Ich glaube wir, dass sind Nico und ich, schrieben gestern Abend Geschichte. Nie wieder wird es eine Tingeltour der vier Dänen durch die kleinen Klubs Deutschlands geben. Dessen bin ich mir sicher. Wenn die nicht demnächst die großen Arenen füllen, wer dann? Es fällt mir noch ein wenig schwer, dass gestern Erlebte in Worte zu packen. Ich müsste eigentlich mit Superlative nur so um mich schmeißen.
Den ganzen Tag schon war ich aufgeregt wie im Schuljungenalter. Ich habe mich riesig auf diesen Abend gefreut. Ich hatte irgendwie im Gefühl da was ganz Großes mitzuerleben. Um 15.00 Uhr rief ich Nico an, mir wäre zu langweilig zu Hause, ob wir nicht schon losfahren können? Nee, wollte er nicht. Also kurz entschieden, einfach schon zu Nico, oder bzw. Steffi, gefahren. Ein Haus voller Frauen. Ist ja an sich ne feine Sache. Doch Nico, sach ma, machst du eigentlich auch noch irgendwas anderes? zockte erstmal noch ne Runde Poker. Sehr erfolgreich, wieder einmal. Doch dann stürzte im heads-up, seine Kiste ab. Obwohl er vorne lag, ist sicher ärgerlich, wa?
Punkt 17.00 Uhr fuhren wir vom Hof, eine gute Entscheidung so früh loszufahren, wie sich gleich rausstellen wird. Die A 10 knüppeldicht, mal ging was und mal standen wir. Gegen 19.15 Uhr fanden wir in der Nähe vom Knaack sogar einen Parkplatz. Also wohnen möchte ich dort nicht. Das muss ja ein täglicher Kampf sein, insofern man ein Kfz -Besitzer ist. Nico hat Hunger. Den stillt er und um 19.45 Uhr machen wir uns auf den Weg ins ca.300 Meter entfernte Knaack. Einlass ab 20.00 Uhr hat ja noch hingehauen. Aber die Concert Lounge ohne Ausschilderung, in diesem Dunkel zu finden, war dann gar nee so einfach.
21.00 Uhr sollte es beginnen. Sollte! Pünktlichkeit wird in Denmark wohl eher allzu klein geschrieben. Einziger Minuspunkt des Abends. Um 22.00 Uhr ging es dann los. Und wie? Hammer! Eine Granate jagte die nächste. Ein musikalisches Feuerwerk, das die vier Dänen um Sänger Michael Poulsen zündeten. Von Anbeginn ging das ca. 250 Besucher zählende Publikum gut mit. Habe ich immer gedacht, die halfen im Studio an Musik und Gesang nen bissel nach? Ja, habe ich. Kannste völlig vergessen. Die 4 hören sich live sogar noch besser an. Poulsen, eine Stimme, wie ich sie vorher bei einem Mann noch nie gehört hab, einfach nur traumhaft geil. Gitarrist Thomas Bredahl ging ja mal so richtig ab, auf der eigentlich viel zu kleinen Bühne. Das dem das Gesicht von seinen ständigen Grimassen nicht wehtat, ist nur schwer zu glauben. Bassist Anders Kjölholm war von uns leider immer nur sehr schwer zu sehen. Der versteckte sich am linken äußersten Bühnerand und ward von uns durch einen Metallpfeiler nicht ersichtlich. Aber dass er sein Musikinstrument beherrscht, hörten wa ja. Der absolute Bringer allerdings war für mich Drummer Jon Larsen. Den Doppelbeat, den er der Masse präsentierte, so was habe ich noch nicht gehört. Geht sowat, der Mann muss nach einem Konzert doch völlig hinüber und kaputt sein? Ne megacoole Aktion zeigte dann Sänger Micha Poulsen. Da kroch ständig so ein besoffener Typ neben ihn auf die Bühne und wollte zurück ins Publikum springen. Doch irgendwie waren die Leute nicht wirklich gewillt diesen Menschen aufzufangen. Als er dann trotzdem immer sprang fingen sie ihn. Konnten ihn ja nicht auf der Erde landen lassen. Jut, warum eigentlich nicht? Na jedenfalls hatte Poulsen davon ziemlich zügig die Fresse voll und zeigte dem Herrn mal wie dit jeht. Da war der breite Pöbel dann auch bereiter den Mann auf Händen zu tragen. Doch Poulsens Ansage, als er zurück auf der Bühne war, nun ja. „Irgendwer hat mir gerade die Nüsse gekrault und fast zerquetscht, ich hoffe für euch, dass es ein weibliches Wesen war“. Schön gelacht. Nach 1 Stunde und 30 Minuten Spielzeit war es dann auch schon wieder, leider viel zu zeitig, vorbei. 19 Songs, plus 2 zugaben. The gardens tale, wie erwartet, live der Megaknaller. Ja, da wanderte der Erpelparka vom rechten kleinen Zeh ans linke Ohrläppchen. Einfach himmlisch dieser Song.
Diese 14,70€ waren nie besser investiert. Was bleibt, ist ein Konzert das ich mein Leben nicht mehr vergessen werde. Einfach nur der Hammer! Ich war die ganze Nacht noch so aufgekratzt, dass ich erst heute Morgen gegen acht endlich mal eingeschlafen bin.
Hatte ich erst gedacht, Nico kommt nur mit um mir einen Gefallen zu tun, lag ich mal wieder auch daneben. Der Jute stand neben mir keine Sekunde still und legte sich zum Ende sogar noch ein Volbeat - Shirt zu. Danke Nico, für einen unvergesslichen Abend. Alle die nicht dabei waren, haben, a) etwas verpasst und b) kann ich das für die Zukunft nur empfehlen. Volbeat wird einmal groß rauskommen und Hallen füllen, wie es Metallica einst taten, dessen bin ich mir sehr sicher! Ganz, ganz großer Sport war dit gestern.