In dieses Thema könnte man ja Berichte aus Zeitungen einstellen, die nirgendwo sonst rein passen.
Problem Neugersdorf kann jeden treffen
Der FC Oberlausitz Neugersdorf, einziger in der Oberliga spielender Verein aus der sächsischen Lausitz, hat kürzlich alle hochfliegenden Träume über Bord geworfen, die Zielstellung für die Saison korrigiert und Verträge mit einer Reihe namhafter Spieler (Jugo, Capek und Torhüter Branis) aufgelöst - aus wirtschaftlichen Gründen, wie es in einer Pressemitteilung des Vereins heißt. Dass weitere Spieler den Verein noch in der Winterpause verlassen, ist nicht auszuschließen. Anlass genug, bei den hochklassigen Vereinen der Region nachzufragen, ob sich die schwierige wirtschaftliche Lage auch bei ihnen ähnlich auswirken könnte.
Dietmar Stange, Präsident des Landesligisten FSV Budissa Bautzen verneint das für seinen Verein: "Geld ist immer knapp, aber wir haben keine finanziellen Probleme. Allerdings können wir uns auch keine so teuren Spieler leisten wie Neugersdorf. In dieser Woche haben wir Miroslav Sentivan vom NFV Gelb/Weiß Görlitz bis zum Saisonende verpflichtet. Der 28-Jährige Mittelfeldspieler wird beim Trainingsauftakt am kommenden Montag bereits bei Trainer Thomas Hentschel trainieren."
Beim Nachbarn Bischofswerdaer FV 08 sieht es ähnlich aus. Der sportliche Leiter Steffen Schmidt sagt: "Wir haben keine finanziellen Probleme. Wir sind an zwei neuen Spielern interessiert, aber hier ist noch nichts spruchreif."
Der Klassenunterschied zwischen Ober- und Landesliga scheint sich erheblich auf die Spielerkosten auszuwirken. Während in der Oberliga einige Spieler ausschließlich vom Fußball leben wollen und können und oft über Arbeitsverträge bei Sponsoren finanziert werden, ist die Landesliga eine Amateurliga, in der Spieler in der Regel höchstens Aufwands-Entschädigungen erhalten. Abzulesen ist der Unterschied auch an den Trainingszeiten. In der Oberliga wird auch am Tag trainiert. Dagegen beginnen die Trainingseinheiten in der Landesliga nach der regulären Arbeitszeit am Abend.
Will man aber an der Spitze der Landesliga mitspielen, kommen auch da nicht unerhebliche Kosten auf die Vereine zu. Diese bittere Erfahrung hat der VfB Zittau gemacht. Der Vorsitzende Peter Latuszek sagt: "Ich kann die gegenwärtige finanzielle wie sportliche Situation beim FC Oberlausitz nachvollziehen, wenn auch einige Nummern kleiner. Vier Jahre lang musste unser Verein mit einem Insolvenzverfahren leben und stand zweimal vor dem Aus. Vor vier Monaten konnte unter dieses Kapitel endlich ein Schlussstrich gezogen werden. Mit 500 Euro ist unser Verein in die neue, alte Selbständigkeit gestartet. Einen sportlichen Aufstieg auf gut Glück oder mit Schulden wird es unter meiner Leitung nicht geben. Für mich gilt das Prinzip: Ausgegeben wird nur das, was wirklich in der Kasse ist."
Auch beim NFV Gelb/Weiß Görlitz ist man vorsichtig: "Wir haben eine andere Sponsorenstruktur als die Neugersdorfer, sind keinesfalls abhängig von einem Unternehmen. Aber Vorsicht ist geboten. In unseren finanziellen Saisonplanungen sind wir eher zurückhaltend, kalkulieren mit einem Zuschauerschnitt zwischen 400 und 500. In der Regel wird der deutlich besser und durch attraktive Pokal- und Freundschaftsspiele haben wir Reserven", sagt Pressesprecher Dirk Macykowski. Der Wechsel von Miroslav Sentivan nach Bautzen habe nichts mit Geld zu tun. Sentivan habe nicht einmal danach gefragt, sucht nach sechs Jahren in Görlitz einfach eine neue Herausforderung.
Beim FC Lausitz Hoyerswerda sieht man die Entwicklung in Neugersdorf aus einem besonderen Blickwinkel. Schließlich hat der FCL einen Absturz von der Oberliga bis hinab in die Bezirksliga hinter sich. Und auch da steht man auf einem Abstiegsplatz. Dr. Fritz Taube, Präsident des Vereins, sagt: "Unser Verein hat damals den Fehler gemacht, nicht rechtzeitig zu reagieren. Das scheint beim FCO anders zu sein. Man muss sich eben eher von den Spielern trennen, auch wenn das schwer ist. Ansonsten werde ich mich hüten, Ratschläge zu erteilen."
SZ vom 14.01.2005 - (fth, ck, rs, en)