38 Grad, Schatten und ein Spiel zum Vergessen
Bei unglaublichen 38 Grad ging es für uns auswärts zum SC Borea Dresden. Ein Auswärtsspiel bei solchen Temperaturen klingt ja zunächst nach einer hervorragenden Idee. Fußball, Sommer, Sonne – was soll da schon schiefgehen?
Unser ursprünglicher Plan war sogar, etwas früher nach Dresden zu fahren und vor dem Spiel noch das viel gelobte Restaurant auf dem Gelände des SC Borea zu testen. Sicherheitshalber haben wir dort einen Tag vorher angerufen. Ergebnis: Am Spieltag geschlossen.
Immerhin wussten wir das rechtzeitig und mussten nicht hungrig vor verschlossenen Türen stehen. Also ging es am Samstag bereits gegen 11 Uhr in Riesa los, um spontan irgendwo in Dresden etwas Essbares aufzutreiben. Was sich als erstaunlich schwierige Aufgabe herausstellte. Samstagvormittag und Dresden – offenbar eine Kombination, mit der die örtliche Gastronomie nicht gerechnet hat.
Nach mehreren Versuchen und einigen mehr oder weniger kreativen Alternativen haben wir dann doch noch vernünftig gespeist und konnten uns anschließend relativ früh auf den Weg zum Gelände des SC Borea machen.
Dort angekommen, erwartete uns zunächst das, was man mittlerweile wohl als Dauerzustand bezeichnen kann: eine absolute Großbaustelle. Immerhin fanden wir einen Parkplatz ziemlich nah am Gelände. Anfangs sogar im Schatten. Was bei 38 Grad ungefähr so wertvoll war wie ein Sechser im Lotto. Leider war der Schatten irgendwann der Meinung, dass er seinen Dienst für heute getan hatte.
Also trafen wir uns zunächst mit anderen Stahl-Fans am Eingang unter einem Baum, um noch ein bisschen Schatten zu haschen, bevor der lange Marsch Richtung Kunstrasenplatz angetreten wurde.
Nach einem kurzen Hallo zur Mannschaft hatten wir dann tatsächlich Glück und ergatterten einen Platz unter einem der wenigen vorhandenen Pavillons.
Dieser Platz wurde anschließend nicht mehr verlassen.
Nicht vor der Halbzeit.
Nicht nach der Halbzeit.
Nicht für taktische Analysen.
Nicht für taktische Gespräche.
Nicht für irgendetwas.
Bei 38 Grad entwickelt man irgendwann eine ganz neue Form von Bewegungsökonomie. Und solange der Schatten da war, gab es schlicht keinen Grund, diesen freiwillig zu verlassen.
Leider passte sich das Spielgeschehen dem Wetter ziemlich konsequent an.
Was unsere Mannschaft an diesem Tag ablieferte, war spielerisch wirklich schwer verdaulich. Laufbereitschaft? Fehlanzeige. Spielbereitschaft? Eher überschaubar. Zusammenspiel? Kaum vorhanden. Vernünftiges Abspiel? Ebenfalls Mangelware.
Offensiv wie defensiv war das an diesem Tag einfach viel zu wenig.
Es war eines dieser Spiele, bei denen man irgendwann nicht mehr fragt, wann endlich der Knoten platzt, sondern sich eher fragt, ob überhaupt jemand einen Knoten mitgebracht hat.
Die erste Halbzeit hatte eigentlich nur zwei wirkliche Highlights.
Das erste war ausgerechnet der einzige vernünftig ausgespielte Angriff des gesamten Spiels – und der kam nicht von uns.
Borea spielte diesen Angriff ordentlich zu Ende und erzielte folgerichtig das 1:0.
Das zweite Highlight war leider deutlich unschöner: die Verletzung von Justin Löwe.
Er musste ausgewechselt werden und lief anschließend an uns vorbei. Der Arm sah dabei wirklich nicht mehr so aus, wie ein Arm normalerweise aussehen sollte.
Deshalb an dieser Stelle natürlich gute Besserung an Justin Löwe. Hoffentlich ist es nichts Schlimmeres und er steht schnell wieder auf dem Platz.
Ansonsten war die erste Halbzeit relativ schnell erzählt.
In der zweiten Halbzeit wurde auf Stahl-Seite mehrfach gewechselt. Leider wechselte sich damit nicht das Spielgeschehen.
Es blieb bei sinnlosen Ballverlusten, Pressschlägen, langen Bällen ins Nirgendwo und dem gelegentlichen Versuch, den Ball möglichst weit aus der eigenen Gefahrenzone zu befördern.
Ein wirkliches Spiel entstand daraus nicht.
Angriffe? Meistens eher Zufallsprodukte.
Spielaufbau? Schwierig.
Kombinationen? Seltenheitswert.
Nach vorne ging eigentlich genauso wenig wie nach hinten.
Und irgendwann tat es tatsächlich nur noch weh, dabei zuzusehen.
Dass es am Ende lediglich 1:0 für Borea Dresden hieß, darf man aus unserer Sicht durchaus als schmeichelhaft bezeichnen.
Allerdings nicht für uns, weil wir so stark verteidigt hätten.
Nein.
Borea hat das Tor einfach nicht getroffen.
Wenn wir ganz ehrlich sind, hätte Borea dieses Spiel problemlos mit 2:0, 3:0 oder sogar 4:0 gewinnen können. Chancen waren durchaus vorhanden. Nur die Herren aus Dresden hatten an diesem Nachmittag offenbar beschlossen, das Tor nicht ganz so ernst zu nehmen.
So blieb es beim 1:0.
Und damit muss man im Nachhinein fast schon sagen: Glück gehabt.
Was bleibt also von diesem Auswärtsspiel?
38 Grad.
Eine geschlossene Gaststätte.
Eine kleine Dresdner Restaurant-Odyssee.
Eine Großbaustelle.
Ein Parkplatz, der irgendwann keinen Schatten mehr hatte.
Ein Pavillon, den wir aus verständlichen Gründen bis zum Ende nicht mehr verlassen haben.
Eine verletzungsbedingte Auswechslung.
Und ein Fußballspiel, bei dem man sich zumindest nicht über zu viele Tore ärgern musste.
Das Beste an diesem Nachmittag waren deshalb ganz eindeutig die kalten Getränke und der Schatten.
Und wenn das die beiden größten positiven Erkenntnisse eines Fußballspiels sind, weiß man eigentlich schon ziemlich genau, wie der Nachmittag gelaufen ist.
38 Grad, 1:0 verloren und spielerisch gefühlt kurz vor dem Hitzschlag.
Aber hey – immerhin waren die Getränke kalt.