Expterterninterview mit uni-24.de Anatoli Bauer zur Zukunft des Fußballs

Der Fußball wandelt sich deutlich, selbst, wenn das für den treuen Fan von Spielzeit zu Spielzeit nicht unbedingt sichtbar ist. Doch die Bedeutung von Trikotverkäufen, bedenklichen Sponsorenverträgen und nicht zuletzt die Weltmeisterschaft im Wüstenstaat Katar, in dem Menschenrechte mit Füßen getreten werden, zeigt deutlich, dass sich das Bild von der einst „schönsten Nebensache der Welt“ enorm verändert hat. Wir sprechen mit dem Experten Anatoli Bauer und sind gespannt auf seine Prognosen zur sportlichen und zur wirtschaftlichen Zukunft des Fußballs, besonders der Deutschen Bundesliga.


Sehr geehrter Herr Bauer, bevor wir gleich tief in das Gespräch einsteigen und die Zukunft der Bundesliga kritisch beäugen, möchten wir natürlich wissen, wie Sie selbst zu einem Experten auf diesem Fachgebiet, indem sich ja beinahe jeder Fan selbst zum Experten erklärt, geworden sind? Eigentlich sind Sie ja dafür bekannt, Schülern in allen Altersklassen mit Ihrem Online-Angebot bei den Hausaufgaben zu helfen.


Das ist tatsächlich eine berechtigte Frage zum Start. Tatsächlich habe ich mit meinem Geschäftspartner meine zwei bestehenden Unternehmen mit dem Ziel gegründet, Schülern Wissen angenehmer, einfacher, prägnanter und direkter zu vermitteln. Zwar ist es bei den meisten schon etwas her, seitdem die letzten Hausaufgaben gemacht werden mussten, dennoch kann ich allen versichern, dass es grundsätzlich, trotz der Möglichkeiten des Internets, nicht viel einfacher geworden ist.


Wird der FC Bayern München auch ohne Robert Lewandowski die Liga dominieren? Foto: Rufus46/Wikipedia (CC BY-SA 3.0)


Auf mehr als 40 Seiten im Internet haben wir uns zu Beginn hauptsächlich dem einfachen Lernen verschrieben. Eine derart große Menge an Seiten muss natürlich täglich aktualisiert werden, es braucht neue Inhalte und genau in diesem Zug hat sich das wahrscheinlich beliebteste Thema in Deutschland schlechthin, der Fußball, angeboten. Zuerst befassten sich in unregelmäßigen Abständen wenige Inhalte mit dem Fußball, da diese allerdings erstaunlich gut ankamen, haben wir beschlossen, den Fußball zu einem unserer Standbeine zu machen. Ich bin damit in den letzten Jahren in meine Expertenrolle förmlich hineingewachsen und beschäftige mich nun nicht mehr nur als Fan, sondern auch geschäftlich täglich mit dem Thema.


Vielen Dank für diese ausführliche Antwort, dann können wir jetzt damit beginnen, die Zukunft der Bundesliga genauer zu betrachten. Sind Sie ebenfalls der Meinung, dass das deutsche Oberhaus im Gegensatz zu den anderen großen europäischen Liegen an Attraktivität deutlich eingebüßt hat und wenn ja, warum ist das so?


Tatsächlich wirkt es auf den ersten Blick so, als würde der Ausgang der Saison bereits ab den ersten Spieltagen einer neuen Saison feststehen. Seit einem Jahrzehnt dominiert der Rekordmeister, der FC Bayern München, das Geschehen und kann scheinbar schalten und walten, wie er das will. Die Fans der anderen Fußballvereine und Freunde des Fußballs im Allgemeinen sind darüber natürlich wenig erfreut und lassen Ihrer Wut freien Lauf. Das Ziel der Aggression ist dabei in den allermeisten Fällen der FC Bayern München und hier sehe ich die große Problematik, warum sich auch in den kommenden Jahren kaum etwas an dieser Dominanz ändern wird. Als einzigem Verein gelingt es den Bayern, konstant auf dem höchsten internationalen Level zu spielen, der Erfolg ist bei diesem Verein kein Zufall, sondern Planung und harte Arbeit. Es ergibt also keinen Sinn, warum Fans oder andere Vereine auf den FC Bayern sauer sind, nur, weil man in München eben weiß, wie es geht. Nicht immer sind die anderen Schuld, die Fehler sind in erster Linie bei einem selbst zu suchen. Borussia Dortmund, der ewige Zweite hinter den Bayern, beschwert sich Jahr für Jahr darüber, dass die eigene Mannschaft von den Schiedsrichtern ungerecht behandelt wird. Das stimmt natürlich nicht und zweitens reicht diese immer gleiche Ausrede nicht aus, um darüber hinwegzutäuschen, dass das Team mit planbarer Regelmäßigkeit in der zweiten Hälfte der Saison leistungstechnisch massiv einbricht.


