Heimsieg mit "Hähngen und Würgen" (Jena-Dresden 1:0)

  • Freitagvormittag, nach einem kurzen Telefonat ist die nächste Spielabsage Gewissheit: das Heimspiel gegen die kleine Hertha fällt dem Winter zum Opfer. Da aber bereits das letzte Wochenende komplett fußballfrei war, muss kurzfristig Ersatz her. In Jena, an den Rändern der Kernberge, schaufeln fleißige Helfer tagelang, um den Zuschauerbereich schneefrei zu bekommen. Selbst drei Dynamos aus Dresden reisen extra zum Schaufeln an. So viel Enthusiasmus muss gewürdigt werden und der Samstagnachmittag ist verplant. Irgendwann Freitagnacht gegen halb 2 nach einigen Bieren findet sich auch die passende Mitfahrgelegenheit für die Reise nach Jena. Carl Zeiss gegen die SG Dynamo ein Duell was vor einigen Jahrzehnten zu den absoluten Topspielen gehörte. Nun trifft lediglich der Siebzehnte auf den Fünften in Deutschlands dritthöchster Liga.


    Ohne Stau, Unfälle und den üblichen A4-Blindschleichen erreiche ich ca. 50 Minuten vor Spielbeginn das Ernst-Abbe-Sportfeld. Mein bevorzugter Eingang zur Saaleaue hin ist Gästefans-bedingt gesperrt, also wird an der Schnellstraßenseite das Ticket - wie gewohnt Block F - gelöst. Im Stadion angekommen, finde ich "meinen" Block F verschlossen vor, also muss ich wohl mit dem Nachbarblock G vorlieb nehmen. Es folgt ein kulinarischer Stadiontest: die Brezel kann mit denen, die einst im "Wabbel" verkauft wurden nicht mithalten. Die Bratwurst hat noch weniger mit Thüringen zu tun als ich und sollte mir noch schwer im Magen liegen.


    Die Aufstellung birgt - in meinen Augen - ein paar Überraschungen: Wolfgang Frank (FCC) setzt auf den Kahlkopf-Sturm Reimann&Orlando. Neuzugang Eugen Bopp darf sich von Anfang an beweisen und Sebastian Hähnge schmort erstmal auf der Bank. Bei Dynamo richteten sich die meisten Blicke auf Goalgetter Esswein. Zwar hatte ich mit frisch geladenen Akkus und leergeräumter Speicherkarte gut auf das Spiel vorbereitet, aber noch cleverer wäre es gewesen, die SD-Karte nicht im Rechner stecken zu lassen.


    Das Spiel ist eher mau, Jena beginnt forsch, Dynamo wacht erst nach 25-30 Minuten richtig auf. Doch Großchancen, Traumkombinationen, spektakuläre Strafraumszenen vermisse ich. Bei jeder Flanke wird gewitzelt, dass die in drei Kameraperspektiven vom MDR aufgelöst wird - schließlich ist es das Topspiel und gleichzeitig das einzige Spiel, was der Heimatsender am Samstag präsentieren kann. Und tatsächlich sollte fast ein 40-Minuten-Bericht dieses eher lauen Kicks herausspringen. Kurz vor der Pause passiert doch noch etwas, Carsten Nulle kann gegen den spritzigen Esswein klären und Reimi versemmelt mit dem Pausenpfiff die Riesenchance zur Führung kläglich, als lediglich Abwehrmann Jungwirth auf der Linie im Wege stand.


    Insgesamt auf dem Rasen und den Rängen kein großes Highlight. Die Dynamos scherten sich nicht um das Zaunfahnenverbot des Veranstalters und ließen sich auch von der fünften und sechsten Durchsage des Stadionsprechers nicht beirren. Es bleibt weitestgehend friedlich, die Schneebälle, die zwischen Heim- und Gästeblock den Besitzer wechseln, konnte bis jetzt noch kein Medium als aggressive Ausschreitung im Fußballosten glaubhaft verkaufen.


    Auf dem Rasen hat der FCC einen schweren Stand mit zur totalen Unfähigkeit neigenden Spielern wie Kurbjuweit und Reimann. "Kurbel" spielt zudem mit einem sichtlich überforderten Sören Eismann zusammen auf einer Seite, die sich quasi von selbst abmeldet. Reimi hat das bedauernswerte Talent den Ball irgendwohin weiterzuleiten, völlig unabhängig davon wo seine Mitspieler wirklich stehen. Bei Dynamo suchen Röttger und Esswein mit permanenten Gefummel den (Tor)-Erfolg, bleiben aber immer wieder am eigenen Egoismus hängen.


    In der zweiten Hälfte passiert zunächst nicht viel, nach knapp einer Stunde beginnt die Drangphase der Dresdner und alle fragen sich, wann das Tor fällt. Nulle kann gegen Esswein klären und Wolfgang Frank reagiert. Der überforderte Eismann geht für Moses "unberechenbar" Sichone. Die Drangphase übersteht Carl Zeiss ohne etwas dafür zu können, das Spiel plätschert dem Ende entgegen. Frank hat den nächsten Geistesblitz und nimmt den wirkungs-, hoffnungs- und torlosen Reimann vom Feld und bringt mit Sebastian Hähnge den dritten Ex-Dynamo neben Truckenbrod&Nikol. Kurz darauf knallt es zwei mal im Stadion, allerdings nicht in den Fanblöcken: Alexander Esswein hatte aus 20 Metern abgezogen und der Ball klatscht an den Außenpfosten und die Werbebande. Nun sieht selbst Matthias Maucksch gut 10 Minuten vor Schluss Wechselbedarf und wirft Gerrit Müller ins Getümmel.


