bot sich Lukac, der in Minute 20 frei stehend angespielt wird und aus guter halb-rechter Position abzieht. Klandt im Hans-Tor klärt aber zu Ecke. Rostock fing sich so langsam und ging selbst wieder in den Angriff über. In der 22. Minute kann Laars knapp vor dem einschussbereiten Albert klären, in dem er die auf diesen gezielte lange Flanke per Kopf zu Busch umlenkt. Weiter die Küstentruppe und wieder über Albert. Dieses Mal erreicht ihn das Zuspiel und er nimmt aus halb-rechter Position, knapp 15 Meter vorm Tor Maß. Sein Schuss wird noch abgefälscht, trotzdem kann Busch mit gutem Reflex klären. Gefährliche Aktionen weiter nahezu nur durch Hansa. Eine perfekt getimte Flanke, knapp vors Tor gezirkelt, erwischt Wagefeld mit dem Kopf nicht richtig. Babelsberg hat Glück, dass der Ball übers Tor geht (27. min). Moritz erkannte die brenzlige Situation und zeigte mit zwei Aktionen wieder, wo es doch eigentlich lang gehen sollte. Beide male versuchte er es aus der Distanz, doch verfehlten seine Schüsse das Gehäuse und strichen am rechten Pfosten vorbei (30., 33. min). Dieselben Mittel wählend, versuchte Hansa aber weiterhin, den Ausgleich zu erzielen. Müller und Hansen versuchten es ebenfalls aus der Distanz. Der erste Ansatz ging rechts vorbei, den zweiten blockte Busch (34., 37. min).
In der 40. Minute bekam dann Hansa einen zweifelhaften Freistoß zugesprochen. Rudolph setzt sich meines Erachtens kurz vor der eigenen Grundlinie fair gegen zwei Rostocker durch. Frau Müller versetzte das Publikum aber in Erstaunen, als sie dies anders interpretierte und Rostock eine gute Möglichkeit verschaffte. Dojahn brachte den Ball hoch vor das Tor und Fogel wuchtete das Leder in Richtung Tor. Scheinbar aber zu unplatziert, denn Busch konnte noch klären. Die Halbzeit wurde durch zwei Gelbe Karten beendet, eine für Mutsche und eine für Wagefeld. Die Spieler griffen zum Pausentee und der Autor zur zweiten Wurstpappe.
Rostocks Coach schien nicht viele Worte gebraucht zu haben, um seine Truppe auf die zweiten 45 Minuten einzustimmen. Seine Jungs machten sich schon nach knapp 10 Minuten wieder auf dem Grün breit. Verspätet kamen die Nulldreier aus den warmen Katakomben und verkühlt wirkte dann ihre Spielweise in den ersten Momenten dieses Durchgangs.
Immer wieder ließ man Hansa viel Raum zum Kombinieren und damit gefährliche Aktionen zu. Ein Raunen ging durchs Auditorium, als ein Rostocker über links aufs Tor stürmt, am weg rutschenden Neumann vorbei auf Busch zu kommt und straff aus 10 Metern abzieht. Busch bekommt den Arm noch hoch und verlangsamt die Eigengeschwindigkeit des Balls merklich. Nur das ermöglichte es Laars, rechtzeitig auf der Linie zu erscheinen und das Runde noch weg zu schlagen (49. min). Ganz knappe Kiste. Nulldrei aber noch nicht wirklich wach gerüttelt. Kurz danach fing man sich zwei Freistöße aus zentraler Position ein. Einmal kann Busch klären, das zweite Mal wird der Schuss geblockt (51., 53. min). Dann eine unklare Situation. Der Gastgeber kommt durch Albert über rechts, der flankt relativ ungefährlich, Busch kann auch klären, fällt dabei aber wie vom Blitz getroffen um und muss behandelt werden. Das ganze ohne sichtbare Einwirkung von außen. Er kann aber weiter spielen. Kurz darauf wieder Freistoß für Hansa. Augenscheinlich hatte Hansen nun ausreichend geübt, denn diesmal zirkelte er den Ball über die Mauer in die rechte Torseite. Busch ließ den Ball regungslos passieren. Das schien Babelsberg aber nun doch genug zu sein und man nahm die Offensivbemühungen wieder auf. In der 60. Minute brachte Moritz eine Flanke auf Hartwig an den 16-Meter-Raum, der setzt sich gegen zwei Rostocker durch und spitzelt den Ball zu Ben-Hatira. Der schießt, etwas in Rücklage gekommen, aber direkt auf Klandt. Den Abpraller bekommt Donkor vor die Füße, sein Versuch wird aber ebenfalls vom Keeper entschärft. Sekunden später musste Klandt dann aber doch hinter sich greifen. Mutsche passt auf Höhe der Mittellinie in die Mitte zum durch startenden Moritz, der nimmt den Ball mit, gewinnt das Laufduell gegen die Verteidiger und kann auch den heraus eilenden Keeper überwinden. Er lenkt den Ball flach in die linke Ecke des Tores. Beim Schuss knallt sein Knie aber unglücklich mit dem Schuh des Torwarts zusammen, eine kurze Behandlungspause und bange Minuten auf den Rängen folgten. Es ging aber weiter.
Das weitere Spielgeschehen brachte Chancen auf beiden Seiten. Hansa machte mit zunehmender Spieldauer hinten auf, was Nulldrei einige Konter ermöglichte. Nach 75 Minuten erreicht ein langer Pass Donkor 10 Meter vor dem gegnerischen Tor, er lässt sich aber abdrängen und vertändelt dann den Ball. Minute 85: Freistoß für Hansa, der Ball kommt zentral dicht vors Tor, Freund und Feind bilden eine große Traube, dann ist es aber doch en Babelsberger Fuß, der den Ball klären kann. Noch mal Freistoß Hansa, diesmal von links und direkt aufs Tor gezogen. Busch klärt bravourös und lenkt den Ball über die Latte. Die anschließende Ecke faustet er dann geschätzte 30 Meter weit aus dem Gefahrenbereich. Die letzte gefährliche Situation dann für Babelsberg. Donker geht auf links, lässt 2,3 Gegner aussteigen und legt zurück auf Mutsche. Der nimmt den Ball direkt, der Torjubel lag schon auf den Lippen, sein Schuss blieb aber an einem Rostocker hängen.
Sei’s drum, auch die angezeigten 2 Minuten Nachspielzeit, die dann 5 Minuten dauerten, wurde überstanden. Babelsberg gewinnt 2:1 in Rostock und baut den Vorsprung weiter aus.
Eine gute, mannschaftlich-geschlossene Leistung reichte, um die kombinationssicheren Hansa-Bubis in die Schranken zu weisen. Rasti konnte gut gelaunt und gut gekleidet den Pressevertretern entgegen treten.
Zurück ging es dann sangesfreudig an einer unerklärlich-langen Aneinanderreihung von Polizei-Fahrzeugen und drei Reisebussen vorbei.
Tore: 0:1 Donkor, 13. min.; 1:1 Hansen, 56. min.; 1:2 Moritz, 61. min.
Babelsberg: Busch – Lukac, Laars, Neumann, Rudolph – Zenk, Hartwig, Mutschler, Moritz – Ben-Hatira, Donkor (91. Vukadin)
Rostock: Klandt – Mauersberger, Wagefeld, Hansen (75. Jahn), Müller, Dojahn, Fogel, Hartmann, Kessler, Pett, Albert
Schiedsrichter: Müller (Stendal)
Zuschauer: knapp 520 zahlende, davon ca. 200 Babelsberger, zuzüglich unverhältnismäßig viele grüne Zaungäste