NFV Gelb-Weiß Görlitz 09 - BSG Chemie Leipzig 1:3 (1:0)
Zuschauer: 543 (350 Gäste)
Tore: 1:0 Schneider (15.), 1:1 Haufe (65.), 1:2 Karau (77.), 1:3 Markus (88.)
Selten zwei so unterschiedliche Spielhälften gesehen! Görlitz in der ersten Halbzeit ganz stark, so Chemie hinten eingeschnürt hat noch kein anderes Team. Das 1:0 schmeichelhaft für Chemie, die nach dem 0:1 völlig von der Rolle waren, Fehler über Fehler kreierten und nichts dem starken Gastgeber entgegensetzen konnten. Nach der vielleicht schwächsten Halbzeit folgte von Chemie die wohl stärkste Hälfte der Saison. Mit guten vorangegangenen Chancen den Ausgleich durch den eingewechselten Haufe verdient. Dann die spielentscheidende Szene, als Russek - wie schon im Hinspiel - sich nicht im Griff hat und völlig zurecht mit Rot runter musste, übrigens genau in der selben Minute wie beim Hinspiel (70.), kurios! Aber der Reihe nach:
Bei nasskalten Nieselregenwetter bleibt sowohl der Heim- als auch der Gästeblock deutlich leerer, als dass in einem Sommerspiel der Fall gewesen wäre. Dennoch ansehnlich der Gästeblock mit 350 Chemie-Fans. Chemie muss wieder einmal seine erfolgreiche Elf umstellen, der zentrale Kopf Schmidt fehlt wegen Gelb-Sperre. Da auch sein Partner im zentralen Mittelfeld, Reich, seit Wochen ausfällt, war man auf Leutzscher Seite gespannt, wie Trainer Schönitz diese Lücke füllen wird. Neu im Team Abwehrspieler Portleroy, dafür Wolf auf Rechtsaußen und der eigentliche Flügelflitzer Sauer als Regisseur. Mit dieser Umstellung sollte das Trainergespann, wie sich später herausstellen sollte, völlig daneben liegen. Jedoch beginnt Chemie gut, hat in den ersten Minuten deutliche Ballbesitz-Vorteile und das Spiel findet fast ausschließlich in der Hälfte von Gelb-Weiß statt. Eine gute Chance kann dabei aber nicht erspielt werden, dafür steht die großgewachsene Defensive von Görlitz zu sicher. Nach zehn Minuten verlagert sich das Spielgeschehen völlig. Kajcas abgefälschter Ball ist noch kein Problem für den in Hälfte 1 etwas wackligen Kotzbau. In Minute 15 dann ein Zuckerpass von Abwehrspieler Odrzywolski quer übers Spielfeld, mitten in den Lauf von Kajca, der den Ball gekonnt annimmt, flach nach innen spielt, Chemie-Kapitän Karau rutscht am Ball vorbei und Schneider braucht nur noch den Fuß hinhalten - der Ball rollert unter Kotzbau hindurch zum 1:0 für Görlitz. Zu diesem Zeitpunkt ein nicht wirklich anbahnender Treffer, aber Görlitz sollte sich in der kommenden halben Stunde die Führung redlich verdienen. Übrigens ist es der erste Gegentreffer für Chemie gegen eines der Top-9-Teams der Liga. Chemie wackelt nach dem Rückstand gehörig und Görlitz will das ausnutzen, vor allem Regisseur Sentivan lässt den Ball auf rutschigem Boden schön laufen, genau so ein Regisseur fehlt bei Chemie nun völlig. Sentivan ist es auch, der eine Chance für Marx einleitet, der Goalgetter kann aber den Ball nicht platzieren, so dass Kotzbau keine Probleme hat. In der 24. Minute ein weiterer haarsträubender Fehler von Karau, der unbedrängt den Ball einen Görlitzer in die Beine schiebt. Görlitz spielt dabei schnell nach vorn, Kajca flankt, Kotzbau kommt nicht an den Ball und Marx köpft auf das leere Tore, der Ball wird aber von Trogrlic kurz vor der Linie geklärt. Riesenglück für Chemie in dieser Situation. Görlitz drückt weiter, wieder verliert Karau einen Zweikampf in der eigenen Hälfte, wieder kommt Marx zum Abschluss, Kotzbau hält. In der 34. Minute erneut Glück für Chemie, genauer für den zum Teil überforderten Wolf, der in seinen Gegenspieler Russek rutscht und sich nicht hätte beschweren dürfen, wenn der Schiri Foul gegeben und den Spieler mit Gelb-rot vom Platz gestellt hätte. Zumindest Freistoß hätte es da geben müssen. Ansonsten das Schirigespann sehr kleinlich, pfeift jedoch auf beiden Seiten viele Freistöße, die man nicht zwingend pfeifen muss. Auch in den Folgeminuten Görlitz am Drücker gegen immer unsicher agierende Leutzscher. Einer der vielen Freistöße für Görlitz aus dem Halbfeld landet bei Odrzywolski, der dabei von einem Stellungfehler von Keeper Kotzbau profitiert, den Ball aber nicht aufs Tor bekommt - die nächste gute Chance für den NFV. Eine Minute später verzieht Russek freistehend aus 20 Meter, wieder Glück für Chemie. Der Gästeblock sichtlich unzufrieden mit der Vorstellung der eigenen Mannschaft, "Chemie erwache" schallt vereinzelt aus dem Block, wobei die meisten Chemie-Fans einfach nur noch den Halbzeitpfiff ersehnen, möglichst ohne weiteren Gegentreffer. Immerhin kann Markus durch einen Freistoß aus 30 Meter den für dieses Spiel neu ins Tor kommenden Wochnik prüfen. In den letzten 5 Minuten der ersten Halbzeit passiert nichts mehr - allgemeines Aufatmen bei allen Leutzschern, sicherlich einschließlich der Spieler und des Trainergespanns.