    Es folgt die Szene des Spiels: erst lässt Tim Kister - bis dahin solider Dynamo-Innenverteidiger - den Ball unmotiviert zur Ecke prallen. An sich keine gefährliche Sache, schließlich wurden 80% der Jena-Ecken bis dahin vom ersten Mann im Strafraum locker geklärt. Dieses mal faustet Keller den Ball genau auf Bopp, sein Querschläger landet bei Hähnge, der trifft im ersten Anlauf Keller und im zweiten das Tor zum 1:0 (83.). Um mich herum ein wilder Haufen blau-gelb-weißen Jubels, ich gebe mich bemüht neutral, werde fälschlicherweise trotzdem vom Nebenmann geherzt.


    Natürlich rennen die Schwarz-Gelben in den Schlussminuten energisch an, Müller macht mächtig Betrieb. Sand und Herzig werden bei der Sportgemeinschaft ins Rennen geschickt. Es bleibt dennoch in einer umkämpften Partie beim schmeichelhaften 1:0 für Carl Zeiss. Ich sehne mich nun nach der Heimfahrt im Warmen, treffe überraschend noch einen Kollegen aus dem Rot-Weißen Saalelager und erreiche nach zügigen Fußmarsch den Bahnhof Jena-West, dort stehen SGD- und FCC-Fans friedlich beisammen und warten frierend auf den Zug. Ich befürchte langsam das mir die Bratwurst wieder hochkommt, deren Konsistenz schon erschreckend viel über ihre Verträglichkeit ausgesagt hat. Glücklicherweise geht es mir wenige Stunden später mit All-You-Can-Eat (Pizza) wesentlich besser.


    Es war wohl eines der letzten Spiele für längere Zeit, denn in Zukunft wird die Szenerie wieder von Kunstrasenkicks und Hallenturnieren beherrscht. Die Klimaerwärmung lässt die Fußballfans bisher bitter im Stich.


    FC Carl Zeiss Jena - SG Dynamo Dresden 1:0 (0:0)
    Tor:
    1:0 Hähnge (83.)
    Zuschauer: 6.422
    FCC: Nulle - Eismann (66. Sichone), Riemer, Voigt, Nikol - Kurbjuweit (87. Luge), Truckenbrod, Bopp, Schmidt, R. - Orlando, Reimann (71. Hähnge)
    SGD: Keller - Strifler, Jungwirth, Kister, Bührer - Hübener, Jungnickel (85.Sand)- Koch (89. Herzig), Röttger (79.Müller), Kegel - Esswein

    R.I.P. Fußball: TeBe Berlin, SSV Reutlingen, Eintr. Bamberg, RW Essen, Bonner SC, Waldhof Mannheim, SpVgg Weiden, SSV Ulm, 1.FC Kleve, LR Ahlen, Sa. Leipzig, Germania Windeck, TuS Koblenz, VfL Kirchheim, Borea Dresden, GW Wolfen, Türkiyemspor, Kickers Emden, 1.FC Gera, Eintr. Nordhorn, RW Kemberg, Germania Schöneiche, VfB Lübeck, OFC Kickers, Wuppertaler SV, FC Oberneuland, MSV Duisburg... [to be continued]

  • ...Es folgt die Szene des Spiels: erst lässt Tim Kister - bis dahin solider Dynamo-Innenverteidiger - den Ball unmotiviert zur Ecke prallen...


    Auflösung: Kister hatte einen Pfiff vernommen und ließ durchlaufen. Doch nicht der Schiri hatte gepfiffen, sondern offenbar jemand aus dem Publikum.


    Ansonsten nett zu lesender Bericht.


    Wieviele Gästefans waren zugegen ?

  • Der MDR meinte etwas von 1.000 Gästefans.


    Im Jena-Fanblock pfiff regelmäßig einer mit ner Trillerpfeife, was die Spieler wohl über das gesamte Spiel etwas verwirrt hat. Falls die Sache mit Kister so stimmt, dann wäre es die Geburt einer neuen Papierkugel.

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  • hatte beim lesen des berichtes teilweise bilder der "werner-moderation"(holzbein kiel vs. ???) vor augen ^^




    Zitat

    Irgendwann Freitagnacht gegen halb 2 nach einigen Bieren findet sich auch die passende Mitfahrgelegenheit für die Reise nach Jena.


    ist dein drahtesel etwa nicht wintertauglich ??? :halloatall:


  • Holzbein Kiel vs. Süderbraurupp oder so???


    Süderbrarupp heißen die meines Wissens. Wobei es die zweite Halbzeit zwischen FC Chemoklo und den TUS Isomatten auch in sich hat. :thumbup:



    ist dein drahtesel etwa nicht wintertauglich ??? :halloatall:


    Selbstverständlich, Winterreifen mit Spikes sind im Thüringer Wald unverzichtbar. 70km durch Schnee und Eis machen bei dem Wetter trotzdem keinen Spaß. ;)

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