Frankfurter Rundschau zu WM-Karten 2006
Über die Hälfte ist schon vergeben
Dem freien Markt wird das Gros der WM-Tickets vorab entzogen / Bis zu 25 000 Karten allein für jeden Fifa-Sponsor
Weniger als 50 Prozent der Eintrittskarten für die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 gehen für den Mann von der Straße in den Verkauf. Sponsoren, Vips, Reiseveranstalter, Vereinsmitglieder und Verbände erhalten mehr als die Hälfte der begehrten Tickets, die zwischen 35 und 600 Euro kosten.
VON FRANK HELLMANN UND JAN CHRISTIAN MÜLLER
Frankfurt a.M. · 5. November · Douglas Gardner, Managing Director des Fifa-Sponsoren Avaya, muss im Februar umziehen. Von Hongkong nach Frankfurt. Der Australier ist der Kontaktmann des weltweit operierenden Unternehmens zum Weltfußballverband Fifa. Weil die WM in Deutschland stattfindet, gibt es viel Arbeit für Gardner in Frankfurt. "Das ist ein riesiges Ereignis", schwärmt der schwergewichtige IT-Experte, "wir wollen damit unsere Marke schärfen".
Hundert Millionen Euro lässt sich der Konzern, der sein Geld mit Kommunikationsnetzwerken verdient, das WM-Engagement seit 2001 bis 2006 kosten. Und erwartet dafür Gegenleistung. Zum Beispiel Tickets. Denn die Geschäftskunden, die Entscheider in großen Firmen, auf die es Avaya abgesehen hat, sollen bei der WM in zweieinhalb Jahren für Avaya begeistert werden. Avaya und die weiteren 14 Fifa-Partner haben deshalb nach FR-Informationen ein Vorkaufsrecht auf jeweils bis zu 25 000 Tickets. Macht zusammen 375 000 der insgesamt 3,2 Millionen Eintrittskarten für 64 Spiele.
Horst R. Schmidt, der Verantwortliche im deutschen Organisationskomitee (OK) fürs Ticketing, räumt ein, dass "es eine Reihe von vertraglichen Verpflichtungen gibt, auf die wir Rücksicht nehmen müssen." Erst dann könne über eine Verteilung der einzelnen Kontingente in den vier Kategorien und den Ticketverkauf im Detail entschieden werden (siehe Interview).
Doch mehr als die Hälfte der Karten ist weg, ehe zu Weihnachten 2004 der offizielle Vorverkauf beginnt. Je acht Prozent gehen an die beiden an einem Spiel beteiligten Nationen (siehe Grafik). Sofern der Antrag bei der EU-Kommission erfolgreich ist, werden zwölf Prozent in einer ersten Phase über deutsche Vereine verkauft - bevorzugt an Clubfunktionäre, Verbandsvertreter und Vereinsmitglieder. Mindestens fünf Prozent möchte Schmidt Reiseveranstaltern aus dem In- und Ausland überlassen, "auch wenn das System seit der WM 1998 belastet ist". Da hatten dubiose Tour-Anbieter die Tickets dreist doppelt und dreifach verkauft.
350 000 Karten, weitere elf Prozent, werden von der Fifa für das so genannte Hospitality-Programm abgezweigt. Vip-Gäste können es sich in den zwölf WM-Stadien bequem machen: ein eigener Parkplatz, eine Loge oder ein Business-Seat, Verpflegung und Betreuung sind im Preis enthalten. Der beträgt rund 1000 Euro pro Person. Frei dem Credo von Fifa-Boss Sepp Blatter: "Wer an etwas Besonderem teilhaben will, sollte auch einen besonderen Aufwand tätigen."
300 Millionen Euro für Vip-Tickets
Den Zuschlag für den Verkauf der Vip-Tickets hat die neu gegründete Schweizer Agentur ISE erhalten, Tochter des japanischen Marketing-Riesen Dentsu. 20 Agenturen hatten sich für den lukrativen Part beworben, aus dem die ISE 300 Millionen Euro erlösen will. 170 Millionen Euro davon leitet die Fifa als Marketing-Zuschuss ans OK weiter. Aber im Gegenzug wird das Ticket-Kontingent belastet.
Und auch die nationalen Sponsoren sind vom OK noch zu bedenken. Die Hamburg-Mannheimer, die sich bei der Fifa-Sitzung in dieser Woche mit Repräsentant Uwe Seeler ins rechte Licht rückte, möchte 10 000 hochrangige Vertreter als Dankeschön mit Karten beglücken. Ein Wunsch, der dem WM-Versicherer kaum abgeschlagen wird.
Auch Continental hat als einer von drei deutschen Fifa-Sponsoren (neben Telekom und Adidas) so seine Vorstellungen. Der Reifenhersteller aus Hannover, der 40 Millionen Euro bezahlt hat, wirbt mit Plakaten, Gewinnspielen und TV-Spots vehement für das WM-Event. Wichtigste Gegenleistung: WM-Karten. Ein maximales Kontingent im fünfstelligen Bereich, sei "das beste Mittel für eine Kundenbindung und einen Reifenkauf", wie es aus dem Unternehmen heißt.
Der Stimmung in den Stadien ist der Großaufmarsch der Oberen aus Firmen- und Funktionärsebene nicht gerade dienlich: Selbst bei Länderspielen in der ansonsten so stimmungsvollen Arena Auf Schalke ist es bisweilen mucksmäuschenstill - weil ein Event-Publikum die Tribünen erobert, das mit dem gemeinen Besucher bei Bundesligaspielen nicht identisch ist. Besorgnis erregend wird die Angelegenheit, wenn Sponsoren wie bei der WM 1998 in Frankreich, zwar ganze Karten-Pakete erwerben, jedoch nur die Top-Spiele besuchen und die anderen Karten verfallen lassen. Allen Bemühungen in der Kartenverteilung zum Trotz - auch Deutschland droht 2006 ein derartiges Szenario, das Ticket-Fachmann Schmidt "unbedingt vermeiden" will.
Quelle: http://www.fr-aktuell.de/ressorts/sport/sport/?cnt=352235
Das finde ich eigentlich viel schlimmer, da so die Chance auf eine Karte gegen Null geht. Naja, war mir ja eigentlich vorher schon klar, das man keine Karten bekommt, die WM ist für die Katz.
Ich finde 35€ den absoluten Hammer für ein Ticket für ein WM Spiel, ich denke mal das die Ticketpreise bei Spitzenspielen höher sein werden.