Nun zur Attraktivität – wer am Ende Meister wird, entscheidet nicht ausschließlich über die Attraktivität in einer Liga. Tatsächlich ist das Mittelfeld in der Bundesliga sehr stark besetzt, etwa wesentlich stärker als in Frankreich, Italien oder in Spanien. In den meisten Partien in der Bundesliga wird somit attraktiver, moderner und schneller Fußball gespielt. Das ist sonst nur noch in England der Fall.


Gibt es Möglichkeiten, die Dominanz der Bayern zu brechen?


Ja, die gibt es tatsächlich, aber es handelt sich dabei nicht um kurzfristige Lösungen. Wer einen Blick auf den Transfermarkt wirft, der stellt fest, dass Bayern mittlerweile eine Taktik anwendet, die bislang eher von Real Madrid bekannt war. Die erste Mannschaft wird punktuell mit teuren Einkäufen verstärkt, der Fokus liegt allerdings deutlicher auf jungen Talenten, manche davon noch Kinder. Diese werden behutsam und langfristig an den Profibetrieb herangeführt. Rohdiamanten, die wesentlich günstiger als fertige Stars und damit finanziell ein geringeres Risiko sind, werden im eigenen Internat und dem Nachwuchsleistungszentrum zu wahren Brillanten geschliffen. Das bedeutet auf lange Sicht nicht nur unglaubliche Qualität für das Team, sondern auch die Möglichkeit, durch teure Verkäufe von Spielern viel Geld einzunehmen. Die portugiesischen Vereine Porto und besonders Benfica Lissabon haben dieses System perfektioniert und produzieren Talente mit großer Klasse am Fließband.


Wer die Dominanz der Bayern in Zukunft brechen möchte, der muss von Grund auf eine neue Mannschaft aufbauen. Die Strukturen müssen wachsen und dazu braucht es eine hervorragende Ausbildungsstätte, ein Scouting von Weltrang und attraktive Anreize, aufgrund derer die besten Spieler sich dazu entscheiden, bei einem Verein zu bleiben, um dort an etwas Großem mitzuwirken.


Brauchen die Konkurrenten des FC Bayern einfach mehr Geld, um es mit dem Branchenprimus aufnehmen zu können? Im internationalen Vergleich zeigt sich schließlich, dass die Mannschaften mit dem größten Budget dominieren.


Geld spielt mittlerweile tatsächlich die größte Rolle im Fußball, doch es ist nicht alles. Das Geld hat erst dann einen Wert, wenn dieses im Zuge gewachsener Strukturen sinnvoll eingesetzt wird. Hierzulande ist Hertha BSC das beste Beispiel. Trotz Millionenbeträge in dreistelliger Höhe kämpft das Team gegen den Abstieg und nicht um die Meisterschaft oder die Champions League, wie noch in jüngster Vergangenheit proklamiert wurde.


Noch deutlicher fällt mein Urteil über PSG und Manchester City aus. Hier wird mit Geld nur so um sich geworfen und dennoch ist es beiden Vereinen bislang nicht gelungen, die Königsklasse, die Champions League, zu gewinnen.


Und wie denken Sie über den FC Barcelona nach, der nicht auf Investoren aus dem Ausland setzt und dennoch den Schuldenberg in Milliardenhöhe Jahr für Jahr vergrößert und dem jedes Mittel recht ist, um sich mehr Liquidität zu verschaffen?


Was Barcelona derzeit betreibt, das ist finanzieller Selbstmord. Das Konstrukt wird in den nächsten Jahren kollabieren und als abschreckendes Beispiel dienen. Zu solchen mafiösen Verhältnissen kommt es in der Bundesliga zum Glück nicht, hier wird sehr genau auf das Financial Fair Play geachtet.


Können Sie uns zum Abschluss ein kurzes Bild von Ihrer Vorstellung der zukünftigen Bundesliga geben?


Einfach ist es nicht, doch ich denke, dass der FC Bayern auch in Zukunft mit großen Schritten voranschreiten wird. Das bedeutet allerdings nicht, dass die anderen Vereine ins Hintertreffen geraten. So wie es Frankfurt kürzlich bewiesen hat, werden auch andere Vereine in Zukunft international mehr Stärke zeigen und Titel einfahren. Die Bundesliga ist auf einem guten Weg, auch, wenn in den letzten Jahren ein Team den nationalen Titel abonniert hat.