Die zweite Halbzeit bringt gleich mal zwei Korrekturen bei Chemie mit sich. Sauer und Wolf machen Platz, Engelbrecht und Haufe kommen rein. Und diesmal sollten die Trainer auch richtig liegen. Denn zum einen gehört wieder die Anfangsphase Chemie, zum anderen sind es immer wieder Engelbrecht und Haufe, die ihre Mannen nach vorn treiben. Fast alles geht nun über deren rechte Seite. Nach nur wenigen Sekunden in Halbzeit 2 kann Engelbrecht zum ersten Mal aus aussichtsreicher Position abschließen, trifft den Ball aber nicht richtig, vorbei. 5 Minuten später ist es wieder Engelbrecht, der zum Abschluss kommt, aber vorbei köpft. Görlitz kommt kaum noch nach vorn. In der 54. Minute die bis dahin beste Chance für Chemie, Haufe flankt von rechts, Jentzsch köpft mustergültig gegen den Lauf von Wochnik, haarscharf vorbei, da wäre der Keeper machtlos gewesen. Nur zwei weitere Minuten später probiert es Müller mit einem Distanzschuss aus 20 Metern, auch knapp vorbei, diesmal wäre Wochnik aber wohl zur Stelle gewesen. Chemie wie verwandelt! Der starke Haufe in der 58. Minute mit der nächsten Maßflanke von rechts, wieder kommt Jentzsch aus Nahdistanz zum Kopfball, diesmal knapp drüber. Dann auf einmal doch wieder Görlitz, in der 61. Minute schlägt Wochnik ab, der Ball geht zentral durch das heute oft etwas verwaiste Leutzscher Mittelfeld und auf einmal steht Marczak frei vor Kotzbau, der aber in dieser Szene stark seine Qualitäten im eins zu eins ausspielt. Auf der Gegenseite gibt es Freistoß aus 20 Metern für Chemie. Haufe läuft an und trifft genau in den Winkel - ein Traumtor. (PS. Hier von einer "krassen Fehlentscheidung" was die Freistoßentscheidung betrifft, zu sprechen, halte ich für stark übertrieben, man lese dazu mal den Ticker der Görlitzer zwei Minuten vorher, da war es noch eine "fragliche" Entscheidung ... also zusammengefasst: bei der kleinlichen Linie des Schiris war das für mich genauso ein Freistoß wie die anderen auch). Dann die Szene, die wohl spielentscheidend ist. Russek wird gefoult und hat sich wie im Hinspiel nicht unter Kontrolle, streckt Karau mit einer klaren Kopfnuss nieder, während Heyse angerannt kommt und sich Russek zu Brust nimmt, der auf einmal per Schauspieleinlage urplötzlich hinfällt und sich den Kopf hält - eine dämliche und peinliche Aktion des Görlitzers, der zurecht mit glatt Rot runter muss, während Heyse für sein "Zu-brust-nehmen" mit Gelb ebenso das richtige Kärtchen gezeigt bekommt. Übrigens in dieser Szene auch keine Proteste auf Görlitzer Seite. Danach muss sich das Spiel für ein paar Minuten etwas beruhigen, ehe Chemie anfängt seine numerische Überlegenheit auch auszuspielen. Dennoch muss eine Standard herhalten. Nach einer Ecke köpft Engelbrecht aufs Tor, Wochnik kann noch parieren, ist aber beim Nach-Kopfball von Karau chancenlos (77.). Grenzenlose Freude im Gästeblock, wo man viele ungläubige Gesichter sieht, da noch immer die schwache erste Hälfte in den Köpfen steckt und das Wissen, dass das Spiel schon für Görlitz hätte entschieden sein können. In den folgenden Minuten drückt Görlitz noch mal nach vorn, trotz Unterzahl, Chemie in diesen Minuten zu passiv und zu vielen kleinen unnötigen Gegner-Berührungen, die auch jetzt weiterhin allesamt abgepfiffen werden. So kommt Görlitz noch einmal zu einer Kopfballchance, aber Kotzbau pariert und ist wieder ganz der Alte. Im Gegenzug macht der heute eher unglückliche Markus alles klar - einen hohen Ball nimmt er im Strafraum gekonnt an, lässt dabei seinen Gegenspieler ins Leere laufen, und schiebt anschließend eiskalt ins linke Eck ein (88.). Die Entscheidung. Und mehr sollte auch nicht mehr passieren.
Fazit:
Chemie geht als Spitzenreiter in die Winterpause. Wie in Riesa hatten sie auch heute das nötige Glück, um ein enges Spiel letztendlich erfolgreich zu gestalten. Aufgrund der starken zweiten Halbzeit aber auch kein unverdienter Sieg. Görlitz präsentierte sich eine Halbzeit lang bärenstark, da habe ich nichts mehr auf unsere Mannschaft gegeben. Doch da haben mich unsere Jungs eines Besseren belehrt, das war ein grandioses Jahr für uns ![]()
Spieler des Spiels:
Tobias Haufe & Louis Engelbrecht - die beiden zur zweiten Halbzeit eingewechselten Leutzscher spielten groß auf, starteten Angriff über Angriff auf ihrer Seite und drehten mit einem Traumtor (Haufe) und einer Vorlage (Engelbrecht) das Spiel.