Die legendäre Derbyserie 2009

Die spannendsten und emotionalsten Fußballspiele entstehen immer noch aus der tiefen Rivalität zweiter benachbarter Vereine. Ob Celtic gegen Glasgow, Dortmund gegen Schalke oder Inter gegen AC – die großen Derbys dieser Welt ziehen ihren Reiz aus der unmittelbaren Nähe zu einander. Auch bei uns im Norden gibt es so manche Lokalrivalität. Da wäre beispielsweise das Hamburger Stadtderby zwischen HSV und St. Pauli zu nennen. Ein anderes Derby mit großer Tradition ist das sogenannte Nord-Derby zwischen Werder Bremen und dem Hamburger SV. Zwar trennen die beiden Hansestädte knapp 100 km, dennoch hat sich zwischen den beiden „Nordlichtern“ in über 50 Jahren Bundesliga eine große Rivalität entwickelt. Wir blicken auf das besondere Derbyjahr 2009 zurück!



Nordderbys im Wochentakt


Wir schreiben die Saison 2008/09 und der HSV gehört mit Spielern wie Vincent Kompany, Nigel de Jong oder Mladen Petrić und Ivica Olić zur Spitzengruppe der Bundesliga und auch im DFB-Pokal bzw. dem UEFA-Pokal läuft für die Mannschaft von Martin Jol alles nach Plan. Der HSV war damals einfach eine echte Überraschungsmannschaft. Werder Bremen kommt mit dem ewigen Thomas Schaaf an der Seitenlinie in der Liga zwar nicht aus dem grauen Mittelfeld der Tabelle hinaus, dafür läuft es in den Pokalwettbewerben wesentlich bisher. Hier wartet mit dem HSV nun sowohl im DFB-Pokal als auch im UEFA-Cup eine spannende Aufgabe auf die Bremer, die mit Spielern wie Naldo, Diego Mesüt Özil oder Claudia Pizarro ebenfalls bärenstark besetzt sind. Heute gehört Davy Klaassen zu den wenigen Nationalspielern bei Werder und zählt bei den Fußball Wetten von Betway mit den Niederlanden sogar zu den Favoriten auf den kommenden EM-Titel. Beim HSV, der seinerzeit einige niederländische Nationalspieler unter Vertrag stehen hatte, sind derzeit allerdings nicht so viele Legionäre unterwegs.



In der Endphase der Saison 2008/09 standen also innerhalb von drei Wochen gleich vier Nordderbys an. Wir werfen einen Blick zurück auf die die spannenden Duelle


Der erste Akt im DFB-Pokalhalbfinale


Das erste der vier Aufeinandertreffen sollte direkt ein entscheidendes K.O.-Spiel werden. Im Halbfinale des DFB-Pokals empfing der HSV Werder Bremen im Volksparkstadion. In dem umkämpften Spiel brachte Nationalspieler Per Mertesacker die Grünweißen zunächst in Front, doch in der zweiten Halbzeit erzielte Ivica Olić den Ausgleich, der bis zur 120. Minute bestand haben sollte. Im folgenden Elfmeterschießen wuchs Bremens Torwart Tim Wiese über sich hinaus und sicherte dem Meister von 2004 den Finaleinzug. Die erste Runde in der Nordderby-Serie ging also an Werder.


Revanche auf europäischer Ebene?


Nur acht Tage später kam es zum zweiten Aufeinandertreffen der Erzrivalen. Nun stand im Bremer Weserstadion das Hinspiel des UEFA-Pokalhalbfinales auf dem Programm. Nach dem Ausscheiden im DFB-Pokal eine Woche zuvor war den Hamburgern anzumerken, dass sie sich keine zweite Niederlage leisten wollten. In der spielerisch eher armen Begegnung sorgte Piotr Trochowski nach gut einer halben Stunde für die Führung. Da Bremen im Anschluss einige hochprozentige Chancen liegen ließ, gelang dem HSV die Revanche und der erste Schritt Richtung Finale.


Eine Papierkugel für die Geschichtsbücher


Wieder eine Woche später sollte das wohl denkwürdigste Spiel dieser Serie und wahrscheinlich auch eines der denkwürdigsten Nordderbys überhaupt steigen. Im Rückspiel des UEFA-Pokalhalbfinales schien für den HSV alles nach Plan zu laufen. Nach dem 1:0 Erfolg im Hinspiel gingen die Rothosen auch im Rückspiel früh in Führung. Allerdings schlug Bremen mit Diego zurück, sodass sich der Folge ein spannender Europapokalkampf entwickelte. Eine mittlerweile legendäre Papierkugel auf dem Feld trug dann maßgeblich zur Entscheidung bei. Der Ball rollte in Richtung Hamburger Grundlinie und HSV-Verteidiger Gravgaard wollte klären. Allerdings sprang der Ball über die Kugel, weshalb Gravgaard den Ball verfehlte und eine Ecke folgte. Wie es der Zufall so wollte, resultierte aus dieser Ecke die entscheidende 2:1 Führung für Bremen. Ironischerweise handelte es sich bei der Papierkugel um ein Überbleibsel der eigenen HSV-Choreo.


Der Kampf um das internationale Geschäft


Das vierte Aufeinandertreffen der beiden Vereine stieg am 10. Mai, dem 31. Bundesligaspieltag. Nachdem der HSV also auch im zweiten Pokalwettbewerb den Kürzeren gezogen hatte, lag der Fokus nun voll auf der Qualifikation für die Champions League. Als Tabellenfünfter reisten die Hamburger dann nach Bremen. Die Mannschaft von Thomas Schaaf wiederum hatte keine Ambitionen mehr auf die internationalen Plätze und legte den Fokus stattdessen auf die beiden anstehenden Finals im DFB- und UEFA-Pokal. Dennoch wirkte Werder frischer als der HSV und fuhr einen relativ ungefährdeten 2:0 Heimsieg ein. Innerhalb weniger Wochen verspielte der HSV ausgerechnet gegen den Erzfeind die Chancen auf einen Pokal sowie die Gelegenheit, in der kommenden Saison in der Champions League anzugreifen.


Mittlerweile spielt der HSV in der zweiten Liga, wo es unter anderem gegen andere Traditionsvereine wie den VfL Bochum geht. Aber wer weiß, vielleicht schafft Hamburg wieder der Aufstieg in das Fußball-Oberhaus. Dann können sich die Fans wieder auf neue Nordderbys freuen.