Original von S-S-B
Dass Leskes Pillepalle-Fehler ein schlechtes Licht auf seine (Doktor- !) Arbeit werfen, darüber sind wir uns einig. Aber genauso fahrlässig wäre es, damit die Arbeit in ihrer Gesamtheit als wissenschaftlich gescheitert zu betrachten. Ich will jetzt hier nicht in eine akademische Diskussion abschweifen, aber wenn die Kritik vorrangig auf vernachlässigbaren (weil von Nebenplätzen herrührenden) Detailfehlern basiert, wird dadurch die Kritik an der Hauptaussage nicht automatisch fundiert.
Dass die Quellenlage bei der Bewertung von DDR-Unrecht kompliziert ist, wissen wir spätestens seit den Mauerschützenprozessen. Erst gab es keinen Schießbefehl, dann wollte ihn keiner gegeben haben und trotzdem wurden Leute beim Fluchtversuch erschossen. Bitte jetzt nich aufschreien von wegen der Vergleich sei geschmacklos und so. Aber genauso wenig wird man je eine Dienstanweisung Mielkes finden wo drin steht, der Bfc sei durch tschekistische Maßnahmen zum Titelgewinn zu führen. Ist jetzt damit bewiesen, dass der Bfc nicht begünstigt wurde? Nein! Denn es gab ja andere Quellen, z.B. interne DFV-Statistiken, namentlich die 2 Analysen von 84/85, und es gab aktenmäßig bekundete OibEs und IMs als Oberliga-Schiedsrichter.
Gerade von einem Geheimdienstchef zu verlangen, er solle seine Manipulationen aktenkundig machen, ist doch arg naiv, oder? Aber was einige hier mit Spekulationen, Deutungen oder subjektive Schlussfolgerungen umschreiben, ist in der Geschichtswissenaschaft durchaus legitim, in vielen Bereichen die einzig möglich Methode sogar. Da muss man eben aus 2-3 Statistiken und indirekten Querverweisen eine historiologische Aussage konstatieren, auch wenn sie nicht durch eine Primärquelle expressis verbis bekundet wird.
Wissenschaftlich gesehen wäre es jetzt nötig, anhand Leskes Buch die Richtigkeit bzw. Fehlerhaftigkeit seiner These von den Manipulationen Erich Mielkes zu eruieren. Dazu reicht es aber nicht, nur an den ärgerlichen Detailfehlern rumzukritteln. Wenn man denkt, die These sei falsch, müsste sie wissenschaftlich widerlegt werden. Dazu müssten jetzt also Gegenbeweise erbracht werden, z.B. durch andere DFV-Statistiken, die den Bfc als Schiedsrichterbenachteiligten darstellen, oder durch CIA-Akten, diedie Schiedsrichter als geheime Union-Spiogenten demaskieren 