PROMI-AUSWAHL: DIE Ü 32 DER SPANDAUER KICKERS

Großer Titelfavorit in der Ü
32-Verbandsliga: Der mit Promis gespickte FSV Spandauer Kickers.
Fußballalltag
in Deutschland: An jedem Wochenende lassen ehemalige Profis oder zumindest
frühere Regional- und Oberligakicker ihr Können noch einmal bei den Alten
Herren oder in diversen Ü-Mannschaften aufblitzen. In zahlreichen Oldie-Teams
steht der eine oder andere Fußballer, der zu seinen "besten" Zeiten
höherklassig gespielt hat. Bei den Alten Herren (Ü 32) des FSV Spandauer Kickers hat sich seit der
Gründung der Mannschaft im Jahr 2013 allerdings eine Ansammlung von Ex-Profis
zusammengefunden, die wohl bundesweit ihresgleichen sucht.
Mit Promifußballern wie beispielsweise Torhüter Marco Sejna (47/früher
unter anderem Hertha BSC), Benjamin Köhler (39/Eintracht Frankfurt), Maik Franz
(38/VfL Wolfsburg), Daniel Ziebig (37/FC Energie Cottbus), Josip Landeka
(32/Chemnitzer FC), Chinedu Ede (32/FSV Mainz 05), Guido Spork (45/VfL
Osnabrück), Karim Benyamina (38/1. FC Union Berlin), Halil Savran (34/FC Hansa
Rostock) oder dem neuesten Zugang Michael Delura (34/FC Schalke 04) stehen
Spieler im Kader, die hunderte Erst- und Zweitligapartien auf dem Buckel haben.
Ein kleiner Auszug gefällig? Der frühere U 21-Nationalspieler Köhler
stand mit Frankfurt 2006 im DFB-Pokal-Finale (0:1 gegen Bayern München), Ziebig
mit Cottbus 2011 immerhin im Halbfinale (1:2 gegen den MSV Duisburg). Benyamina
ist Rekordtorschütze von Union Berlin und bestritt zwei A-Länderspiele für
Algerien.
Ede wurde - gemeinsam übrigens mit Manuel Neuer,
Mats Hummels, Jerome Boateng, Benedikt Höwedes, Sami Khedira, Mesut Özil und
Sandro Wagner - 2009 in Schweden U 21-Euroapameister. Und das ist noch nicht
alles. Kein Wunder also, dass die Kickers die Berliner Ü 32-Verbandsliga anführen
und auch aktueller Deutscher Meister sind.
"Das
Teambuilding ist unglaublich. Alle sind positiv, ziehen an einem Strang und
gehen mit viel Spaß an die Sache heran"
Wie aber hat es der FSV Spandauer Kickers,
dessen erste Mannschaft in
der sechstklassigen Berlin-Liga im
Tabellenmittelfeld rangiert, nur geschafft, dass die Fußballprominenz, die zu
ihren besten Zeiten vor 70.000 Zuschauern am Ball war, nun vor fast leeren
Rängen die gleiche Begeisterung aufbringt wie zu früheren Zeiten?
ALLES BEGANN MIT BEN-HATIRA
"Der Spaß steht bei uns klar im Vordergrund", sagt Trainer
Aleksandar Simic. "Dass so viele frühere Profis für uns kicken, hat sich
durch Mundpropaganda über die Jahre entwickelt. Jeder will nach seiner Karriere
gerne bei uns dabei sein."
Begonnen hatte alles damit, dass es
Gründungsmitglied Oliver Kelm 2013 gelang, Aymen Ben-Hatira (inzwischen 39
Jahre/früher SV Babelsberg 03 )
für das Projekt zu gewinnen. Der ältere Bruder von U 21-Europameister Änis
Ben-Hatira (31/früher HSV und Hertha BSC, zuletzt Honved Budapest) ließ seine
Kontakte spielen.
