Leipziger Volkszeitung vom 10.10.
Fahnen ausrollen ist eigenes Risiko
Es ging zwar haarig zu nach dem Abpfiff Bezirksklassenspiels zwischen dem 1. FC Lok Leipzig und BC Mügeln. Aber die tätlichen Auseinandersetzungen zwischen Gäste-Anhängern sowie Ordnern und Offiziellen des Probstheidaer Vereins am vorigen Sonnabend haben keine Konsequenzen für die Gastgeber.
"Wir als Leipziger Fußballverband werden nichts einleiten", sagt Staffelleiter Eberhard Sowa (Torgau). "Die Fans, die dort Dresdner Dynamo- und FC-Sachsen-Fahnen gehisst haben, müssen damit rechnen, dass sie was auf die Plane kriegen." Mügelns Geschäftsführer Harald Schmidt hatte Sowa einen Bericht über die Vorkommnisse geschickt und sich dabei besonders über die Handlungsweise von Steffen Kubald beschwert. Der Lok-Chef hätte einen Mügelner Fan derart geschlagen, dass dieser aufgrund einer Gesichtsverletzung mit acht Stichen genäht werden musste. "Kubald hat unsere Fans angeschrien: Verlasst mein Stadion und die Ordner ha-ben unsere Leute gesackt und rausgeschleppt", wettert Schmidt. Er wurde über diese Vorgänge von Zuschauern erst nachträglich informiert, weil er selbst als Co-Trainer der BC-Mannschaft nicht sofort vor Ort am Spielertunnel des Plache-Stadions sein konnte, durch den die rund 70 Mügelner Schlachtenbummler zum Ausgang geleitet wurden.
Kubald bedauert, dass es soweit kam: "Aber wenn jemand einen Spieler angreift, muss er zur Ordnung gerufen werden. Wir wurden sogar von der Polizei für unser Verhalten gelobt." Um solche Vorkommnisse zu vermeiden, habe er mit den Verantwortlichen des Leipziger Fußballverbandes vereinbart, dass sich die jeweiligen Gegner vorher mit Lok wegen der besonderen Zuschauerproblematik kurzschließen. "Ich habe darüber sogar mit LFV-Präsident Rainer Hertle gesprochen", versichert der Vorsitzende der Probstheidaer. Das betrifft sowohl Heim- als auch Auswärtsspiele, die stets mit extrem großen Besucherandrang verbunden sind. "Bisher hat sich das immer bewährt", so Kubald.
Vor dem Spitzenspiel beim Tabellenvierten Bad Düben am Sonnabend traf Kubald bereits Absprachen mit den Funktionären der Gastgeber. "Aufgrund der ungünstigen Verbindungen mit öffentlichen Verkehrsmitteln haben wir Sonderbusse organisiert. Dass sich unsere Fans wie zuletzt in Mörtitz hinter Bauzäunen drängeln müssen und so kaum etwas sehen, wird nicht passieren", wirbt Kubald für eine Tour in die Dübener Heide.
Norbert Töpfer
Und nochmal LVZ vom 12.10.
Lok im Abseits? Staffelleiter Sowa handelt
Leipzig/Torgau. Was war denn nun wirklich los am Samstagabend im Leipziger Plache-Stadion? Sicher ist nur, dass es nach dem Abpfiff des Bezirksklassen-Spiels zwischen Gastgeber 1. FC Lok und dem BC Mügeln zu Handgreiflichkeiten zwischen Gäste-Anhängern und Ordnern, Offiziellen und Fans des Probstheidaer Vereins kam.
Gestern Abend indes informierte Staffelleiter Eberhard Sowa (Torgau), der noch Montag nichts unternehmen wollte, dass er jetzt handeln müsse. "Ich kannte zunächst keine Details. Inzwischen bekam ich jedoch mehrere Hinweise darüber, auch in schriftlicher Form, was sich abgespielt haben soll. Ich fühle mich gezwungen, das Sportgericht des Leipziger Fußball-Verbandes zu informieren, denn es gab Verstöße gegen die Sicherheit."
Sowa berichtet von Zeugen, die gesehen haben wollen, dass Ordner während der Partie Alkohol zu sich nahmen. Zudem soll es Hetzjagden von Lok-Fans auf Mügelner Zuschauer gegeben haben, bei denen die Sicherheitskräfte zugeschaut hätten. Auch für das Ausrasten von Steffen Kubald gebe es Augenzeugen. Sowa fordert vom Chef des Probstheidaer Vereins eine Stellungnahme ein.
Der Staffelleiter telefonierte zudem mit Schiedsrichter Uwe Schneider (Chemnitz). "Der wiederum hat mir bestätigt, dass während des Spiels überhaupt nichts vorgefallen ist. Sonst hätte er schließlich einen entsprechenden Bericht verfasst." Lok-Trainer Rainer Lisiewicz zeigte sich gestern Abend fassungslos. "Selbst habe ich überhaupt nichts mitgekriegt, sondern nur davon gehört. Ich denke, hier wollen uns Neider etwas anhängen." Er wisse nur, dass die Polizei mit dem jungen Mann, der Lok-Spieler Thomas Wetzig angegriffen haben soll, gesprochen hat. Das sei der Grund gewesen, warum Lok-Boss Steffen Kubald eingriff. Bei dieser Auseinandersetzung wurde der Mügelner Fan im Gesicht verletzt.
Doch der BC Mügeln will sich nun zurückhalten. "Wir als Verein werden nichts mehr unternehmen", sagte Geschäftsführer Harald Schmidt im Namen des Vorstandes: "Wir wollen vor allem unserer Mannschaft nicht schaden. Wir wollen einfach Ruhe haben. Immerhin müssen wir noch das Rückspiel gegen Lok organisieren." Gleichwohl verurteilt Schmidt das provozierende Verhalten weniger Mügelner Fans, die im Plache-Stadion während der Partie Fahnen des FC Sachsen und Dynamo Dresden entrollten.
Bezirksverbands-Präsident Rainer Hertle sah das Ganze gestern nicht so dramatisch. "Für ein Sportgerichtsverfahren müsste einer der beteiligten Vereine Rechtsmittel schriftlich einlegen. Und die Kosten für ein entsprechendes Verfahren müssten überwiesen sein." Lok-Boss Steffen Kubald ist sauer über die Mügelner. "Wenn sich alle an die Absprachen gehalten hätten, wäre nichts passiert. Dann hätten die Gäste-Fans im separaten Block gestanden." Das sind Probleme in Liga sieben, eigentlich ein Witz.
Norbert Töpfer