Silli
Genauso ist es!
In Brandenburg gibt es eine eindeutige Differenzierung zwischen Gebieten mit einem Bevölkerungszuwachs und einem peripheren Bereich, in dem die Bevölkerung ständig abnimmt im besonderem Maß der Jugendanteil und der Erwerbstätigenanteil. Da helfen den Städten auch nicht mehr lange die umfangreichen Eingemeindungen.
Beide Bereiche haben, auf den Fußball bezogen, eine Gemeinsamkeit. Die Identifikation mit der Stadt/Region nehmen ab. Außerdem gehen die Zuschauerzahlen zurück (Dörfer mal ausgeklammert, dort sind die Werte seit einem Jahrzehnt relativ konstant.). Im Zuzugsgebiet herrscht ein Spielerverhalten vor, welches dadurch geprägt ist, dass der Spieler sich den Verein sucht, der ihm das meiste Geld bietet. Der Wohnort bzw. der Ort des ihn einst ausbildenenden Vereines spielt bei der Vereinswahl keine Rolle mehr. Die eindeutigste Extreme in diesem Fall beobachtet man in Berlin, wo es schon zur Normalität gehört, dass ganze Mannschaften wechseln. In den Vereinen zentraler Orte des Peripheriebereiches wurde zwar auch ein ähnliches Verhalten festgestellt, aber nur in einem geringen Ausmaß. Die Grundtendenz gerade bei jüngeren Spielern ist zumeist die gleiche.
Im oftmals belächelten ländlichen Bereich fehlt die Jugend zunehmend. Eine Grundlage zur Herausbildung einer Identifikation ist hier schon dadurch kaum gegeben. Jeder will einfach nur schnell da weg. Gerade jetzt am Montag hab ich mal in Schmölln (Westuckermark) beim Pokalspiel gegen Parmen vorbeigeschaut. Die Region wird diesen Feiertag bestimmt nicht als solchen empfinden. Ein Tag wie jeder andere - einzige Ausnahme: heut wird eben mal am Montag gespielt. Zwar sind 50 Zuschauer noch ok, aber die ganze Atmosphäre dort, auch ringsherum in der Gegend, wirkt trostlos. Es ist aber erstaunlich, wie groß dort teilweise noch die Identifikation ist. Gemessen an der Einwohnerzahl werden die Spiele gut besucht. In Eberswalde konnte mal Parmen mit 40 Leuten, die überwiegend auch noch Schals beihatten, überraschen. Natürlich nur Ü40, da die Jugend fehlt. Aus eigener Kraft schafft aber es dort kein Dorf-Verein auf Dauer zu überleben. Die wenigen Städte und größeren Dörfer nehmen wenigstens noch eine zentrale Position für das Umland ein. Hier hat man zwar die Leute und die Jugend, aber zu den Vereinen geht kaum einer. Die durchschnittlich 143 Zuschauer beim Heimspiel bei Rot Weiß Prenzlau sind im Vergleich mit der Einwohnerzahl sehr schwach. Die Gründe sind anscheinend im Desinteresse im Zusammenhang mit mangelnder Identifikation zu suchen. Je weiter man Richtung Berlin kommt, umso stärker nehmen die Zuschauerzahlen ab. Der Fußball ist kaum von Interesse und das Freizeitangebot sehr groß. Dazu kommt noch die Nähe zu Berlin. Man müsste es dort versuchen einen Mittelweg zwischen 1. einem gemeinschaftlichem Zusammenhalt im Verein (Jugend + Eltern, Alte Herren, Frauen + Umfeld besuchen das Spiel der 1. Herren, die zumeist Aushängeschild sind) und 2. einer Orientierung zum Event finden. Mit dem ersten Punkt soll eine starke Basis geschaffen werden, mit dem zweiten Zuschauer der Partygeneration angelockt werden. Ein paar vernünftige kann man dadurch immer gewinnen. Freundschaftsspiele gegen Hertha usw. sind damit nicht gemeint. Das bringt einen Verein nicht voran. Wie bereits angesprochen, gibt es Defizite in der Öffentlichkeitsarbeit.
Und so sieht es auch im Zuzugsgebiet aus. Dort steigt aber die Konkurrenz der Freizeitmöglichkeiten im Verhältnis zur Bevölkerungszahl gleich an. Den wenigen Zuschauerzahlen, die auf eine mangelnde Identifikation zurückzuführen sind, müsste man versuchen mit ähnlichen Mitteln entgegenzuwirken.
Berlin wird in den Medien immer so hervorgehoben (z.B. Berlin du bist so wunderbar...), dabei haben es dort die kleinen Vereine auch relativ schwer. Lautsprecheranlagen, Flutlichtanlagen, Plätze können oft nur eingeschränkt genutzt werden.
Hennigsdorf (ca. 25000 Einwohner!!!) hat bei den Spielen nur gut 150 Zuschauer. Da kann das Stadion noch so schön sein, aber mehr Zuschauer kommen unverständlicherweise nicht.
Zur WM holt noch der letzte Trottel die Deutschlandfahne raus und in den Stadien jenseits der Profiligen herrscht weiterhin gähnende Leere in der Fußballnation Deutschland?
Trotzdem sind mir Spiele mit 50 Zuschauern (aktiven Fans) lieber als 1000 stumme Leute im Stadion. Unterstützung und Spektakel gehören für mich genauso zum Fußball, wie das Trikot zur Ausstattung des Spielers, oder der Senf zur Bockwurst 
Eine Ergänzung zum ländlichen Raum:
Das ganze Problem liegt in der Wirtschaft (und Drumherum). Die aktuellen Zustände in den unteren Ligen in der Region sind nur ein Symptom. Ohne Dezentralisierung, wird es hier immer schlimmer. So wie man vor einigen Jahrzehnten in NRW Hochschulen aus dem Boden gestampft hat, so müsste es beispielsweise auch in der Region zwischen Prenzlau-Schwedt-Templin gemacht werden.