Auch Ex-Profi Andreas Biermann, der sich stark für die
Aufklärungsarbeit zum Thema Depression im Spitzensport eingesetzt hatte, sich
jedoch am 18. Juli 2014 das Leben nahm, war bei den Anfängen dabei. "Sein
Tod hat uns sehr bewegt und noch mehr zusammengeschweißt. Danach wollten wir
unbedingt Titel für Andreas gewinnen", sagt Trainer Simic

Seit 2018
Trainer der Promi-Auswahl der Kickers: Aleksandar Simic
Um dabei mitzuhelfen, werden keine Kosten und Mühen
gescheut. So nimmt Daniel Ziebig, der als U 17-Trainer für den Halleschen FC
arbeitet, regelmäßig 160 Kilometer Anfahrt in Kauf, um dabei zu sein. Nicht
ganz so oft schafft es Maik Franz, der als Leiter der Lizenzspielerabteilung
beim Drittligisten 1. FC Magdeburg stark eingespannt ist. Viele Spieler sind
aber auch nach wie vor in der Hauptstadt aktiv. So arbeiten etwa Michael Delura
und Marco Sejna als Co- beziehungsweise Torwarttrainer für den
Nordost-Regionalligisten FC Viktoria Berlin , für den früher auch Karim
Benyamina stürmte.
TRIPLE IM ERSTEN JAHR
Aleksandar
Simic, der 2015 selbst als Spieler bei den Spandauer Kickers angefangen hatte
und vor zwei Jahren den Trainerposten bei der Ü 32 übernahm, sieht den
Charakter der Mannschaft als Grundstein des Erfolges. Der 37-Jährige, der zuvor
beim Berliner Landesligisten 1. FC Wilmersdorf für die B- und A-Junioren tätig
war und anschließend auch als Vorstandsmitglied arbeitete, lobt seine Spieler:
"Das Teambuilding ist unglaublich. Alle sind positiv, ziehen an einem
Strang und gehen mit viel Spaß an die Sache heran."
Die Folge: Gleich in seinem ersten Trainerjahr gelang
Simic mit der Promi-Auswahl das Triple. Dank eines Treffers von Shergo Biran
(früher VfL Osnabrück, Union Berlin, Dynamo Dresden und 1. FC Magdeburg)
gewannen die Kickers in Nordhorn durch ein 1:0 im Finale gegen den SC Condor Hamburg erstmals die Deutsche
Meisterschaft.
Zuvor
hatte das Team bereits den Verbandsliga-Titel und den Erfolg im Berliner Pokal
eingefahren. Der von seiner Krebserkrankung geheilte Benjamin Köhler glänzte im
Pokalendspiel gegen Stern 1900 (2:0) als Doppeltorschütze. In diesem Jahr
streben die Spandauer am 12./13. Juni bei der Deutschen Altherren-Meisterschaft
in Neuenburg im Schwarzwald die Titelverteidigung an.
100-TORE-MARKE IM VISIER
In
den Verbandsliga-Betrieb steigt der noch unbesiegte Tabellenführer (elf Siege
und zwei Remis aus 13 Begegnungen) am Sonntag, 9. Februar, mit dem
Auswärtsspiel beim Grünauer BC 1917 wieder ein. Bis dahin steht einmal pro
Woche eine Trainingseinheit ohne Anwesenheitspflicht auf dem Programm. Auch das
eine oder andere Freundschaftsspiel wird absolviert. So trug sich Winterzugang
Michael Delura bei seinem Debüt gegen die erste Mannschaft von Berlin Hilalspor
aus der Verbandsliga (4:5) gleich dreimal in die Torschützenliste ein.
"Unser
Kader umfasst insgesamt 30 Spieler. Nicht alle können aufgrund von beruflichen
Terminen immer dabei sein", erklärt Trainer Aleksandar Simic.
"Dennoch bringen wir jeden Spieltag mit 15 Akteuren eine schlagkräftige
Truppe auf dem Platz."
Bei
einem bisherigen Schnitt von etwas mehr als sechs Toren pro Spiel (insgesamt 80
Treffer) ist der FSV Spandauer Kickers auch großer Favorit auf die
Titelverteidigung. Die besten Schützen sind Benyamina (17 Tore), Biran und
Köhler (je zwölf). "Ende Februar wird die 100-Tore-Marke geknackt",
sagt Simic. "Sonst bekommen die Spieler ein Problem mit mir", so der
Coach weiter und lacht.
Autor/-in:
Peter Haidinger/MSPW